ESOMAR, Tag 3: Nachwuchs und die Zukunft

ESOMAR Congress 2018

Mit einer tollen Party ging die ESOMAR in Berlin gestern Abend zu Ende. Zeit für einen Rückblick? Nicht ganz. Eher für einen Ausblick. Till Winkler sprach mit dem Branchennachwuchs und hat guten Rat für die Zukunft gehört.

Die Location der ESOMAR-Abschlussparty: Stone Brewing in Berlin


"Forever young, I wanna be forever young"
: Das wünscht sich so manch eine Branche für sich selbst, oder? Und so habe ich mir heute gedacht, setze ich für meine Berichterstattung des dritten Tages der ESOMAR genau daran an: Am Nachwuchs. Und ich hoffe, ich kann dies mit meinen 32 Jahren souverän und akzeptabel rüberbringen. 

ESOMAR macht sehr viel dafür, dass sich junge Marktforscher oder die, die es noch werden wollen, wohlfühlen. Es gibt eigene Preise, eigene Veranstaltungen und Plattformen. Die zehn Studenten, die jedes Jahr ausgewählt werden, um zu unterstützen und zu lernen, stehen wirklich mehr im Mittelpunkt als man denkt. Also ich wurde zum Schluss nicht vom Präsidenten von ESOMAR auf die Bühne gerufen und gefragt, wie mir der Kongress gefallen hat. Die schon! Und zwar jeder einzelne von denen. 

Aber irgendwo hat ESOMAR da ja auch Recht. Wir müssen schauen, dass die Leute mit Begeisterung und Leidenschaft nachrücken, sonst gehen uns nicht nur die Themen sondern irgendwann auch wirklich die Arbeitskräfte aus. Immerhin ist Marktforschung ja gar nicht mehr so gut greifbar, wie noch vor ein paar Jahren, oder? Wer kann mir schnell aus dem Stehgreif die Grenze zwischen Data Analyst, UX Research, User Expert und Marktforschung erklären? Ich warte! Nicht als würden die jungen Kollegen diese Definitionen unbedingt kennen, aber sie lernen damit aufzuwachsen - spätestens auf dem Job-Markt als Berufseinsteiger. 

Von links nach rechts: Kristina Schmücker, Till Winkler, Michelle Baumbach
Von links nach rechts: Kristina Schmücker, Till Winkler, Michelle Baumbach
 
Mit den beiden Studentinnen aus Deutschland, die von ESOMAR ausgewählt wurden, habe ich gesprochen und sie gefragt, wie sie die Konferenz denn so wahrgenommen haben. Michelle Baumbach und Kristina Schmücker berichten nun einmal aus ihrer Perspektive. Ich halte nur das Mikrofon. 

1. Wie hat euch der Kongress gefallen?  

Michelle: Es war eine sehr wertvolle Erfahrung, auch aufgrund des Inputs, den man durch die Vorträge bekommen hat. Das geht bestimmt nur in diesem Rahmen in dem Umfang. 

Kristina: Der Kongress war beeindruckend, inspirierend und bereichernd zugleich. Ich hatte die Chance, inspirierende Menschen kennenzulernen, interessante Gespräche zu führen und mir einen Überblick über die internationale Marktforschung und deren aktuellen Stand zu verschaffen.

2. Was habt ihr gelernt? Was war besonders interessant? 

Kristina: Die Marktforschung ist im Wandel. Das spiegelt sich auch in den Themen wieder, die auf dem Kongress thematisiert wurden.
Ein Thema, dass mich interessiert hat: Kulturelle Unterschiede in der Durchführung von Marktforschungsstudien. Beispielsweise ist es in lateinamerikanischen Ländern nicht einfach, ehrliche und verwertbare Aussagen von Probanden zu erhalten. Wenn man einen Mexikaner in einem unnatürlichen Umfeld, z. B. in einem Teststudio, nach seiner Meinung fragt, ist eine ehrliche Antwort nicht immer garantiert. Um verwertbare Aussagen zu erhalten, werden Probanden häufig in ihrem natürlichen Umfeld befragt. Inhomes eignen sich da manchmal einfach besser. Die Herangehensweise in den verschiedenen Ländern und Kontinenten unterscheidet sich teilweise stark. Ich freue mich schon darauf, internationale Projekte zu begleiten!
Ich studiere derzeit Digitales Management. Kryptotechnologien sind aktueller denn je. Besonders interessant fand ich daher den Vortrag von James Wilson von The Market Research Blockchain Foundation. Ich habe mich schon häufig gefragt, wie man diese Technologie in unsere Branche integrieren kann. Ich bin sehr gespannt, wie sich dieses Thema in Zukunft entwickeln wird. Das wäre doch was für meine Masterthesis!

Michelle: Viel Neues im Bereich AI, besonders im letzten Vortrag. Was alles quasi schon ausgetüftelt wird, zum Beispiel Kontaktlinsen die bald einen zweiten Layer auf "unsere Realität" legen könnte. Und für mich dann ganz besonders die Anwendung von AI im FMCG Bereich: EVA vorgestellt von KANTAR und Danone. 

3. Von Finn wurdet ihr als "die Zukunft" vorgestellt: Wie seid ihr auf dem Kongress wahrgenommen worden? Wie ist man euch gegenüber. aufgetreten? 

