Deutscher Presserat: Presse darf Civey-Umfragen nutzen

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Der Deutsche Presserat hat gestern, am 4. Dezember 2018, beschlossen, dass die Verwendung der Online-Umfrage des Meinungsforschungs-Startups Civey presseethisch unbedenklich ist. Der Beschwerdeausschuss erklärte die Beschwerde von drei führenden Meinungsforschungsinstituten gegen FOCUS ONLINE für unbegründet.

Im Frühjahr hatte FOCUS ONLINE über eine Civey-Umfrage zum Verbleib zweier Fußballer in der Nationalmannschaft berichtet. Die Redaktion hatte darauf verwiesen, dass diese Umfrage repräsentativ sei. Die Repräsentativität zweifelten die Beschwerde führenden Meinungsforschungsinstitute an und sahen einen Verstoß gegen den Pressekodex. Neben der Sorgfaltspflicht nach Ziffer 2 verwiesen die Beschwerdeführer auch auf Richtlinie 2.1 des Pressekodex, in der es unter anderem heißt: "Zugleich muss mitgeteilt werden, ob die Ergebnisse repräsentativ sind."

Die Meinungsforschungsinstitute hatten ihre Beschwerde mit einer Entscheidung des Presserats vom März 2018 begründet, wonach Redaktionen kenntlich machen müssen, wenn Umfragen auf ihren Internetauftritten nicht repräsentativ sind. Die beiden Fälle sind aus Sicht des Presserats aber nicht vergleichbar. Grundlage der damaligen Beschwerde war eine von einer Redaktion auf der eigenen Homepage selbst veranstaltete, leicht manipulierbare Umfrage. Da die Redaktion in diesem Fall Kenntnis von der fehlenden Repräsentativität der Umfrage haben musste, war sie verpflichtet, dies ihren Lesern entsprechend mitzuteilen.

Der Beschwerdeausschuss sieht damit keinen Verstoß der Redaktion gegen die Sorgfaltspflicht. Das Gremium entschied einstimmig, dass die Redaktion ihrer journalistischen Sorgfaltspflicht gemäß Ziffer 2 des Pressekodex nachgekommen ist. Aus Sicht des Presserats gab es für die Redaktion keinen Anlass, an der Seriosität ihres Kooperationspartners Civey zu zweifeln. So lagen beispielsweise weder Wettbewerbsklagen noch Maßnahmen der Selbstkontrolle der Markt- und Sozialforschung vor. "Eine eigene wissenschaftliche Prüfung der Umfragemethodik von Civey ist der Redaktion hier nicht abzuverlangen", so der Deutsche Presserat.

Auf Nachfrage von marktforschung.de nahm Civey Gründerin und Geschäftsführerin Janina Mütze Stellung zur Entscheidung des Deutschen Presserats: "Diese Entscheidung ist eine weitere Bestätigung, dass Marktforschung längst nicht mehr analog durchgeführt werden muss. Mit unseren Forschungsanstrengungen haben wir die Marktforschung in das digitale Zeitalter überführt."

Kommentare (1)

  1. Bernd Renslaer am 05.12.2018
    Der Presserat hat über die Sorgfaltspflicht der Redaktion entschieden, nicht über die Umfragemethodik von Civey. Es ist zu hoffen, dass die Branche (Verbände und führende Institute) den Hinweis des Presserats (Wettbewerbsklagen, Selbstkontrolle) aufgreifen wird.

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