DSGVO führt bei Unternehmen zu Problemen

Bitkom-Umfrage

Die Datenschutzgrundverordnung, kurz DSGVO, feierte Ende April dieses Jahres schon fünften Geburtstag. Sie bereitet vielen Unternehmen aber immer noch Probleme. Das zeigt eine aktuelle Bitkom-Umfrage unter deutschen Unternehmen.

DSGVO (Bild: picture alliance / Zoonar | Patrick Daxenbichler)

Die DSGVO bereitet vielen Unternehmen Probleme (Bild: picture alliance / Zoonar | Patrick Daxenbichler)

50 Prozent der Unternehmen sagen, Deutschland übertreibe es mit dem Datenschutz. 66 Prozent sind der Auffassung, dass der strenge Datenschutz sowie die uneinheitliche Auslegung des Datenschutzes in Deutschland die Digitalisierung erschwert. Das sind nur einige der Ergebnisse einer Befragung  im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. 42 Prozent geben an, dass sie seit der DS-GVO-Einführung mehr Aufwand haben – und dieser auch künftig bestehen bleiben wird. 32 Prozent geht sogar davon aus, dass der Aufwand weiter steigen wird, 19 Prozent erwarten, dass ihr gestiegener Aufwand langsam wieder sinkt und sechs Prozent haben keinen erhöhten Aufwand mehr

Wie weit ist die Umsetzung?

65 Prozent der Unternehmen hat die DSGVO vollständig oder größtenteils umgesetzt, 29 Prozent haben die Umsetzung erst teilweise geschafft und fünf Prozent stehen damit noch ganz am Anfang. Vor allem kleinere Unternehmen (nach Anzahl der Beschäftigten) nennen hier noch hohe Prozentsätze:

  •  >500 Beschäftigte: drei Prozent (2020: zwei Prozent)
  • 100- 499 Beschäftige: zwölf Prozent (2020: 28 Prozent)
  • 20-99 Beschäftigte: 33 Prozent  (2020: 37 Prozent)

Hauptgründe dafür sind, dass Corona andere Prioritäten erzwungen habe (82 Prozent), sich die DS-GVO gar nicht vollständig umsetzen lasse (77 Prozent), 61 Prozent fehlt es zudem an den notwendigen personellen Ressourcen.

„Unternehmen stehen beim Datenschutz unter permanenten Stress."

, sagt Susanne Dehmel, Geschäftsleiterin Bitkom. Sie wollten dem Datenschutz Genüge tun, aber dazu müssten sie nicht nur europaweit Gerichtsurteile verfolgen und die unterschiedliche Auslegung aus den Mitgliedsstaaten kennen, sondern sich zusätzlich mit 18 verschiedenen Lesarten von Datenschutzaufsichten allein in Deutschland auseinandersetzen. Das sei vor allem für kleinere Unternehmen immer schwerer zu stemmen.

Was sind die Probleme mit der DSGVO?

Konkret werden als Probleme folgende Top 7 genannt:

  1. Rechtsunsicherheit: 78 Prozent (2019: 68 Prozent)
  2. Zu viele Änderungen bzw. Anpassungen bei den Vorgaben: 74 Prozent (2019: 59 Prozent)
  3. Die uneinheitliche Auslegung innerhalb der EU: 52 Prozent (2019 wurde das nicht abgefragt, 2020: 45 Prozent)
  4. fehlende finanzielle Ressourcen: 37 Prozent (2019: 18 Prozent)
  5. Eine schwierige technische Umsetzung: 34 Prozent (unverändert)
  6. Mangel an qualifizierten Beschäftigten: 33 Prozent (2019: 37 Prozent)
  7. fehlende Unterstützung im Unternehmen: 8 Prozent (2019: 13 Prozent)

DSGVO als Bremse

76 Prozent geben an, dass Innovationsprojekte aufgrund konkreter Vorgaben der DSGVO gescheitert sind. Bei 86 Prozent sind Projekte wegen Unklarheiten im Umgang mit der DS-GVO gestoppt worden. Betroffen waren davon am häufigsten:

  • Aufbau von Datenpools (54 Prozent)
  • Prozessoptimierungen im Bereich der Kundenbetreuung (37 Prozent)
  • Projekte zur Verbesserung der Datennutzung (36 Prozent)
  • Einsatz neuer Technologien wie Künstliche Intelligenz oder Big Data  (36 Prozent)
  • Einsatz von Cloud-Diensten (33 Prozent)

Unterstützung durch die Aufsicht oft nicht ausreichend

Parallel wächst die Unzufriedenheit mit den Aufsichtsbehörden: 66 Prozent kritisieren mangelnde Umsetzungshilfen durch die Aufsicht (2019: 53 Prozent)

  • 24 Prozent hatte dort bereits nach Hilfestellungen für die Umsetzung von Datenschutzvorgaben angefragt, aber keine Antwort erhalten.
  • 28 Prozent haben zwar Antwort bekommen, diese habe aber nicht geholfen
  • 29 Prozent geben an, auf ihre Frage hin auch Hilfestellung erhalten zu haben: 64 Prozent von ihnen in Form von Leitfäden, 32 Prozent mit Einzelberatung, 27 Prozent in einer Gruppenberatung.

Von den Unternehmen, die Hilfestellungen erhaltene haben, sagen 12 Prozent, dass sie sehr zufrieden damit waren, 19 Prozent waren eher zufrieden, 41 Prozent waren eher nicht zufrieden und 25 Prozent überhaupt nicht zufrieden.  Hauptgründe für die Unternehmen, nicht nach Hilfe zu fragen, war mit 34 Prozent, weil andere Unternehmen von schlechten Erfahrungen berichtet haben. 26 Prozent wissen gar nicht, dass die Aufsicht Hilfe anbietet und 25 Prozent gehen davon aus, dass die Qualität der Hilfe dort nicht gut ist . 18 Prozent haben Angst, dass die Aufsicht so von den eigenen Problemen erfährt. Und 16 Prozent meinen, die Aufsicht sei gar nicht an Problemlösung interessiert.

Fazit: Ganz oben auf der Liste der Unternehmenswünsche an die nächste Bundesregierung beim Datenschutz steht die Forderung nach einer Anpassung der DSGVO (89 Prozent). 68 Prozent wollen, dass Datenschutzvorgaben europäisch stärker vereinheitlicht  und die föderalen Gesetze in Deutschland angeglichen werden.

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Methodik

Erhebungsmethode Telefonische Umfrage
Befragte Zielgruppe Unternehmen mit 20 und mehr Beschäftigen
Wie wurde die Zielgruppe rekrutiert? keine Angabe
Stichprobengröße n=502
Feldzeit keine Angabe
Land Deutschland

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