Die Stimmung in der Pflege verschlechtert sich

Psyma-Studie

Mit dem CARE Klima-Index misst Psyma die Stimmung in der Pflegebranche. Im Vergleich zum Jahr 2018 hat sich die Stimmung deutlich abgekühlt. Was bedeutet das für die Patienten?

Wie steht es um die Pflege in Deutschland? (Bild: zstupar - pixabay)

Wie steht es um die Pflege in Deutschland? (Bild: zstupar - pixabay)

 

Die politischen Veränderungen kommen bei der Pflege scheinbar noch nicht. Für 2018 beträgt der Psyma CARE Klima-Index 95,3. Damit ist das Klima im Vergleich zum Basisjahr 2017 um -4,7 Punkte abgekühlt. Die Ergebnisse von Psyma zeigen im Detail: Die Pflege fühlt sich weiterhin nicht ausreichend von der Politik vertreten. 74 Prozent der Befragten geben an, dass der Stellenwert des Themas Pflege in der Politik nur von niedriger Relevanz sei und beurteilen ihn damit, angesichts laufender politischer Initiativen durchaus überraschend, um fünf Prozent-Punkte schlechter als im Vorjahr.

Auch das gesellschaftliche Ansehen der Berufsgruppe schätzen die Befragten niedriger ein, die Wahrnehmung sinkt um weitere zehn Prozent-Punkte: 38 Prozent der Befragten meinen, der gesellschaftliche Stellenwert der Pflege sei geringwertiger als der von anderen Berufsgruppen. Ursache könnte das Image des Berufes durch die schwierigen Arbeitsbedingungen sein, vermutet Franz Wagner, Präsident des Deutschen Pflegerats e. V.: „Die schon chronisch hohe Arbeitsbelastung prägt die Stimmung der Berufsgruppe und immer mehr Menschen erfahren die Probleme hautnah.“ So entstehe auch der damit verbundene allgemeine Eindruck von der Versorgungsqualität. Denn während die Pflegeversorgung 2017 von 24 Prozent der Befragten als qualitativ mangelhaft eingeschätzt wurde, sind es 2018 bereits 29 Prozent.

Befragten glauben nicht, dass die Pflegeversorgung sichergestellt ist

Unverändert skeptisch bleibt der Blick in die Zukunft: Wie im vergangenen Jahr gehen 42 Prozent der Befragten davon aus, dass die Pflegeversorgung in Zukunft nur teilweise sichergestellt ist. Sogar 46 Prozent gehen im Jahr 2018 davon aus, dass sie nicht sichergestellt ist, im Jahr 2017 lag dieser Wert noch bei 42 Prozent. Das spiegelt sich auch in der Bewertung der Arbeitsbedingungen wieder: Während 2017 bereits 51 Prozent der Befragten die Bedingungen als „schlecht“ beurteilten, stieg dieser Wert im Jahr 2018 auf 60 Prozent. 

Eine klare Einschätzung finden die Befragten beim Thema personelle Ausstattung: 71 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass diese der gegenwärtigen Situation nicht gerecht wird. 25 Prozent meinen, sie wird ihr teilweise gerecht, lediglich 4 Prozent gehen davon aus, dass sie der momentanen Situation genügt. Weitere 76 Prozent aller Befragten glauben zudem nicht daran, dass der Bedarf in den kommenden Jahren gedeckt werden kann.

Häusliche Pflege bedeutet Einschränkung

Die Versorgung bei einer Patientenüberleitung, zum Beispiel beim Entlassmanagement oder der nachstationären Versorgung, bewerten fast alle Zielgruppen schlechter. Der Anteil derer, die sie „problematisch“ einschätzen, sinkt im Jahresvergleich um 11 Prozent-Punkte auf 44 Prozent. Weitere interessante Ergebnisse liefert auch die Frage nach der wahrgenommenen Beratungsqualität: Während die professionelle Pflege selbst mit 40 Prozent am häufigsten die Bewertung „gut“ erhält und mit 42 Prozent bei einer nahezu identischen Selbsteinschätzung landet, neigt der Rest der befragten Gruppen tendenziell zur Selbstüberschätzung. So bewerten über 50 Prozent der Apotheker und Kostenträger ihre eigene Beratung „gut“, während die Fremdwahrnehmung bei den Apothekern bei 23 Prozent liegt, bei den Kostenträgern nur bei 12 Prozent (ohne Pflegestützpunkte).

Hohe Übereinstimmung bei allen Befragten findet sich bei der Frage nach Einschränkungen durch eine häusliche Pflegesituation. Sehr hohe Einschränkungen gibt es in allen Bereichen: im persönlichen (38 Prozent), wirtschaftlichen (33 Prozent), beruflichen (39 Prozent), familiären (45 Prozent) und ganz besonders im mentalen (55 Prozent).

Trotz der angespannten und mehrheitlich negativ bewerteten Lage sendet die Pflegebranche auch ein gutes Signal an die Politik: 86 Prozent aller Befragten stimmten in der Umfrage für die Ausweitung der Leistungen zur Pflegeversicherung – und immerhin 77 Prozent wären bereit, dafür auch einen höheren Beitrag zur Pflegeversicherung zu bezahlen.

Zur Studie: Der CARE Klima-Index von Psyma wurde in Kooperation mit dem Deutschen Pflegerat e.V. und der Schlüterschen Verlagsgesellschaft als Veranstalter des Deutschen Pflegetags konzipiert und realisiert. Der CARE Klima-Index ermittelt einmal jährlich die Stimmung im Zukunftsmarkt Pflege. Nach der Erhebung im Basisjahr 2017, der eigentlichen Nullmessung, liegen mit den Ergebnissen aus 2018 Vergleichswerte zu allen Antworten vor, woraus erstmalig Indexwerte errechnet werden konnten. Befragt wurden insgesamt 2.226 Personen – darunter vor allem Pflegefachpersonen, zu Pflegende und ihre Angehörigen, aber auch Ärzte- und Apothekerschaft, Industrie und Kostenträger sowie Verbände und Kommunen.

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