GfK Ärzteklima-Index: Stimmung bei Ärzten gleichbleibend schlecht

Nürnberg – Die Erfahrung, die die deutschen Hausärzte seit rund zwei Jahren mit den Neuerungen im Gesundheitssystem machen, verhelfen der Gesundheitsreform nach wie vor nicht zu einem besseren Ruf. Vor allem die wirtschaftliche Lage der eigenen Praxis sehen die Ärzte sehr kritisch. Spielraum für Investitionen oder Rücklagen sind kaum vorhanden. Das sind Ergebnisse des GfK Ärzteklima-Index für das zweite Halbjahr 2008. Der Wert des Indikators liegt unverändert bei -7 Punkten.

Die Zukunftserwartungen der Hausärzte fallen derzeit noch schlechter aus als die Einschätzungen der aktuellen Situation. Der Index-Wert hierfür liegt bei -16 Punkten und hat sich damit gegenüber dem ersten Halbjahr 2008 ebenfalls nicht verändert. Dies zeigt, dass die Ärzte für die weitere Entwicklung des deutschen Gesundheitssystems kaum positive Tendenzen ausmachen.

Besonders auffallend ist, dass alle Zukunftsindikatoren des GfK Ärzteklima-Index eine negative Entwicklung prognostizieren, obwohl am 1. April 2007 die wesentlichen Bestimmungen der neuen Gesundheitsreform in Kraft getreten sind. Demnach scheinen Hausärzte dieser Reform nicht zuzutrauen, die Probleme des deutschen Gesundheitssystems nachhaltig in den Griff zu bekommen.

Grundstimmung in fast allen Bereichen negativ

Insgesamt ist die Meinung der Hausärzte zur Situation des deutschen Gesundheitswesens unverändert kritisch. Zwar wird die Qualität der medizinischen Versorgung in Deutschland von den Hausärzten für den aktuellen Zeitraum als gut eingeschätzt, die Behandlungsmöglichkeiten für Kassen-Patienten, die Arbeitsbedingungen als Arzt und die Rahmenbedingungen des Gesundheitswesens beurteilen die Hausärzte dagegen als schlecht bis sehr schlecht. Sie gehen sogar davon aus, dass sich die Lage hier künftig noch weiter verschlechtern wird.

Problematische wirtschaftliche Situation

Als besonders problematisch wird vor allem die wirtschaftliche Situation der eigenen Praxis gesehen. Zwar schätzen 15 Prozent der Ärzte diese als gut bis sehr gut ein, dem steht aber rund ein Drittel der befragten Hausärzte gegenüber, deren Praxis schlecht bis sehr schlecht dasteht. Dieses Bild hat sich gegenüber dem ersten Halbjahr 2008 nicht verändert. Im Vergleich zum Vorjahr haben sich diese Werte jedoch verschlechert. Dies spiegelt sich auch in der Investitionsneigung wieder. Bei den Ärzten unter 45 Jahren geben 57 Prozent an, im abgefragten Zeitraum keine Investitionen in die Praxis getätigt zu haben, bei den Ärtzen im Alter zwischen 45 und 55 Jahren sind dies 58 Prozent und bei den Ärzten, die älter als 55 Jahre sind, beträgt dieser Anteil sogar 77 Prozent.

Die schlechte wirtschaftliche Situation zeigt sich auch beim Personal. Auf die Frage, ob sie in den vergangenen sechs Monaten zusätzliches Personal eingestellt haben, antworten 80 Prozent der Ärzte mit nein, Personal abbauen mussten sogar 7 Prozent. Auch in Zukunft wird sich daran nichts ändern. Insgesamt 90 Prozent der Ärzte wollen keine neuen Arbeitsplätze schaffen, 13 Prozent müssen sogar wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich Personal entlassen. Nicht anders die Lage bei den Auszubildenden: Insgesamt 84 Prozent der befragten Ärzte haben in den vergangenen sechs Monaten keinen Auszubildenden eingestellt, nach Ende der Ausbildung konnten 7 Prozent einen Auszubildenenden nicht übernehmen. In den kommenden sechs Monaten werden 89 Prozent der Ärzte keinen Auszubildenden einstellen und 6 Prozent wissen bereits, dass sie ihren Auszubildenden nicht werden übernehmen können.

Angesichts dieser Situation ist es nicht verwunderlich, dass die Ärzte auch die künftige Entwicklung des Gesamtindikators für die wirtschaftliche Lage sehr pessimistisch sehen. Mit -17 Punkten hat sich dieser Wert sowohl gegenüber der letzten Erhebung als auch gegenüber dem Vorjahr verschlechtert.

Patienten mit Gesundheitspolitik unzufrieden

Die Hausärzte nehmen nach wie vor eine hohe Unzufriedenheit bei ihren Patienten wahr. Im Vergleich zum Vorjahr hat der Unmut der Patienten sogar noch etwas zugenommen und die Ärzte rechnen damit, dass sich daran auch in der nahen Zukunft nichts ändern wird. Bei der Frage nach der Zufriedenheit ihrer Patienten mit den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung gehen die Hausärzte davon aus, dass rund 80 Prozent ihrer Patienten einigermaßen zufrieden sind. Anders sieht es dagegen bei der Frage nach der Zufriedenheit der Patienten mit der aktuellen Gesundheitspolitik aus. In der Wahrnehmung der Ärzte sind hier knapp 40 Prozent der Patienten wenig oder gar nicht zufrieden. Auch hier wird sich auf absehbare Zeit nichts ändern – im Gegenteil: Alle Indikatoren der Patientenzufriedenheit weisen nach unten.

