Freihandelsabkommen TTIP: Geplanter Investorenschutz sorgt für Ablehnung

Salzburg/Köln - Seit Juli 2013 verhandeln die Europäische Union und die Vereinigten Staaten unter großem öffentlichen Interesse die Bedingungen für eine Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP). Vor allem der geplante Investorenschutz mit Schiedsgerichten stört dabei viele. Dies zeigt eine  Umfrage von YouGov im Auftrag von Andreas Dür, Professor an der Universität Salzburg. Für die  Studie wurden insgesamt 6.826 Personen in Deutschland, Frankreich und Großbritannien nach ihrer Einstellung zu TTIP befragt.

Ein Teil der Befragten wurde als Kontrollgruppe ohne weiteren Hinweis gefragt, wie stark sie TTIP befürworten oder ablehnen. Ein anderer Teil wurde darauf hingewiesen, dass das geplante Handelsabkommen laut Befürwortern der Wirtschaft helfen wird. Eine dritte Gruppe erhielt den Hinweis, dass laut Befürwortern das geplante Handelsabkommen 150.000 neue Jobs schaffen würde. Die vierte Gruppe wurde darüber informiert, dass Gegner diese Verhandlungen kritisieren, weil sie hinter verschlossenen Türen stattfinden. Eine letzte Gruppe bekam den Hinweis, dass Gegner das geplante Handelsabkommen kritisieren, weil es ausländischen Firmen die Möglichkeit einräumen könnte, Staaten in privaten Schiedsgerichten auf Milliarden an Entschädigungszahlungen zu verklagen.

Während jeder Dritte (32 Prozent) in der Kontrollgruppe dieses Handelsabkommen ablehnt, stieg dieser Prozentsatz auf 57 Prozent in der Gruppe, die auf die Möglichkeit von Entschädigungszahlungen hingewiesen wurde. In der Gruppe, die das Argument bezüglich zusätzlichen Jobs erhielt, stieg die Zustimmung zu TTIP relativ zur Kontrollgruppe leicht an (plus 4 Prozentpunkte). In den Gruppen, die die „hilft der Wirtschaft“ beziehungsweise „Verhandlungen hinter verschlossenen Türen“ Argumente erhielten, fiel sie dagegen etwas (minus 7 bzw. minus 11 Prozentpunkte).

Professor Dür sieht diese Ergebnisse als Evidenz dafür, dass die öffentliche Meinung zu TTIP noch formbar ist. Befürworter des Abkommens sollten sich trotzdem keine zu großen Hoffnungen machen, dass sie in Ländern wie Deutschland und Österreich, wo die Debatte schon weit fortgeschritten ist, die öffentliche Meinung noch auf ihre Seite ziehen können. Die Studie zeigt nämlich auch, dass die Formbarkeit der Einstellungen vom Wissenstand der Befragten abhängt. Je mehr Befragte schon über TTIP Bescheid wussten, desto weniger veränderten sie ihre Einstellung, wenn sie mit spezifischen Argumenten konfrontiert wurden. Das bedeutet, dass die Gegner des Abkommens durch ihren frühen Versuch, die öffentliche Meinung zu beeinflussen, einen großen Vorteil gewinnen konnten. Negative Argumente scheinen zudem stärker zu wirken als positive, was es den TTIP Befürworter noch schwerer machen dürfte, durch eine Kampagne größere Zustimmung zu TTIP zu generieren.

ah

Veröffentlicht am: 18.05.2015

 

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

Kommentare geben ausschließlich die Meinung ihrer Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht oder gekürzt zu veröffentlichen. Das gilt besonders für themenfremde, unsachliche oder herabwürdigende Kommentare sowie für versteckte Eigenwerbung.

Weitere Meldungen

Bericht vom BVM-Kongress 2022

Was Marktforschung mit der Macht von Fake-News und dem Terror des Authentischen zu tun hat

27.06.2022 - Am 20. und 21. Juni fand in Frankfurt der „Kongress der Deutschen Marktforschung 2022“ des Berufsverbandes Deutscher Markt- und Sozialforscher (BVM) statt. Marktforschung.de war vor Ort dabei und fasst ausgewählte Highlights zusammen. weiterlesen

 
Bericht von der IIEX Europe 2022

Amsterdam war eine Reise wert - Was gibt es Neues in der Marktforschung?

Melina Palmer (The Brainy Business), Josipa Majic (tacit.tech) und Hannah Kirk (Blue Yonder Research).

24.06.2022 - Zwei Tage IIEX Europe liegen hinter der europäischen Marktforschungsbranche. Zwei Tage, die sich wie vor der Pandemie anfühlten. Was gab es Neues aus der Marktforschungsbranche in Amsterdam zu entdecken? Bilderstrecke und Nachbericht zu der zweitägigen Konferenz in… weiterlesen

 
News aus der Branche

Übernahme beim bio verlag, sd vybrant mit Zuwachs und ein neues Positionspapier zum Forschungsdatengesetz

News

22.06.2022 - Es gibt wieder Neuigkeiten aus der Marktforschungsbranche! Während der bio verlag eine App für Marktforschung übernimmt, freut sich sd vybrant über personelle Verstärkung. Zudem hat sich der Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten nun öffentlich zum Forschungsdatengesetz… weiterlesen

 
Preisträger beim BVM-Kongress

Tawny gewinnt den Preis der Deutschen Marktforschung 2022

21.06.2022 - Beim BVM-Kongress in Frankfurt am Main wurden verschiedene Preise verliehen. TAWNY gewann den Innovationspreis. Als Nachwuchsforscherinnen wurden Saskia Fath und Dr. Anouk S. Bergner geehrt. weiterlesen

 
Branchenumfrage zu den Auswirkungen der Inflation in den Instituten

Wie geht es Marktforschungsinstituten mit der Inflation?

Dinge die aktuell teurer geworden sind

21.06.2022 - Alles wird gerade teurer: Essen, Tanken, Reisen, Energie. Und wie sieht es bei Feldkosten und Marktforschungsprojekten aus? marktforschung.de hat sich bei einigen Anbietern umgehört. Fazit: Auch an den Marktforschungsinstituten geht die Inflation nicht spurlos vorbei:… weiterlesen

 

Über marktforschung.de

Branchenwissen an zentraler Stelle bündeln und abrufbar machen – das ist das Hauptanliegen von marktforschung.de. Unser breites Informationsangebot rund um die Marktforschung richtet sich sowohl an Marktforschungsinstitute, Felddienstleister, Panelbetreiber und Herausgeber von Studien, Marktdaten sowie Marktanalysen als auch an deren Kunden aus Industrie, Handel und Dienstleistungsgewerbe.

facebook twitter xing linkedin