Ehrenamt boomt auf dem Land

SOEP-Erkenntnisse

Eine DIW-Studie in Zusammenarbeit mit dem Thünen-Institut hat untersucht, wie intensiv ehrenamtliches Engagement in ländlichen Räumen ausgeprägt ist. Unterschiede lassen sich etwa nach Grad der „Ländlichkeit“ und sozioökonomischer Lage feststellen. Engagement ist in sehr ländlichen prosperierenden Gegenden sehr ausgeprägt, Frauen und Nicht-Erwerbstätigen muss hingegen der Zugang zum Ehrenamt erleichtert werden.

Erntekrone (Bild: picture alliance / ZB | Patrick Pleul)

Ehrenamt ist auf dem Land beliebt (Bild: picture alliance / ZB | Patrick Pleul)

Ehrenamtlich engagieren sich am häufigsten Menschen in sehr ländlichen Regionen mit guter sozioökonomischer Lage – mehr Männer als Frauen und mehr Erwerbstätige als Nicht-Erwerbstätige. Das sind einige der Kernerkenntisse einer Studie der Wissenschaftlerinnen Luise Burkhardt vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und Tuuli-Marja Kleiner vom Thünen-Institut.

In strukturschwachen ländlichen Gebieten gäbe es hingegen dringenden Aufholbedarf, sagt Studienautorin Burkhardt.

„Abwanderung, Überalterung sowie mangelnde öffentliche Dienstleistungen und Digitalisierung lasten schwer, so dass hier das ehrenamtliche Engagement besonders gefördert werden müsste.“

Im Folgenden die Ergebnisse im Detail:

Männer ehrenamtlich aktiver – Unterschiede nach Regionen

SOEP DIW Land (Bild: DIW Berlin)

Grafik zum Anteil des ehrenamtlichen Engagements (Bild: DIW Berlin)

Differenziert nach Geschlechtern fällt auf, dass sich im Durchschnitt leicht mehr Männer (33 Prozent) als Frauen (30 Prozent) ehrenamtlich engagieren.  Hier gibt es aber auch regionale Unterschiede: Mit rund neun Prozent Unterschied ist der Abstand in den sehr ländlichen sozioökonomisch prosperierenden Regionen am deutlichsten, während er in nichtländlichen Regionen kaum noch vorhanden ist. Als Ursache wird vermutet, dass Frauen im sehr ländlichen Raum noch vermehrt traditionell interpretierte Rollenmuster leben und mehr in Kinderbetreuung und Hausarbeit eingebunden sind.

Auch die Erwerbstätigkeit ist ein wichtiger Faktor für freiwilliges Engagement: Menschen, die einer geregelten Arbeit nachgehen, sind in allen ländlichen Raumtypen deutlich engagierter als Nicht-Erwerbstätige. Studienautorin Kleiner sieht hier die Ursache darin, dass diese etwa über ihre beruflichen Netzwerke für freiwillige Tätigkeiten angeworben werden, Arbeitslose hingegen zögen sich eher aus dem sozialen Leben zurück.

Stärkstes Engagement in prosperierenden Regionen

Der Anteil ehrenamtlich Engagierter ist in allen ländlichen Raumtypen gestiegen, am meisten in den sozioökonomisch schwächeren Regionen. Dabei ist das Engagement bei vergleichbarer soziökonomischer Lage umso größer, je ländlicher die Region ist. Die Forscherinnen sehen eine Prägung der stark ländlichen Räume durch ein traditionell gewachsenes Gemeinschaftsgefühl als mögliche Ursache. Zudem zeigt sich, dass das ehrenamtliche Engagement in ostdeutschen Regionen bei ähnlichen sozioökonomischen Voraussetzungen geringer ist als in westdeutschen Regionen.

Methodik

In der Studie werden Befragungsdaten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) zum Ehrenamt mit der Typisierung ländlicher Räume des Thünen-Instituts zusammengeführt und analysiert.  Das Thünen-Institut unterscheidet mehrere Raumtypen, die sich durch den Grad an „Ländlichkeit“ und die sozioökonomischen Voraussetzungen voneinander abgrenzen. Für die „Ländlichkeit“ sind etwa die Siedlungsdichte und der Anteil an land- und forstwirtschaftlicher Fläche ausschlaggebend. Sozioökonomische Faktoren sind etwa Einkommen, Gesundheit, Bildung und Arbeitslosigkeit.

Erhebungsmethode Befragung
Befragte Zielgruppe Panellisten (ab 16 Jahren) mit der Typisierung "ländlicher Räume" des Thünen-Instituts
Wie wurde die Zielgruppe rekrutiert? Sozio-oekonomische Panel (SOEP)
Stichprobengröße jährlich etwa 30.000 Menschen in knapp 15.000 Haushalten
Feldzeit Beginn der 2000er Jahre bis 2017
Land Deutschland

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