Die umsatzstärksten Marktforschungsinstitute Deutschlands 2020

Die umsatzstärksten Marktforschungsinstitute Deutschlands

Aufgrund der Corona-Pandemie war 2020 für die meisten Institute kein einfaches Jahr. Das zeigen auch die Ergebnisse der aktuellen Umsatzliste aus der Marktforschungsbranche. Wie sich die Marktforschung in diesem Jahr entwickelt hat, welche Institute es trotz Corona-Krise unter die Top 50 geschafft haben und bei welchen Unternehmen besondere Veränderungen zum Vorjahr zu erkennen sind, erfahren Sie in den aktuellen Ergebnissen der diesjährigen Umsatzliste der Marktforschungsbranche von marktforschung.de.

Die 50 umsatzstärksten Institute (hier können Sie die vollständige Umsatz-Liste als Excel-File bestellen) haben im vergangenen Jahr 2020 einen gemeinsamen Umsatz von etwa 1,7 Milliarden Euro erzielt. Der Vergleich zu den letzten Jahren zeigt allerdings einige negative Auswirkungen der weiterhin anhaltenden Corona-Maßnahmen.

Die Top 25 des Context-Rankings

Weiterhin auf Platz eins im Ranking, musste die GfK in diesem Jahr einen Umsatzverlust von 460 Millionen Euro hinnehmen. Im Vergleich zu 2019 entspricht dieser Wert einem Rückgang von 34 Prozent. Aber nicht nur die GfK, auch Kantar, verlor 20 Prozent und erreichte in 2020 einen Umsatz von 182 Millionen, knapp 46 Millionen Euro weniger als im Vorjahr. Hierbei ist zu beachten, dass bei beiden Unternehmen nicht nur das Corona-Jahr für weniger Umsatz gesorgt haben dürfte, sondern vor allem auch Umbauten und Verkäufe ganzer Unternehmensbereiche den Umsatz deutlich verändert haben.

Weiterhin im Ranking auf dem dritten Platz, verzeichnete die Nielsen Company einen Umsatzrückgang von drei Prozent und erreichte somit in 2020 einen Umsatz von 92 Millionen Euro (2019: 95 Mio. Euro). Ipsos folgt auf dem vierten Platz des Rankings mit einem Umsatzverlust von rund vier Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr. Vor allem die Bereiche "Consumer" und "Clients and employees" litten unter den Auswirkungen der Pandemie-Maßnahmen. Aber es gab auch Bereiche, die aufgrund des gewandelten Informationsbedürfnisses der Menschen profitierten: Darunter vor allem "Doctors and patients" und "Citizen". Große Unternehmen hätten sich verstärkt auf ihre Heimatmärkte fokussiert, begründet Ipsos die generelle Entwicklung im Juli 2020. 

Die Foerster & Thelen Group aus Bochum verzeichnete einen Umsatzverlust zum Vorjahr von 24 Prozent (2019: 17,9 Millionen; 2020: 13,6 Millionen). Aber nicht nur in Bochum, auch in München, Taunusstein, Nürnberg, Münster und Heidelberg, sah es nach reiner Umsatzbewertung nicht besonders rosig in 2020 aus. Das Marktforschungsinstitut Happy Thinking People verlor einen Umsatz von 3,3 Millionen Euro im Vergleich zu 2019. Ifak aus Taunusstein erzielte knapp acht Millionen Euro, zwei Millionen Euro weniger als im Vorjahr. Auch die Forschungsinstitute m-s Teststudios und die Münsterländer der Krämer Marktforschung GmbH notierten jeweils einen Umsatzrückgang von 18 und 20 Prozent. Auch die GIM Gruppe musste in 2020 Verluste hinnehmen, befindet sich aber weiterhin in der Platzierung unter den Top 10. Im Vergleich zum Vorjahr verlor das Heidelberger Institut 15 Prozent (2019: 34 Millionen; 2020: 28,8 Millionen).

Bei Betrachtung der gesamten Tabelle liegt der Anteil der Unternehmen mit einem Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorjahr bei 66 Prozent. Überraschend sind die Werte allerdings nicht: Bereits im vergangen Jahr berichteten einige Markforschungsunternehmen auf marktforschung.de von besonders kritischen Situationen in der Lockdown-Zeit. Trotz des Versuchs der Teststudios, Teilnehmende mit neuen Hygiene- und Remote-Konzepten zu locken, gelang es nur den Wenigsten der anhaltenden Zurückhaltung der Menschen und Auftrageber entgegenzuwirken. Mitte Juni 2020 erreichte die Redaktion von marktforschung.de ein Hilferuf einiger Teststudios. In einem Interview mit marktforschung.de sprach Ute Wetzlar, Geschäftsführerin von Quovadis, bereits Anfang Mai von einem Einbruch, mit dem niemand so gerechnet habe. 