Verstärkt wird diese Tendenz wohl auch dadurch, dass mehr als 40 Prozent der Patienten der Ansicht sind, ihr Arzt nehme sich grundsätzlich zu wenig Zeit für sie. Dies korrespondiert denn auch mit der Klage der Ärzte, die Gesundheitsreform habe zu noch mehr bürokratischem Aufwand geführt und lasse ihnen de facto weniger Zeit für die Behandlung ihrer Patienten.

Arzt nicht mehr unbedingt Traumjob

Ein zentraler Kritikpunkt der Ärzte an der Gesundheitsreform ist die zusätzliche Arbeitsbelastung, die bei einer ohnehin langen Wochenarbeitszeit negativ erlebt wird. Fast jeder zweite Arzt gibt an, mehr als 55 Stunden pro Woche zu arbeiten.

Da verwundert es auch nicht, dass der Arztberuf offensichtlich an Reputation verliert. Auf die Frage, ob sie einem jungen Menschen aktuell empfehlen würden, den Arztberuf zu ergreifen, verneint dies mehr als ein Drittel der Ärzte.

Zur Studie: Die Ergebnisse sind ein Auszug aus der Studie "GfK Ärzteklima-Index" und basieren auf halbjährlichen Onlinebefragungen von insgesamt 467 Allgemeinmedizinern und Internisten in Deutschland.

Quelle: GfK

Veröffentlicht am: 11.05.2009

 

Oops, an error occurred! Code: 20220702155953a477cc44

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

Kommentare geben ausschließlich die Meinung ihrer Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht oder gekürzt zu veröffentlichen. Das gilt besonders für themenfremde, unsachliche oder herabwürdigende Kommentare sowie für versteckte Eigenwerbung.

Weitere Meldungen

Fusion zweier Branchenriesen

NielsenIQ und GfK vereinigen sich zu einem Unternehmen

01.07.2022 - Die beiden internationalen Marktforschungs- und Data Science-Unternehmen NielsenIQ und GfK haben heute ihren geplanten Zusammenschluss verkündet. Ziel ist es, einen führenden globalen Anbieter von Verbraucher- und Handelsdaten zu bilden. Die bisherigen Shareholder… weiterlesen

 
Rückblick auf die WdM-Daily-Keynote vom 12.5.2022

Nachhaltigkeit – wo steht die Marktforschung?

30.06.2022 - Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind Themen, die uns mittlerweile alltäglich begegnen. So muss sich auch die Marktforschungsbranche mit der Thematik auseinandersetzen und sich zunehmend fragen, wie das eigene Unternehmen nachhaltiger wirtschaften kann. Gudrun Witt von… weiterlesen

 
Bericht vom BVM-Kongress 2022

Was Marktforschung mit der Macht von Fake-News und dem Terror des Authentischen zu tun hat

27.06.2022 - Am 20. und 21. Juni fand in Frankfurt der „Kongress der Deutschen Marktforschung 2022“ des Berufsverbandes Deutscher Markt- und Sozialforscher (BVM) statt. Marktforschung.de war vor Ort dabei und fasst ausgewählte Highlights zusammen. weiterlesen

 
Bericht von der IIEX Europe 2022

Amsterdam war eine Reise wert - Was gibt es Neues in der Marktforschung?

Melina Palmer (The Brainy Business), Josipa Majic (tacit.tech) und Hannah Kirk (Blue Yonder Research).

24.06.2022 - Zwei Tage IIEX Europe liegen hinter der europäischen Marktforschungsbranche. Zwei Tage, die sich wie vor der Pandemie anfühlten. Was gab es Neues aus der Marktforschungsbranche in Amsterdam zu entdecken? Bilderstrecke und Nachbericht zu der zweitägigen Konferenz in… weiterlesen

 
News aus der Branche

Übernahme beim bio verlag, sd vybrant mit Zuwachs und ein neues Positionspapier zum Forschungsdatengesetz

News

22.06.2022 - Es gibt wieder Neuigkeiten aus der Marktforschungsbranche! Während der bio verlag eine App für Marktforschung übernimmt, freut sich sd vybrant über personelle Verstärkung. Zudem hat sich der Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten nun öffentlich zum Forschungsdatengesetz… weiterlesen

 

Über marktforschung.de

Branchenwissen an zentraler Stelle bündeln und abrufbar machen – das ist das Hauptanliegen von marktforschung.de. Unser breites Informationsangebot rund um die Marktforschung richtet sich sowohl an Marktforschungsinstitute, Felddienstleister, Panelbetreiber und Herausgeber von Studien, Marktdaten sowie Marktanalysen als auch an deren Kunden aus Industrie, Handel und Dienstleistungsgewerbe.

facebook twitter xing linkedin