Europawahl 2019: Jeder zweite Befragte sieht EU auf dem falschen Weg

Ipsos-Studie

Der EU stehen derzeit die italienischen Befragten am pessimistischsten gegenüber. Auf Platz zwei und drei folgen die Franzosen und die Briten. Ipsos kommt in einer aktuellen Studie aber trotzdem zu dem Schluss, dass dieses Ergebnis eine leichte Verbesserung zu früheren Erhebungen darstellt.

Jeder zweite befragte Europäer (48 Prozent) glaubt laut einer aktuellen Umfrage von Ipsos, dass sich die Dinge in der EU in die falsche Richtung bewegen. Das Meinungsforschungsinstitut hatte anlässlich der bevorstehenden Europawahl eine Online-Umfrage in 28 Ländern durchgeführt - unter anderem in den EU-Staaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien, Belgien, Schweden, Polen und Ungarn. Am pessimistischsten sind demnach die italienischen Befragten (57 Prozent) eingestellt, gefolgt von den Franzosen (54 Prozent) und Briten (52 Prozent). Im Gegenzug ist nicht einmal jeder dritte EU-Bürger dieser neun Länder (28 Prozent) der Überzeugung, dass sich die Europäische Union grundsätzlich auf dem richtigen Weg befindet.

EU gewinnt an Zustimmung – außer in Deutschland

Obwohl viele Bürger ihren Unmut über die Entwicklungen in Brüssel äußern, stellt dieses Ergebnis doch eine leichte Verbesserung im Vergleich zu früheren Erhebungen dar, meint Ipsos. Das Marktforschungsunternehmen sagt, dass vor zwei Jahren noch sechs von zehn europäischen Befragten (57 Prozent) glaubten, dass sich die Dinge in der EU verschlechtern. Nur jeder Fünfte (21 Prozent) vertrat damals die gegenteilige Meinung, heißt es.

Die einzige Ausnahme von diesem Trend bildet dabei Deutschland. Hierzulande betrachtet beinahe jeder Zweite (48 Prozent) die Entwicklungen in Europa kritisch, 2017 lag dieser Wert noch bei 45 Prozent.

Viele Bürger fühlen sich durch die EU nicht vertreten

Die Ursache für die weit verbreitete EU-Skepsis wurzelt laut Ipsos-Studie nicht zuletzt in einem tiefen Misstrauen zwischen den Regierenden und den Regierten. Fast jeder zweite befragte Europäer (45 Prozent) ist der Ansicht, dass die Regeln und Bestimmungen der Europäischen Union manipuliert sind, um die Reichen und Mächtigen zu begünstigen. Eine knappe Mehrheit (52 Prozent) glaubt außerdem, dass sich Europas führende Politiker nicht um die alltäglichen Belange der Menschen kümmern. Innerhalb der EU stimmen die befragten Belgier (57 Prozent) und befragten Franzosen (56 Prozent) dieser Aussage am ehesten zu, deutsche (48 Prozent) und polnische Staatsbürger (47 Prozent) zeigen sich diesbezüglich etwas weniger skeptisch.

Weit verbreitete Unkenntnis über die Vorteile der EU

Die Studienergebnisse legen nahe, dass eine Vielzahl der Europäer in den neun Befragungsländern gar keine Kenntnis darüber hat, welche (potentiellen) Vorteile eine EU-Mitgliedschaft mit sich bringt, meint Ipsos weiter. Nur vier von zehn Befragten (42 Prozent) geben an, dass sie ziemlich oder sogar sehr viel über die positiven Aspekte der EU wissen – obgleich die Sachkenntnis über die (potentiellen) Nachteile noch geringer ist (36 Prozent). Die Briten fühlen sich insgesamt am ehesten über die Vor- und Nachteile der EU-Mitgliedschaft informiert, am wenigsten die Franzosen und Spanier. 

Europäisches Projekt wird trotzdem als Erfolgsgeschichte wahrgenommen

Trotz aller Kritik am gegenwärtigen Zustand der EU wird das Projekt Europa insgesamt gesehen doch als Erfolgsgeschichte wahrgenommen. In allen befragten Ländern glauben die Menschen, dass das europäische Projekt in den letzten 60 Jahren mehr Erfolge als Misserfolge verzeichnet hat. In Polen (43 Prozent) und Ungarn (40 Prozent) stimmen dem besonders viele befragte Bürger zu, in Deutschland immerhin noch drei von zehn Personen (30 Prozent). Belgier (19 Prozent), Italiener (18 Prozent) und Franzosen (17 Prozent) sehen Europa hingegen weitaus seltener als Erfolgsgeschichte.

Ja zu Reise- und Handelsfreiheit, Nein zur Migrationspolitik

Besonders positiv wird der Beitrag der Europäischen Union im Bereich der Reisefreiheit und des freien Warenverkehrs zwischen den EU-Mitgliedsstaaten bewertet. Fast drei Viertel (73 Prozent) aller befragten Europäer sagen laut Ipsos, dass die EU die Reisemöglichkeiten innerhalb Europas erleichtert hat. Zwei von drei Befragten (66 Prozent) vertreten die Meinung, dass sich das europäische Projekt positiv auf den Handel ausgewirkt hat. Eine deutliche Mehrheit (59 Prozent) stimmt außerdem der Aussage zu, dass dank der EU friedlichere Beziehungen zwischen den europäischen Nationen erreicht werden konnten. Vor allem in Polen (71 Prozent) und Deutschland (63 Prozent) wird der Beitrag der EU zur Friedensförderung besonders häufig genannt.

Deutlich negativer bewerten die Menschen die europäische Migrationspolitik. Nicht einmal jeder vierte befragte EU-Bürger (23 Prozent) vertritt die Ansicht, dass die Union in diesem Bereich einen positiven Beitrag geleistet hat. In Frankreich (12 Prozent Zustimmung, 43 Prozent Ablehnung) und Italien (16 Prozent Zustimmung, 44 Prozent Ablehnung) ist die Kritik an der Einwanderungspolitik der EU besonders stark ausgeprägt. Auch in Deutschland stehen die Bürger den Auswirkungen des europäischen Projekts auf das Ausmaß der Einwanderung mehrheitlich skeptisch gegenüber, fasst Ipsos zusammen. Drei von zehn Bundesbürger (28 Prozent) bewerten diesen Aspekt positiv, mehr als jeder Dritte (35 Prozent) eher negativ.

Zur Studie: Die Ergebnisse stammen aus der Global Advisor-Studie "The European Project: 2019 European Elections", die zwischen dem 22. März und 5. April 2019 in 28 Ländern durchgeführt wurde. Bei der Online-Befragung wurden insgesamt 19.531 Personen im Alter von 18 bis 74 Jahren in China, Israel, Kanada, Malaysia, Südafrika, den USA und der Türkei interviewt. In Argentinien, Australien, Belgien, Brasilien, Chile, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Italien, Japan, Mexiko, Peru, Polen, Russland, Saudi-Arabien, Serbien, Südkorea, Spanien, Schweden, und Ungarn waren die Befragten zwischen 16 und 74 Jahre alt. Etwa 1000 Personen wurden in Australien, Brasilien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, Spanien, Great Britain, und den USA durchgeführt. Etwa 500 Personen befragte Ipsos in Argentinien, Belgien, Chile, Indien, Kolumbien, Mexico, Malaysia, Niederlande, Peru, Polen, Russland, Serbien, Südafrika, Südkorea, Schweden, Ungarn und der Türkei.

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