Generationenfragen in Zeiten von Twitter und YouTube

8. Research plus Rheinland

Was im Rheinland mehr als nur ein Mal stattfindet, gilt als Tradition – die Research plus Rheinland gehört also schon längst zur guten Tradition in der Marktforschungsbranche des Rheinlandes.

Gestern fand sie bereits zum 8. Mal statt – wie gewohnt in der Kölner Bar "Die Wohngemeinschaft" und in entspannter Atmosphäre. DGOF-Vorstand Dr. Otto Hellwig begrüßte das Publikum im vollbesetzten Theater der Bar und freute sich als ersten Redner einen Wiederholungstäter ankündigen zu können, Heinz Grüne, Managing Partner bei rheingold. Er stellte in seinem Vortrag "From YOU to ME – wie die 'Generation YouTube' ihre eigene Erziehung organisiert" eine Studie von rheingold vor. Launig, unterhaltsam und selbstironisch nahm er die Zuhörer mit auf eine Reise durch die für ältere Generationen aus seiner Sicht fremde Welt der YouTuber und YouTube-Nutzer. Die YouTuber hätten zumindest teilweise den Interviewern von rheingold erklärt, wie die Interaktionen auf dem Videoportal funktionierten und wieso Fernsehen das Medium der Großeltern sei. Grüne führte weiter aus, dass diese jüngere Generation sich mit Hilfe von Tutorials selbst erziehe und das klassische Fernsehen für sie absolut keine Rolle mehr spiele – ein Umstand, der aus Sicht von Heinz Grüne erschreckend wenig Beachtung in der Öffentlichkeit findet.

Zur Fotostrecke der 8. Research plus Rheinland (Bild: marktforschung.de)

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Big Brother is watching you?

Michael Herter, Geschäftsführer von infas 360, befasste sich anschließend mit dem Thema "Digital Media und Geodaten: Interaktiver Contentwechsel nach Zielgruppen und Standort". Er stellte zu Beginn seiner Ausführungen zahlreiche Bezüge zu dem Vortrag von Heinz Grüne her. Der rote Faden des Abends, die Generationenfrage, zeichnete sich hier schon ab: Jüngere Menschen sind nicht nur bei YouTube bereit, auch werbliche Inhalte zu akzeptieren, sie gehen auch freizügiger mit der Weitergabe ihrer eigenen Daten um, wenn sie sich davon einen Vorteil versprechen. Michael Herter stellte die Möglichkeiten von Digitale-Out-of-Home-Medien (DOOH) vor, einer digitalen Großfläche mit integrierter Kamera und mobiler Datenübermittlung. Diese biete eine Erkennung des Betrachters, eine damit verbundene Frequenz- und Zielgruppenermittlung sowie eine sofortige Content-Anpassung an Betrachter, Ort und Zeit. Wenn Nutzer nun das angebotene WLAN verwendeten, würden sie freiwillig weitere Daten übermitteln. Kritischen Rückfragen bezüglich der möglichen Erstellung von Bewegungsprofilen, konnte er den Wind aus den Segeln nehmen: Es würden keine Daten gespeichert, es ginge stattdessen nur um die Erfassung des Betrachters in dem jeweiligen Moment.

Buzz und Peaks in der Twitter-Analyse

Die jüngere Generation kam dann im letzten Vortrag des Abends selbst zu Wort: Yannick Rieder von Q Agentur für Forschung und Simon Kühne von der Humboldt Universität Berlin stellten ihren Vortrag unter das Motto "Beyond Buzz: Erweiterte Potenziale einer Datenanalyse mit Twitter". Sie kritisierten die existierenden Social Media Monitoring Tools, die aus ihrer Sicht zwar viele Daten lieferten, aber keine zielführende Analyse ermöglichten und deren Art der Datenerhebung insgesamt intransparent wäre. Anhand eines Bundesligaspiels führten sie anschaulich einen Buzz-Verlauf vor: nicht weiter verwunderlich gibt es Peaks, wenn Tore fallen, bei gelben Karten und Auswechslungen, wobei diese Peaks leicht zeitversetzt stattfinden. Den Bogen zum Realtime-Marketing versuchten sie mit der Fragestellung zu schlagen, welcher Zeitpunkt für einen Marketing-Tweet während solch eines Ereignisses wohl ideal sei. Otto Hellwig provozierte in seiner Abmoderation die beiden Schlussredner mit folgendem Einwand: Ein Marketingleiter eines Konzerns habe kürzlich auf der ESOMAR in Dublin in Bezug auf das Online-Marketing dazu aufgefordert, lieber zu handeln als auf tiefergehende Erkenntnisse zu warten – dies widerspreche ja wohl ihrer Haltung. Doch Yannick Rieder hielt dagegen: Mehr Daten würden nicht automatisch mehr Erkenntnisse liefern, eine gezielte Analyse mache aus seiner Sicht mehr Sinn.

dr

Veröffentlicht am: 14.10.2015

 

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