Geschlechtergerechte Sprache: Schreibweise hat Einfluss auf Gender-Wahrnehmung

Studie von EARSandEYES

In vielen Sprachen, unter anderem im Spanischen, Französischen und auch im Englischen, gibt es spezielle Bezeichnungen oder Worte für Frauen. Im Deutschen sind Frauen "mitgemeint" – werden aber nicht unbedingt mitgedacht: Eine aktuelle Studie des Hamburger Marktforschungsinstituts EARSandEYES zeigt, dass sich die Nutzung des generischen Maskulinums negativ auf den gedanklichen Einbezug weiblicher Personen auswirkt.

Die Studie von EARSandEYES zeigt, dass der Anteil weiblicher Nennungen durch Beidnennung und das Gendersternchen ansteigt bzw. sich verdoppelt (Bild: Sharon McCutcheon - Unsplash)

Für die Studie von EARSandEYES wurden 450 Personen in drei separate Gruppen aufgeteilt und die Befragten wurden dann gebeten, spontan jeweils zwei bekannte Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Bereichen zu nennen. Die Befragungsgruppen unterschieden sich lediglich dadurch, dass in einer Gruppe nach "Schauspielern" (beziehungsweise "Musikern oder "Moderatoren") gefragt wurde und die zweite Gruppe dieselbe Aufgabe mit Beidnennung ("Schauspielerinnen oder Schauspieler" usw.) erhielt. Die dritte Gruppe sollte "Schauspieler*innen", "Musiker*innen" oder "Moderator*innen" angeben.

Anteil der weiblichen Nennungen hat sich verdoppelt

Das Ergebnis ist: 

  • In der Versuchsgruppe mit dem generischen Maskulin wurden in gerade mal acht Prozent der Fälle Personen des weiblichen Geschlechts genannt. 
  • Der Anteil der weiblich genannten Personen stieg bei der Gruppe mit Beidnennungen auf zwölf Prozent.
  • Die Schreibweise mit Gendersternchen führte dazu, dass in 16 Prozent der Fälle weibliche Personen genannt wurden.

Somit hat das Gendersternchen dazu geführt, dass sich der Anteil der weiblichen Nennungen im Vergleich zu der Gruppe mit dem generischen Maskulin verdoppelt hat. 

Außerdem unterschied sich der Anteil der gemischtgeschlechtlichen Nennungen deutlich in den einzelnen Versuchsgruppen: Beim Einsatz des generischen Maskulinums bestand lediglich jede fünfte Nennung aus männlichen und weiblichen Personen – bei Verwendung der Beidnennung bereits jede dritte. Durch den Einsatz des Gendersternchens wiederum reduzierten sich sowohl die Anteile rein männlicher als auch gemischtgeschlechtlicher Nennungen demgegenüber leicht – parallel zum steigenden Anteil ausschließlich weiblicher Antworten.

Auch das Geschlecht der befragten Person spielt eine Rolle

Abgesehen von der Formulierung der Fragestellung zeigt die Studie auch einen Zusammenhang mit dem Geschlecht der Versuchsperson: Generell nannten weibliche Befragte deutlich häufiger weibliche Personen als männliche Befragte – dieser Effekt ist jedoch bei Verwendung des generischen Maskulinums nicht mehr signifikant. Alter und Bildungsstand haben der Studie zufolge keinen Einfluss auf den gedanklichen Einbezug weiblicher Personen.

/cb

Methodik

Erhebungsmethode Online-Befragung im geschlossenen, qualitätskontrollierten EARSandEYES Accesspool
Erhebungszeitraum 27. November - 17. Dezember 2020
Befragte Zielgruppe 18 - 71-Jährige
Stichprobengröße n=450
Land Deutschland

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