GfK: Konsumklima bleibt in der Krise konstant

Nürnberg – Auch im Mai dieses Jahres zeigt die Stimmung der Verbraucher wenig Bewegung. Die Konjunkturerwartungen legen zum zweiten Mal in Folge leicht zu, während die Einkommensaussichten geringe Einbußen hinnehmen müssen. Die Konsumneigung zeigt sich auf gutem Niveau nahezu unverändert. Der Gesamtindikator prognostiziert nach 2,5 Zählern im Mai für Juni ebenfalls 2,5 Punkte und weist damit seit März dieses Jahres keinerlei Veränderung auf.

Zuletzt haben sich die Hinweise dahingehend verdichtet, dass die rasante Talfahrt der deutschen Wirtschaft ihrem Ende entgegengehen dürfte und Hoffnungen auf eine vorsichtige Stabilisierung noch in diesem Jahr bestehen. So legen auch die Konjunkturaussichten – allerdings auf sehr niedrigem Niveau – zum zweiten Mal in Folge leicht zu. Auch die Anschaffungsneigung verteidigt im Mai ihr positives Niveau und bleibt nahezu unverändert. Dagegen muss die Einkommenserwartung geringe Einbußen hinnehmen. Hier dürfte sich vor allem die steigende Angst vor Arbeitslosigkeit niederschlagen, die unter anderem aufgrund der vermehrten Kurzarbeit ansteigt und die Einkommensaussichten sinken lässt. Folglich indiziert der Konsumklima-Indikator auch für Juni eine sehr stabile Konsumstimmung. Allerdings steht angesichts befürchteter zunehmender Arbeitslosigkeit die echte Belastungsprobe für die Verbraucherstimmung noch aus.  

Konjunkturerwartung: Wendepunkt erreicht?

Zum zweiten Mal in Folge steigt die Konjunkturerwartung im Mai dieses Jahres mit einem Plus von 2,9 Punkten leicht. Aktuell weist der Indikator -28,3 Zähler auf. Der Rückgang der Konjunkturstimmung hat zumindest ein vorläufiges Ende gefunden. Ob damit aber bereits ein konjunktureller Wendepunkt erreicht ist, bleibt abzuwarten. Das Niveau des Indikators mit einem Minus von gut 40 Punkten im Vorjahresvergleich ist jedoch noch immer sehr niedrig.

Trotz des nach wie vor sehr ausgeprägten Konjunkturpessimismus gehen die Verbraucher davon aus, dass gesamtwirtschaftlich das Schlimmste hinter uns liegen dürfte. Auch die Finanzanalysten (ZEW-Konjunkturerwar-tungen) sowie die Unternehmen (ifo-Geschäftsklimaindex) haben sich zuletzt hinsichtlich der Konjunkturaussichten etwas optimistischer gezeigt. Damit sind die Chancen gestiegen, dass bis zum Jahresende 2009 zumindest eine konjunkturelle Stabilisierung gelingen kann.

Einkommenserwartung: geringe Einbußen

Nach dem Plus von 3,4 Punkten im Vormonat muss die Einkommenserwartung im Mai geringe Einbußen von 1,3 Punkten hinnehmen. Aktuell weist der Indikator -9,3 Zähler auf.

Auf der einen Seite wirken derzeit das ausgesprochen ruhige Preisklima sowie die anstehenden Rentenerhöhungen von durchschnittlich 2,5 Prozent kaufkraftstabilisierend und stützten die Einkommensaussichten. Auf der anderen Seite drückt die zunehmende Angst der Bürger vor dem Jobverlust auf die Stimmung. Dies zeigt sich auch an den Ergebnissen der GfK-Studie "Challenges of Europe". Nach einem kontinuierlichen Rückgang in den letzten Jahren ist die Sorge der deutschen Bürger in Bezug auf die Arbeitslosigkeit 2009 mit einem Zuwachs von 4 Prozentpunkten wieder leicht angestiegen. Mit derzeit 57 Prozent bleibt die Arbeitsmarktproblematik mit Abstand das Thema Nummer 1 in Deutschland. Die wahre Belastungsprobe für die Einkommenserwartung dürfte somit erst dann anstehen, wenn sich der Arbeitsmarkt im weiteren Verlauf dieses Jahres – wie von vielen Experten befürchtet – noch spürbar eintrüben wird.  

Anschaffungsneigung: hält gutes Niveau

Die Anschaffungsneigung verteidigt auch im Mai ihr gutes Niveau. Der Indikator verzeichnet ein minimales Plus von 0,1 Punkten und weist aktuell 12,5 Punkte auf. Im Vorjahresvergleich ist sogar ein Plus von knapp 33 Punkten zu verzeichnen.

Neben der Abwrackprämie für Pkw sowie weiteren finanziellen Anreizen aus dem Konjunkturpaket II sorgen derzeit vor allem die moderaten Preise dafür, dass sich die Konsumneigung stabil halten kann. Hinzu kommt, dass die Abwrackprämie als Kaufanreiz inzwischen auch von einer Reihe anderer Branchen kopiert wird. Das bedeutet, dass sich die Konsumenten weiter über sinkende Preise freuen dürfen. Dies stützt derzeit die Konsumneigung.

Konsumklima: weiter stabil

Der Gesamtindikator prognostiziert für Juni 2009 einen Wert von 2,5 Punkten nach ebenfalls 2,5 Zählern im Mai. Damit zeigt das Konsumklima seit März 2009 keine Veränderung. Das Niveau bleibt aber nach wie vor insgesamt eher niedrig.

Ob sich diese überaus robuste Entwicklung des Konsumklimas auch in den kommenden Monaten fortsetzt, wird ganz entscheidend davon abhängen, in welchem Umfang sich der Arbeitsmarkt eintrübt. Sollte das Mittel der Kurzarbeit aus Sicht der Unternehmen ausgereizt und noch keine spürbare konjunkturelle Belebung erkennbar sein, werden Unternehmen zunehmend auch Personal abbauen müssen. Dies würde die Arbeitslosigkeit ansteigen lassen, die Angst vor Jobverlust weiter schüren und damit auch das Konsumklima schwer belasten. Dennoch dürfte der Konsum in diesem Jahr den starken Einbruch bei Exporten und Investitionen etwas abmildern. Für eine vollständige Kompensation dieser Verluste ist das Konsumklima jedoch zu schwach.

Quelle: GfK

Veröffentlicht am: 26.05.2009

 

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