Intelligente Fenster, Facebook-Sucht und Fischstäbchen

Fünfte Research plus im Rheinland

Köln – Zum fünften Mal fand die Research Plus gestern in Köln statt - ein kleines Jubiläum, so Mitinitiator Zacharias de Groote bei seiner Begrüßung. Die Deutsche Gesellschaft für Online-Forschung (DGOF) hatte erneut in die Szene-Bar "Die Wohngemeinschaft" eingeladen und wieder fanden sich zahlreiche interessierte Gäste ein. Das Konzept - drei kurze Impuls-Vorträge und entspanntes Netzwerken – scheint aufzugehen. Bereits in fünf Städten organsiert die DGOF die regionalen Veranstaltungen zur Online-Forschung inzwischen und weitere sind in Planung.

"Nicht nur von heute aus denken, sondern auch zurück aus der Zukunft" – mit diesem Leitsatz führte Dr. Tanja Pferdekämper, Strategie/Customer Insights Management/RWE Effizienz GmbH, als erste Vortragende die Zuhörer in das Thema Zukunft des Wohnens ein. Wie leben wir 2030? Welche Produkte werden wir brauchen? In ihrem Vortag "Visions of Living – My SmartHome is my castle" stellte sie ein Zukunftsprojekt des Energiekonzerns vor. Produktvisionen, um die es dabei geht, sind beispielsweise die "mitdenkende" Wohnung mit individuellen Wohlfühlprogrammen inklusive Tischen mit Touchscreen und Fenstern, die sich bei Sturmwarnung schließen. Wichtig zu bedenken sei bei solchen Innovationen immer, dass der Kunde das Gefühl haben will, selbst zu steuern und nicht gesteuert zu werden. Trotz aller Technik stehe auch in Zukunft immer der Mensch im Vordergrund.

Über menschliche Schwächen sprach Prof. Dr. Christian Bosau von der Rheinische Fachhochschule Köln. Der Wirtschaftspsychologe stellte eine Studie über "Fear of Missing Out (FoMO)" vor. Hier wurde der Frage nachgegangen, ob die Angst, etwas zu verpassen, erklären kann, warum aus Facebook-Nutzung Facebook-Sucht werden kann. Warum kann man es nicht lassen Facebook-Einträge zu lesen und zu posten? Warum muss man immer wissen, was andere machen? Warum fühlen Menschen sich schlecht, wenn sie "nicht dabei sind"? Während Internetsucht bereits als Sucht medizinisch klassifiziert ist, ist die Facebook-Sucht ein noch relativ neues, kaum untersuchtes Phänomen. Die Ergebnisse zeigen, dass Facebook-Nutzung eine hohe Korrelation mit Suchterscheinungen ausweist. In der Studie wurde zwischen Input (Einträge lesen) und Output (selbst etwas posten) unterschieden. Output führe danach direkt zu Kontrollverlust und FoMO und dann zu Entzugserscheinungen, also zur Sucht. Input mache im Unterschied dazu direkt süchtig.

Wie menschliche Emotionen, die in Social Media geäußert werden, automatisch erfasst und eingeordnet werden können, erklärten Hans-Werner Klein, Der DataBerata, und Michael Scharf, Consetto, in ihrem Vortag "Meinungsäußerungen ganz frisch – Qualitative Marktbeobachtung in Interessenpanels". Hans-Werner Klein stellte die These auf, dass Marktforschung auch Storytelling sei und dass Zitate helfen könnten, quantitative Forschung zu veranschaulichen. Doch woher nimmt man die Voice of Customer? Social media kann hier eine Quelle für Marktforscher sein. In Foren, Blogs und auf Facebook- Unternehmensseiten äußern sich Menschen über Produkte. Doch wie wertet man die Unmengen an Einträgen aus? Michael Scharf stellte eine Case Study von Frosta vor. Mit einer Software zur semantischen Analyse konnten Einträge ausgewertet und gruppiert werden und per Sentimentanalyse in Kategorien (Positiv/Negativ/Neutral) eingeteilt werden.

Nicht nur nach den jeweiligen Vorträge kam es zu angeregten Diskussionen, im Anschluss an den "offiziellen Teil" tauschten sich die Teilnehmer in der Bar beim Kölsch weiter aus. Das Ziel der DGOF, in lockerer Atmosphäre innovative Forschungsideen vorzustellen und eine stärkere Vernetzung der Forscher im regionalen Raum zu ermöglichen, wurde also auch diesmal wieder erreicht.

ah

Veröffentlicht am: 07.05.2014

 

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