Auch im zweiten Teil des Umsatz-Rankings lassen sich daher deutliche  Umsatzverluste erkennen. Auffällig sind beispielsweise die Zahlen der Punkt Teststudio GmbH: Das Forschungsinstitut aus Köln musste im letzten Jahr mit einem Umsatzverlust von 35 Prozent (2019: 2,3 Millionen; 2020: 1,5 Millionen) rechnen, die iconkids & Youth Marktforschung in München verzeichneten einen Verlust von 30 Prozent, auf 1,6 Millionen Euro. Bei der IWD Marktforschung aus Magdeburg lag der Rückgang bei knapp 25 Prozent, von vier auf drei Millionen Euro.

Umsatzgewinne trotz Corona - was war anders?

Trotz vieler Herausforderungen für die Marktforschungsbranche in 2020, lassen sich auch erfreuliche Umsatzgewinne bei einigen Instituten erkennen: Bereits von 2018 auf 2019 hatte die Soko-Institut GmbH ein Umsatzwachstum von 146 Prozent verzeichnen können. 2020 erzielten die Bielefelder nun ein prozentuales Wachstum von 40,7 (2019: 2,7 Millionen; 2020: 3,8 Millionen). Aber auch Interrogare mit einem Wachstum von zehn Prozent auf 6,3 Millionen Euro, Statista aus Hamburg mit 21 Prozent auf 7,4 Millionen Euro oder das Kölner Institut YouGov mit einem Wachstum von 20 Prozent zum Vorjahr auf 12 Millionen Euro, trotzten der Krise. Trotz der Einschränkungen durch die COVID-19-Pandemie verzeichnete das britische Forschungsinstitut im letzten Geschäftsjahr ein klares Umsatzplus. Vor allem die Teilbereiche Data Products und Data Services konnten deutlich an Umsatz zulegen. Der Bereich Custom Research wurde um acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesteigert. Bereits im März sprach Stephan Shakespeare, CEO bei YouGov, über Vorteile eines stabilen Aktienkurses und "dicken Finanzpolstern".

Wie einige Unternehmen trotz Rückschläge Umsatzwachstum generieren konnten, ermöglicht der Blick auf die Auswertung der Kommentare der Umfrage-Teilnehmenden. Einige Unternehmen nutzten die Zeit der Lockdowns vor allem, um neuen Forschungsbedarf zu entwickeln und neuen Fragestellungen in Themen wie Homeoffice und Remote-Work nachzugehen.

Aber nicht alles in 2020 ist schwarz oder weiß: Unternehmen wie die Teststudio GmbH Dr. Haspel & Partner mit 2,1 Millionen Euro Umsatz und Heute und Morgen mit zwei Millionen Euro, gelang es ihren Umsatz im Vergleich zum Vorjahr 2019 zu halten.

Wie geht's weiter?

Die Umsatzliste der Marktforschungsbranche, die bislang in der Zeitschrift Research & Results erschien, wird ab 2021 auf marktforschung.de erscheinen. In diesem Beitrag wurden die Top 50 Institute der aktuellen Umsätze zum Abschlussjahr 2020 vorgestellt.  In den kommenden Wochen werden wir uns in verschiedenen Beiträgen u.a. mit folgenden Aspekten der Umsatzliste der Marktforschungsbranche befassen: Wie schneiden die Institute im Gesamtüberblick ab? Wie hat sich die Marktforschungsbranche entwickelt? Welche Institute sind gewachsen, wer hatte ein schwieriges Jahr? Wie haben sich die Pro-Kopf-Umsätze in der Branche verändert?

Lesen Sie auch unseren Kommentar zu den Marktforschungsumsätzen 2020.

Hier können Sie die vollständige Context Umsatz-Liste als Excel-File bestellen.

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Methodik

Erhebungsmethode Online-Umfrage
Befragte Zielgruppe Marktforschungsunternehmen mit Hauptsitz in Deutschland
Wie wurde die Zielgruppe rekrutiert? Context-Liste 2019 ergänzt um fehlende Institute
Stichprobengröße n=83
Feldzeit 01.12.2020 - 10.02.2021
Land Deutschland

/mvw

Marie van Well, Online-Redakteurin bei marktforschung.de
Veröffentlicht am: 12.02.2021

 

Kommentare (1)

  1. Stephan Teuber am 12.02.2021
    Die Liste zeigt, wie deutlich die Branche getroffen wurde, aber glücklicherweise auch, dass es nicht ganz so schlimm gekommen ist wie zu Beginn der Pandemie befürchtet (vgl. ADM-Umfragen). Die Lage hat sich also etwas beruhigt und die Zeichen scheinen nicht so schlecht. Was bei der Interpretation der Daten aber auch zu berücksichtigen ist: Der Umsatzrückgang erklärt sich nicht vollständig durch einen Rückgang von Projekten. Vielmehr schrumpfen die Projektvolumina, und das nicht nur wegen geringerer Budgets auf Kundenseite, sondern auch aufgrund des Preiskampfes, der besonders in einigen Branchen ausgebrochen ist. Bei uns (GIM) erklärt sich daraus ein signifikanter Anteil der Rückgangs. Fazit: Es wird weiterhin geforscht und aufgrund des Forschungsstaus besteht unverminderter Forschungsbedarf, die Branche sollte sich aber dessen bewusst sein, dass Marktforschung ihren Wert hat und nicht im wahrsten Sinne um jeden Preis der Preiskampf geführt werden sollte.

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