Ein Kessel Buntes!

Martins Menetekel

In der heutigen Ausgabe seiner Kolumne zeigt Martin Lindner in vielen anschaulichen Grafiken die verschiedenen Phasen des Pandemieverlaufs, wundert sich über unterschiedliche Fallzahlen und zitiert Nis Randers. Ein Kessel Buntes eben.

Ein Kessel Buntes (Bild: SNFV GmbH)

Wir sind jetzt in einer sehr gemischten und unübersichtlichen Lage. Vieles spricht dafür, dass die Pandemie in ihre letzte Phase des exponentiellem Abstiegs getreten ist. Falls R weiter fällt, haben wir es mit noch steilerem Abfall zu tun, das äußert sich darin, dass sich die Verhulst-Annäherung noch schneller gegen eine etwas niedrigere Schranke anschmiegt. Ich zeige deshalb noch einmal die Annäherungen:

Schwarz: Verhulst, grün sieht immer noch sehr gut aus, Maximum der Fallzahlen bei 3.744.751 , violett etwas höher bei 3.750.843 , Verhulst bei 3.738.231 . Ich bin wirklich gespannt, welcher Wert letztendlich der genaueste ist.

Vergrößert:

Wir sehen, dass unsere Annäherungskurven die Fallzahlen sehr gut abbilden. Um das zu bestätigen, zeige ich alle Fallzahlen seit Anfang März 2020:

Analyse der Grafik:
Die erste Welle endet irgendwann im August, danach zeichnet sich die zweite Welle schon ab. Mai, Juni und Juli ist ein deutliches Plateau zu sehen. So schön, so gut. Dann begann steil die zweite Welle, von vielen vehement bestritten.

Jetzt kommt der Kessel Buntes:

Die zweite Welle war noch lange nicht in der Nähe ihrer Verhulst-Schranke, da begann schon die dritte Welle. Das erinnert mich an Nis Randers (mal sehen, ob ich es hinkriege). Eine Strophe beschreibt die ungeheure Wut des Meeres und der Wellen, die der Dichter mit Pferden vergleicht:

Mit feurigen Geißeln peitscht das Meer
die menschenfressenden Rosse daher,
sie schnauben und schäumen

Wie hechelnde Hast sie zusammenzwingt
eins auf den Nacken des anderen springt,
mit stampfenden Hufen.

So machte es die dritte Welle mit der zweiten!
Der Lichtblick: Die dritte Welle schmiegt sich an die obere Schranke, die Pandemie ist im Auslaufen. Die Zuwächse halbieren sich alle 8 Tage mit Tendenz noch schneller.

Jetzt die Grafik der Zuwächse seit März, die zeigt, dass der Kessel immer noch sehr bunt ist:

Vielleicht können sich einige der Leser an die Halloween-Grafik im letzten Jahr erinnern. Hier sehen wir, dass die Ausschläge vor wenigen Wochen noch sehr groß waren. Wir müssen alles tun, damit sie klein bleiben.

Jetzt kommt etwas sehr Merkwürdiges:

Meine Daten sind von der Johns Hopkins University. Meistens unterscheiden sich die Daten vom RKI nur um ein bis zwei Tage Rücklauf. Seit kurzer Zeit ist es nicht mehr so.

Stand der Fallzahlen des RKI für gestern: 3.718.955
Stand der Fallzahlen der JHU von gestern: 3.726.193
Differenz: 7.238

Bei Zuwächsen von um die 1.000 pro Tag macht der Unterschied eine ganze Woche aus. Ich weiß nicht, wer hier die Zahlen manipuliert oder wessen Zahlen vertrauenswürdig sind! Das macht eine substantielle Prognose noch schwieriger oder den Kessel noch bunter!

Auch R ist noch nicht im stabilen Sinkflug, da die Impfquote stark nachgelassen hat:

Vor einigen Wochen kamen pro Tag noch eine halbe Million Zweitgeimpfter hinzu, jetzt nur noch die Hälfte, leider. Weil R*R unter 0,5 liegt, halbieren sich die Zuwächse der Fallzahlen alle 7 bis 8 Tage. Ab und zu ist R aber auch gewachsen, wahrscheinlich wegen der Virus-Varianten, aber auch wegen der größeren Mobilität und der Freiheiten.

Noch eine erfreuliche Grafik:

Ein Rückgang auf 1/15 , das ist wirklich gewaltig!

Große Fortschritte, sprich Erfolge, gibt es bei der Anzahl der Infizierten:

Hoffentlich fallen sie weiter so erfreulich und verharren nicht auf einem Sockel.

Resumee: Wir sind offensichtlich auf dem richtigen Weg, dass sich die Pandemie ausschleicht. Vom letzten Herbst wissen wir, dass jederzeit, wenn wir nicht aufpassen, eine neue Welle kommen kann. Das sollte mit dem heutigen Erfahrungsschatz verhindert werden können. Deshalb äußerste Vorsicht und ständiges Monitoring der Normalisierungsmaßnahmen.

Bleibt gesund!

Über den Autor:

Martin Lindner
 Martin Lindner ist promovierter und habilitierter Mathematikprofessor im Ruhestand und beschäftigt sich intensiv mit nachhaltiger Wirtschaft und der Zukunftsfähigkeit unserer heutigen Lebensformen. Zusätzlich hat er eine Ausbildung und auch Berufserfahrung in Wirtschaftsmediation.

 

 

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