Durchbruch von Versicherungs-Apps lässt auf sich warten

HEUTE UND MORGEN

Einer Trendstudie von HEUTE UND MORGEN zufolge fristen Apps der Versicherer weiterhin nur ein Nischendasein: aktuell kennt nur jeder zehnte deutsche Smartphone-Nutzer im Alter zwischen 18 und 65 Jahren überhaupt Versicherer-Apps.

Versicherer-Apps wünschen sich Befragte etwa um die Kommunikation im Schadenfall und bei der Leistungsregulierung zu vereinfachen. (Bild: mino21 - fotolia.com)
Versicherer-Apps wünschen sich Befragte etwa um die Kommunikation im Schadenfall und bei der Leistungsregulierung zu vereinfachen. (Bild: mino21 - fotolia.com)

Lediglich jeder Zweite von jenen, denen Apps bekannt sind, hat dann außerdem Ahnung von Inhalten oder Namen der Apps. Die Zahl aktiver Nutzer kann daher derzeit auf unter fünf Prozent geschätzt werden. Damit hinken Versicherer-Apps den Apps von Banken, Krankenkassen und anderen Anbietern deutlich hinterher. Die Gründe dafür erscheinen den Studienautoren weniger kundenbedingt als hausgemacht, da Nutzungspotenzial für Versicherer-Apps ausreichend vorhanden sei. Vielmehr hapere es an deren aktiver Kommunikation und insbesondere an der Entwicklung von Apps, die echten Nutzen und Mehrwert stiften.

Am fehlenden Grundinteresse liegt das bisherige Schattendasein der Versicherer-Apps nicht. Im Gegenteil: Aktuell befürworten 69 Prozent der Smartphone-Nutzer, dass die Versicherungsunternehmen bei Neuerungen wie Apps mit der Zeit gehen; 18 Prozentpunkte mehr als noch 2013 (51 Prozent). Im gleichen Zeitraum ist die Zahl derjenigen Kunden die, wenn sie von ihrem Versicherungsunternehmen über eine App informiert werden, diese in jedem Fall auch anschauen würden, von 42 Prozent auf aktuell 59 Prozent gestiegen.

Lediglich 14 Prozent der potenziellen App-Nutzer zeigen daran keinerlei Interesse. Und nicht zuletzt haben auch die Datenschutzbedenken mittlerweile abgenommen, sofern die Anbieter entsprechende Sicherheitsstandards gewährleisten. Neben fehlender Bekanntheit der Versicherer-Apps bleiben diese aus Anwendersicht bisher viel zu oft ohne größeren Nutzen und Mehrwert. Zudem vermissen die Kunden Möglichkeiten zum Feedback und zur Beteiligung an der Weiterentwicklung und Optimierung der Apps.

Nutzen statt Spielerei

Fragt man erwachsene App-Nutzer zu ihrem Nutzungsverhalten und ihren Präferenzen zeigt sich als generelle Tendenzen zunächst vor allem eines: die Zeit, in der Apps aus reiner Neugier oder Spieltrieb installiert und ausprobiert wurden, geht vorbei (2010: 69 Prozent; 2016: 42 Prozent). Zudem ist die Bereitschaft, für gute Apps zu bezahlen deutlich rückläufig (2010: 44 Prozent; 2016: 31 Prozent). Insgesamt sind die Nutzer kritischer geworden und von der tatsächlichen Nützlichkeit vieler Apps enttäuscht.

Speziell von Service-Apps der Versicherer wünschen die Kunden, dass diese die Kommunikation im Schadenfall und bei der Leistungsregulierung vereinfachen. Hierzu zählen als Must-Haves etwa integrierte Kamerafunktionen mit der Möglichkeit zur Sicherung von Beweisen, die Möglichkeit zu direkter telefonischer Kontaktaufnahme, Lokalisierung des eigenen Standorts per GPS zur Ortung im Falle von Unfällen beziehungsweise Notfällen und auf technischer Seite die Verschlüsselung von Datenübertragungen auf Bankenniveau (TÜV-und SSL-Zertifizierung).

Im Bereich Gesundheits-Apps werden die Hinterlegung einer persönlichen Gesundheitsakte (35 Prozent), die Möglichkeit zur telefonischen Kontaktaufnahme mit der Krankenkasse (31 Prozent) sowie die Suche von Ärzten in der Nähe häufig als wichtig angesehen. Als Zusatznutzen werden eine Erinnerungsfunktion für die Medikamenteneinnahme und Arzttermine sowie die Möglichkeit zur direkten Kontaktaufnahme per E-Mail mit dem Versicherer/der Krankenkasse bewertet. Unwichtig erscheinen den Versicherungskunden hingegen ernährungs-oder fitnessbezogene Features wie Kalorienzähler, Schrittzähler und vergleichbare Funktionen.

Als wichtigste übergreifende Zusatzleistung von Service-Apps der Versicherer wird die Möglichkeit zur Hinterlegung und Verwaltung aller Versicherungsverträge eingestuft. Zudem bevorzugen zwei Drittel der Versicherungskunden (64 Prozent) eine übergreifende App mit vielen integrierten Funktionen gegenüber vielen einzelnen themen-oder zweckbezogene Service-Apps. Den Download und die stärkere Nutzung der Service-Apps selbst können die Versicherer – neben der primär wichtigen Steigerung der generellen Bekanntheit, überzeugender Nutzenkommunikation und Offenheit für interaktive Weiterentwicklungen und Optimierungen – auch durch Prämien stützen. Für zwei Drittel der möglichen Nutzer (64 Prozent) können diese einen zusätzlichen Anstoß für die Nutzung bieten. An speziellen Abschluss-Apps der Versicherer zeigen aktuell 27 Prozent der Mobile-Nutzer unter den Versicherungskunden Interesse, fünf Prozentpunkte mehr als noch 2013 (22 Prozent).

Zur Studie:
Über 1.000 Bundesbürger im Alter zwischen 18 und 65 Jahren, die ein Smartphone besitzen, wurden Ende März 2016 für die Trendstudie "Service-Apps und Abschluss-Apps in der Assekuranz: Nutzungspotentiale und Kundenwünsche" von HEUTE UND MORGEN befragt.

dr

Veröffentlicht am: 29.04.2016

 

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