Fridays for Future: Von Zauderern und Besserwissern

rheingold institut

Die Diskussion über die Berechtigung, Sinnhaftigkeit und Legalität der FFF-Bewegung der deutschen Schüler wird mit großer Intensität sowohl öffentlich wie auch privat geführt. rheingold hat mit etwa zwei Dutzend Schülern gesprochen – Teilnehmern und Verweigerern der Demonstrationen.

Fridays for Future (Bild: Gerd Altmann - Pixabay.com)
Fridays for Future (Bild: Gerd Altmann - Pixabay.com)

Die Schüler berichteten gegenüber rheingold von der Hoffnung, dass ihr Protest etwas bewirken wird. Von den wöchentlichen Demos solle "ein Momentum in die Welt gehen", schreibt rheingold, welches "uns als Gesamt-Gesellschaft zum Innehalten und Umdenken hinsichtlich der bedrohlichen Entwicklungen bei Klima, Welternährung und Umwelt-Verschmutzung bringen soll". Die dabei vorgebrachten Argumente seien teils etwas pauschal ausgefallen (...müssen sofort aufhören CO2 in die Luft zu pusten'), teils aber auch unterfüttert mit erlerntem Wissen sowie Fakten, um den Stand von Forschung und Einschätzung der globalen Situation. 

Schwänzen - zwischen Politikum und schulischer Realität

Die Diskussion um die ausgefallene Schulzeit mutet dabei insgesamt sehr 'deutsch' an. Während in anderen Ländern bei Protesten und Demos schon einmal Barrikaden brennen und Menschen bei Ausschreitungen ernsthafte Verletzungen erleiden, geht es in Deutschland, zumindest bei den FFF-Protesten, auffallend ruhig und friedlich zu. 

Und sogar die teilnehmenden Schüler hadern mit dem 'Schwänzthema'. Soll ich meine gute(n) Note(n) aufs Spiel setzen? Gar mein Abi versauen? Oder ist nicht gerade dieses Opfer ein Symbol für meine Ernsthaftigkeit und Entschlossenheit?

So sind die Meinungen selbst unter den Schülern gespalten: Den einen ist der öffentliche wie private Diskurs um das Schwänzen geradezu Beweis genug, dass es notwendig ist, die Proteste in die Schulzeit zu verlegen. Den anderen ist dies unangenehm. Es erscheint ihnen - analog zu den Bedenken vieler Erwachsenen bzw. Offiziellen aus Politik und Schul-Ämtern - unangemessen und selbstschädigend. 

Obwohl mit den Zielen, Forderungen und Fragen der FFF meist einverstanden, verweigern diese Schüler die Teilnahme und nehmen, so er stattfindet, am freitäglichen Unterricht teil. Generell merkt man jedoch den an den Freitags-Demos teilnehmenden Schülern an: Ganz wohl ist dabei den wenigstens in ihrer Haut. Hieraus resultiert ein etwas zauderlicher Grundtenor, welcher bei früheren, vehementeren jugendlichen Protestbewegungen (68er; 'Punk'-Bewegung der 70er und 80er) so nicht überliefert ist.

Paradoxer Beliebtheitsgrad der Leaderin

Die Gallionsfigur Greta Thunberg findet offenbar in der öffentliche Diskussion und vor allem bei den Erwachsenen wesentlich mehr statt, als bei den Schülern selbst. 

Erstere sprechen der jungen Frau aus Schweden fast magische Einflussnahme auf ihre jugendlichen Follower zu. Die Schüler selbst verfolgen die Aktivitäten der 16-jährigen eher distanziert und mit einem gewissen Maß an Skepsis. Ist sie wirklich so selbstlos und der Sache verpflichtet wie es verlautet? Oder verfolgt sie doch eher egoistische Ziele, ist gar fremdgesteuert von einflussnehmenden Kräften? 

Ihre Auftritte bei der UNO oder beim Papst finden deshalb kaum positive Resonanz bei den jungen Klima-Protestlern und es ist zu vermuten, dass ein möglicher Friedens-Nobelpreis für die junge Frau eher als Beweis des "überlaufens" ins 'Erwachsenen-Lager' interpretiert werden wird.

Die Gretchenfrage zur Schöpfung

Die großen 'Gretchenfragen' der Schüler an die Welt der Erwachsenen lauten: Wie haltet ihr es mit der Schöpfung? Welchen Stellenwert haben Umwelt, Klima und Natur für euch? Wie soll eine gesunde Ernährung von immer mehr Menschen auf dieser Welt gewährleistet werden? Kümmert euch überhaupt, was nach euch ist? In welchem Zustand müssen wir die Welt bald von euch übernehmen? 

Schicksalsgemeinschaft mit unterschiedlichen Laufzeiten

Die Erkenntnis bzw. Befürchtung der langfristigen Wirkung heutiger Entscheidungen und Maßnahmen ist der eigentliche Kern der FFF Proteste. Was die jungen Menschen heute erkennen ist, wir sitzen als Gesellschaft, egal welchen Alters, zwar alle in einem Boot, einige jedoch noch viel länger als andere. Für diesen Umstand verlangen die Schüler Mitspracherecht und Teilhabe, bei den heute für die Zukunft zu treffenden Entscheidungen. Sie wollen sich als Persönlichkeiten weiterentwickeln und fürchten, für diese Entwicklung schlechtere Bedingungen und Umstände in der Welt der ferneren Zukunft vorzufinden. 

Aus dem Konflikt in die Chance wachsen

Die große Chance der derzeitigen FFF-Protestbewegung besteht darin, durch ein Aufweichen von Rollen neue Fragen, Diskussionen und Lösungen zu ermöglichen.

Wenn alle ihre Hausaufgaben machten, zu deutsche Prinzipien fallen ließen, stünden sich nicht mehr zwei Lager mehr oder weniger feindlich gegenüber. Sondern man könnte voneinander gegenseitig lernen. In diesem Fall hätten sich die versäumten Schulstunden doppelt gelohnt: Wir bekämen ein neues Diskussions-Klima ohne Oberlehrer, Besserwisser und verbale blaue Briefe, könnten gemeinsam die wichtigen Schöpfungsfragen beackern, um zusammen in eine chancenreiche Zukunft zu blicken.

Und alle hätten etwas Wichtiges gelernt - in der Schule des Lebens, in der wir alle lebenslänglich auf der Bank sitzen. Frei nach dem Motto: Nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen wir.

Veröffentlicht am: 15.05.2019

 

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