DSGVO hat kaum Auswirkungen

advise research-Studie

Das Inkrafttreten der neuen europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) am 25. Mai 2018 hat für ziemlichen medialen Wirbel gesorgt. Doch wie wird die DSGVO von den Deutschen wahrgenommen und inwiefern hat sich das Verhalten geändert?

Sind meine Daten sicher? © DasWortgewand - pixabay
Sind meine Daten sicher? © DasWortgewand - pixabay

 

Unabhängig von der DSGVO gab die Hälfte der Befragten an, dass Ihnen der Schutz von Daten generell sehr wichtig ist (50 Prozent). Insbesondere Frauen scheint diese Thematik signifikant wichtiger zu sein (58 Prozent) wichtiger zu sein als Männern (42 Prozent).

© advise research
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Niedriger Informationsstand zur DSGVO 

Fast alle Befragten hatten zum Zeitpunkt der Befragung bereits von der DSGVO gehört (91 Prozent). Insgesamt kann jedoch ein gutes Drittel nichts oder wenig mit dem Begriff anfangen (39 Prozent), knapp ein Drittel wurde von anderen darüber informiert (27 Prozent) und lediglich ein Drittel hat sich selbst darüber informiert oder verfolgt die Thematik aktiv (34 Prozent). Letzteres trifft insbesondere auf Beschäftigte der Branchen Finanzen, Recht & Versicherungen (61 Prozent), sowie IT & Kommunikationstechnologie (58 Prozent) zu.

© advise research
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Wahrgenommene niedrige persönlichen Relevanz der DSGVO 

So wichtig generell das Thema Datenschutz der deutschen Bevölkerung auch ist - die Auswirkungen der DSGVO im Speziellen sind relativ gering. Die mediale Präsenz der DSGVO scheint zwar dafür gesorgt zu haben, dass einige auf das Thema Datenschutz aufmerksam gemacht wurden (29 Prozent stimmen zu oder eher zu), jedoch fühlen sich insgesamt nur wenige persönlich davon betroffen. 

So stimmt nur etwa ein Fünftel (22 Prozent) der Aussage zu, im beruflichen Kontext von der DSGVO betroffen zu sein. Hier zeigen sich große Branchenunterschiede: Am stärksten beruflich betroffen fühlen sich Beschäftigte in den Branchen IT & Kommunikationstechnologie (47 Prozent), sowie Finanzen, Recht & Versicherungen (43 Prozent). 

Etwas höher - aber noch immer recht gering - ist der Prozentsatz, der sich privat von der DSGVO betroffen fühlt. Das äußerte lediglich ein Drittel (32 Prozent), unabhängig von Alter und Geschlecht. Dagegen geben 30 Prozent an, dass Sie privat nicht von der DSGVO betroffen sind. 

DSGVO – viel Wirbel, nichts dahinter?

Zum Zeitpunkt der Umfrage geben insgesamt auch lediglich 18 Prozent an, ihr Verhalten aufgrund der DSGVO bereits geändert zu haben. Hier zeigen sich kaum Unterschiede bezüglich Alter und Geschlecht. Auch gibt nur ein Viertel der Befragten (26 Prozent) an, das eigene Verhalten aufgrund der DSGVO verändern zu werden.

© advise research
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Auf die spontane Nachfrage, was sich denn aufgrund der DSGVO am eigenen Verhalten ändern wird, bleiben die meisten in Ihren Antworten recht vage. Am ehesten wird angegeben, man passe bei der Preisgabe von Daten und deren Verarbeitung besser auf oder gebe generell weniger Daten preis. Auch wollen sich einige etwas mehr über Datenschutz informieren. Konkrete Handlungen, die bereits umgesetzt wurden oder geplant sind, werden jedoch nur von einem Bruchteil der Befragten genannt. Beispiele sind hier das Lesen von AGBs und Datenschutzerklärungen, häufigerer Wechsel von Passwörtern oder Datenverschlüsselung. Insgesamt betreffen die Verhaltensänderungen häufig den Online Bereich, insbesondere auch Social Media. Generell ist jedoch fraglich, ob tatsächlich Änderungen im Verhalten stattfinden werden. Aus psychologischer Forschung ist bekannt, dass insbesondere bei globalen Einstellungen ohne konkrete Handlungsziele – was hier der Fall war - oft das geäußerte geplante Verhalten nicht konsequent ausgeführt wird (Intentions-Verhaltens-Lücke).
Insgesamt scheint jedoch die DSGVO laut advise research weniger Einfluss auf die deutsche Bevölkerung auszuüben, als oftmals vermutet wurde – der große Wirbel blieb also aus. 

Zur Studie: advise research befragte Ende Mai 2018 insgesamt 1.163 Personen im Alter von 16-70 Jahren zu ihren Einstellungen zum Datenschutz und der neuen DSGVO.

Veröffentlicht am: 19.06.2018

 

Kommentare (2)

  1. Andreas Woppmann am 21.06.2018
    Sehr geehrter Herr Bogner,
    danke für Ihren Kommentar. Dass die DSGVO im B2B Bereich einen sehr große Einfluss hat, ist sicherlich unzweifelhaft. Das dürfte ja jeder in unserer Branche kennen. Wir haben aber erhoben inwiefern ein Umdenken in der Bevölkerung selbst stattfindet bzw. die Änderungen überhaupt wahrgenommen werden (nicht im beruflichen Kontext). Und unserer Erfahrung nach ist ein Viertel beabsichtigte Änderung ein recht geringer Wert.
    Viele Grüße!
  2. Wolfgang Bogner am 20.06.2018
    Ziemlich dummer Artikel, Entschuldigung! Aber die DSGVO hat weitreichende Folgen. Schon die Tatsache, dass viele kleine Vereine, Firmen, Künstler etc. aus Angst ihre Seiten vom Netz genommen haben zeigt, dass es verheerende Folgen gibt die die den Pluralismus in unserem Land (und wahrscheinlich in ganz Europa) deutlich einschränken.

    Und wenn über ein Viertel der Befragten ihr Verhalten ändern wollen ist auch das keine unbedeutende Minderheit.

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