Kristina: ESOMAR beschreibt sich selber als eine große Familie. Das habe ich auch so wahrgenommen. Dieser Kongress soll allen Kollegen dieser Welt eine Möglichkeit zum Austausch bieten. Die Aussteller und Besucher waren sehr zuvorkommend und freundlich. Sie haben uns, ich würde fast sagen, wie interessierte Kollegen behandelt. Wir waren für einige Tage Teil der ESOMAR-Familie!

Michelle: Die Leute waren unheimlich nett zu uns und wie ich schon meinte: Wir sind eine Branche, die sich mit dem Verhalten von Menschen beschäftigen und uns vielleicht deshalb vielleicht auch menschlicher zueinander und miteinander verhalten.

4. Was denkt ihr, sind die nächsten “heißen Themen” in der Marktforschungsbranche? 

Kristina: Verhaltens- und Emotionsforschung. Durch künstliche Intelligenz, entstehen viele neue Möglichkeiten menschliches Verhalten zu analysieren. Netquest oder Voxpopme machen es mit ihren individuellen Softwarelösungen vor.

Michelle: Definitiv AI aber auch ganz einfach die Fragebogengestaltung und Durchführung: kurz, passend für Social Media oder auch durch Sprachassistenten oder mit Hilfe von Sprachaufzeichnungen - und wie macht man das überhaupt möglich. 

5. Was nehmt ihr von dem Kongress mit, was euch nun im Alltag helfen oder unterstützen kann? 

Kristina: Alexander Wheatly von Lightspeed hat einen sehr spannenden Vortrag über das Erstellen von Fragebögen gehalten. „Think out of the box“ war das Thema. Ich werde mich bei meinem nächsten Fragebogen an diese Worte erinnern und meiner Kreativität freien Lauf lassen!
Zudem nehme ich mir die Worte von Caroline Goyder sehr zu Herzen. Sie zeigte den Besuchern, wie es gelingt, die eigene „Brillianz“ zu finden und damit den eigenen persönlichen Code. Sehr inspirierend diese Dame!

Michelle: Da wir jetzt 1 Jahr eine YES-Mitgliedschaft haben, wahrscheinlich die Paper. Aber auch sich im Studium schon einmal mit Themen zu beschäftigen, die über unseren jetzigen Tellerrand hinaus gehen. 

6. Was war das Beste an der Party gestern Abend? 

Kristina: Die Location war ein Traum! Eine neue Brauerei südlich der Innenstadt Berlins. Wir hatten die Möglichkeit, an einer Brauerei-Tour teilzunehmen und 5 von insgesamt 75 verschiedenen Biersorten zu probieren. Die großartige Party war da schon vorprogrammiert! 

Michelle: Die Location - ich würde sofort einziehen. Und die Musik.

Ich stelle gerade fest, rein visuell gesehen ist dieser Beitrag sehr Event-lastig. Das kann ich nach den 2,5 Tagen nun auch nicht auf mir sitzen lassen und möchte gerne von der Abschluss-Keynote berichten. Diese wurde von Malcom Devoy, Chief Strategy Officer EMEA von PHD Media Worldwide gehalten. Er hat der Gemeinde noch einmal aufgezeigt, wie sich die Zukunft entwickeln wird und dafür auch handfeste Beweise und noch handfestere Vermutungen mitgebracht. Wir werden uns in der nächsten Zeit mit AR, VR, Wearables, Personal Assists, Smart Cars und weiteren technischen Neuerungen im Alltag auseinandersetzen müssen und wir sollten heute damit anfangen. Deswegen gibt er den Besuchern folgende Tipps mit auf den Weg.

  1. Create a data strategy for yourself and your clients
  2. Build out marketing technology
  3. Invest in knowledge, expertise and people
  4. Explore AI and VPA, just play with it. 
  5. Keep an eye on Augmented Reality. It’s going to be important.

Schöne letzte Worte. Der Kongress war interessant, erfrischend, spannend und vor allem brilliant. Und er hat wirklich Spaß gemacht. Mit deutlich mehr Selbstbewusstsein, jungen Kollegen und frischen Ideen hat es ESOMAR geschafft, den notwendigen Schritt nach vorne zu gehen.

Für alle, die das Ganze hier interessiert. Engagieren Sie sich bei ESOMAR (oder woanders), halten Sie die Augen auf nach interessanten Events in der Nähe und reden Sie mit Menschen, die den Blickwinkel auf ALLES (!) erweitern. Und dann schreiben Sie doch darüber. So wird ein Schuh draus. 

Für Sie an der Tastatur war Till Winkler. Es hat Spaß gemacht. Und mit einem bedeutungsschwangeren Zitat verabschiede ich mich in die Berliner Nacht.
„It’s better to burn out than to fade away“.

Das diesjährige Programmkomitee (von links nach rechts): Elaine Rodrigo (Danone, France), Reed Cundiff (Microsoft, USA), Wim Hamaekers (haystack International, Belgien), Till Winkler (SKOPOS NOVA, Deutschland), Maria Alvarado (Brand Leadership Group, Spanien), Julie Kohlmann (Kantar, UK) und Rhiannon Bryant (ESOMAR, ohne sie hätte das alles nicht geklappt). Auf dem Bild fehlend: Anne Strauss, DCMN (Deutschland). 

 

Veröffentlicht am: 27.09.2018

 

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