EU-Interesse der Jugend hält sich in Grenzen

Appinio-Studie

Es gibt genug Wahlprognosen vor der Wahl zum EU-Parlament, doch eines ist besonders interessant: Wie stimmen die jungen Menschen ab? Und warum? Appinio hat es untersucht.

Bild: Oleksy@Ohurtsov - Pixabay)
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Danach wollen 48 Prozent der 18- bis 34 Jährigen am Sonntag zur Europawahl gehen. 21 Prozent der Befragten halten es zumindest für wahrscheinlich, dass sie wählen gehen. Per Briefwahl haben bereits 12 Prozent abgestimmt. 13 Prozent werden wahrscheinlich nicht ins Wahllokal gehen und 6 Prozent auf keinen Fall ihre Stimme abgeben.  

Warum ist das Desinteresse so groß?

Insgesamt geben 63 Prozent der 18- bis 34-Jährigen an, an der Europawahl eher oder sehr interessiert zu sein. Die Befragten, die sich weniger oder gar nicht für die Europawahl interessieren, geben als häufigsten Grund an, dass sie wüssten, sie müssten sich mehr mit der EU-Politik beschäftigen, es aber nicht täten (78 Prozent). Frauen äußerten dies häufiger als Grund (86 Prozent) als Männer (67 Prozent). Ursache Nummer zwei für das Desinteresse an der Europawahl ist, dass die europäischen Politthemen oft schwer zu verstehen seien (72 Prozent). Auch hier gibt es ein Gefälle zwischen Frauen und Männern (78 versus 65 Prozent). Nur 29 Prozent der 18- bis 34-Jährigen geben als Grund für ihr Desinteresse an, dass sie von der EU nichts halten.

Betrachtet man die Altersgruppen 18 bis 24 und 25 bis 34 gegeneinander, findet mehr als die Hälfte der 25- bis 34-Jährigen (53 Prozent), dass die Parteien doch eh alle gleich wären. Bei den jüngeren Befragten empfindet dies nur etwa ein Drittel so (36 Prozent). Tendenziell gibt die ältere Altersgruppe eher an, sich nur für deutsche Wahlen wie Bundestags- oder Landtagswahlen zu interessieren (37 Prozent versus 28 Prozent). 

Die beliebtesten Informationsquellen zur Wahl

Von denjenigen, die wahrscheinlich oder fest vorhaben zur Wahl zu gehen, haben sich 14 Prozent bereits intensiv mit den Wahlprogrammen der Parteien beschäftigt, 59 Prozent ein wenig. Knapp ein Viertel (23 Prozent) haben sich noch gar nicht informiert, werden dies aber noch vor der Wahl tun. 4 Prozent geben an, sich nicht zu informieren.

46 Prozent der Befragten, die (wahrscheinlich) noch wählen wollen, sind sich bereits sicher, für welche Partei sie bei der Europawahl ihre Stimme abgeben. 41 Prozent schwanken zwischen mehreren Parteien. Die Top-5-Informationsquellen für die Befragten, die noch wählen wollen, sind der Wahl-O-Mat (61 Prozent; die Umfrage wurde durchgeführt, bevor er offline ging*), die offiziellen Wahlprogramme der Parteien (43 Prozent), Gesprächen mit Freunden, Bekannten oder der Familie (43 Prozent), Social Media (40 Prozent) sowie TV (32 Prozent). Knapp ein Viertel (22 Prozent) informieren sich in Online-Magazinen oder -Zeitungen oder mithilfe von Online-Videos, 17 Prozent nutzen das Radio. Auf den letzten Plätzen befinden sich der Wahlkompass im Internet (16 Prozent) und der Wahlswiper (4 Prozent). Der Wahl-O-Mat gehörte übrigens für die Befragten, die bereits per Briefwahl gewählt haben, mit 70 Prozent ebenfalls zur wichtigsten Orientierungshilfe.

Klimawandel und Umweltschutz 

Von acht vorgegebenen Themen, die in der EU stärker diskutiert werden sollten, entschieden sich die Befragten, die (wahrscheinlich) wählen werden oder schon gewählt haben, als Top 3 für Klimawandel und Umweltschutz (67 Prozent), Einwanderung und Asylpolitik (48 Prozent) sowie Kampf gegen den Terrorismus (39 Prozent). Im Geschlechtervergleich fällt auf, dass Frauen das Thema Klimawandel und Umweltschutz als noch wichtiger erachten (73 Prozent) als Männer (61 Prozent).

Die Nicht-Wähler (werden wahrscheinlich nicht oder auf keinen Fall wählen) geben an, dass vor allem Klimawandel und Umweltschutz (47 Prozent), Einwanderung und Asylpolitik (46 Prozent) sowie Arbeitslosigkeit (42 Prozent) stärker in der EU-Politik diskutiert werden sollte.

Appinio befragte 2.003 wahlberechtigte Deutsche zwischen 18 und 34 Jahren.

Veröffentlicht am: 24.05.2019

 

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