Deutsche rechnen mit Verschärfung des Klimawandels

Studie von Ipsos

Aktuelle Umfragedaten von Ipsos deuten darauf hin, dass sich 2020 in der politischen Diskussion ein interessantes Spannungsfeld zwischen Wirtschaftspolitik und Nachhaltigkeit ergeben könnte. Eine neue politische Konstellation im Bundestag wird immer wahrscheinlicher.

Klimawandel ist in aller Munde (Bild: geralt - Pixabay.com)
Klimawandel ist in aller Munde (Bild: geralt - Pixabay.com)

Im Rahmen der weltweit durchgeführten Ipsos Global Advisor-Studie "Predictions 2020" wurden auch die Deutschen zu großen politischen Themen befragt. Fast drei von vier Deutschen (72%) gehen demnach davon aus, dass die globalen Durchschnittstemperaturen 2020 ansteigen werden. Damit ist das Fortschreiten der Erderwärmung die Top-Prognose der Deutschen für das bevorstehende Jahr 2020. Weltweit halten es sogar 77 Prozent aller Befragten für wahrscheinlich, dass sich der Klimawandel in diesem Jahr weiter verschärfen wird, so das Ergebnis einer internationalen Studie des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Ipsos.

Prognose Nr. 2: Online wichtiger als TV

Die in Deutschland am zweithäufigsten genannte Prognose für das Jahr 2020 bezieht sich auf die fortschreitende Digitalisierung in der Welt. Beinahe sieben von zehn Bundesbürgern (69%) sind der Überzeugung, dass die Menschen in diesem Jahr weltweit mehr Zeit online verbringen werden als mit Fernsehen. Global gesehen sind sogar fast acht von zehn Befragten (78%) dieser Meinung.

Prognose Nr. 3: Jeder Zweite erwartet Proteste gegen die Regierung

Etwa jeder zweite Befragte (49%) rechnet damit, dass es 2020 in Deutschland große öffentliche Unruhen wie etwa Demonstrationen oder Aufstände geben wird, um gegen die Art zu protestieren, wie die Bundesrepublik regiert wird - nur ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr (48%). In Chile (82%), Kolumbien (82%) und Frankreich (79%) sagen sogar rund acht von zehn Personen größere Proteste gegen die jeweilige Regierung vorher. In Japan (20%) und Singapur (26%) prognostizieren dagegen nur sehr wenige Menschen öffentliche Unruhen.

Vertrauen in die Wirtschaft sinkt rapide

Die Deutschen blicken im internationalen Vergleich eher pessimistisch in die Zukunft - vor allem in Bezug auf die Wirtschaft. Nur 37 Prozent der Befragten sind hierzulande der Überzeugung, dass die Weltwirtschaft im Jahr 2020 leistungsstärker sein wird als 2019. Ende 2018 glaubte zumindest noch jeder zweite Deutsche (48%) an eine positive wirtschaftliche Entwicklung, im Jahr davor waren es sogar sechs von zehn Personen (60%). Nur in wenigen anderen Ländern schauen die Menschen noch besorgter auf die weltweite Konjunkturentwicklung - darunter vor allem andere europäische Nationen wie die Franzosen (26%), Italiener (33%), Briten (35%) und Spanier (35%). In Asien ist das Vertrauen in eine positive Entwicklung der Weltwirtschaft dagegen besonders groß, insbesondere in China (84%), Indien (83%) und auf den Philippinen (83%).

Optimismus mit Blick auf die persönliche Zukunft

Deutlich optimistischer sehen die Deutschen auf ihre persönliche Zukunft. Sechs von zehn Befragten (59%) sind laut eigener Aussage optimistisch, dass 2020 für sie ein besseres Jahr wird als 2019. Global gesehen sind sogar drei von vier Personen (75%) der Überzeugung, dass das neue Jahr vor allem Gutes für sie bereithalten wird. Spitzenreiter im weltweiten Optimismus-Ranking sind die Filipinos (95%), dicht gefolgt von Indern (92%) und Chinesen (91%). Am pessimistischsten bezüglich der eigenen Zukunft äußerten sich die Befragten aus Japan (45%), Frankreich (50%) und Hongkong (54%).

Schauen wir uns die Kompetenzfelder der Parteien an, so können wir schon heute die ideale Koalition für die kommende Bundesregierung vorhersagen

Dr. Robert Grimm, Leiter der Ipsos Sozial- und Politikforschung, sieht in den Studienergebnissen neue Indizien für ein mögliches künftiges Regierungs-bündnis nach der GroKo: "Umweltthemen werden auch im Jahr 2020 wieder einen zentralen Raum in der öffentliche Debatte einnehmen. Die starke Sensibilisierung der Bevölkerung in Sachen Klima und Umwelt ist ein sicheres Omen dafür, dass sich die Grünen mit ihrer Agenda in den kommenden 12 Monaten weiter profilieren können. Andererseits erwarten die Deutschen wenig Positives von der Weltwirtschaft. Verlangsamtes Wachstum und Stellenabbau haben schon 2019 Schlagzeilen gemacht. Die aktuellen Ipsos Daten deuten darauf hin, dass sich 2020 in der politischen Diskussion ein interessantes Spannungsfeld zwischen Wirtschaftspolitik und Nachhaltigkeit ergeben könnte. Schauen wir uns die Kompetenzfelder der Parteien an, so können wir wohlmöglich schon heute die ideale Koalition für die kommende Bundesregierung vorhersagen."

Zur Methodik: Die Ergebnisse stammen aus der Ipsos Global Advisor-Studie "Predictions 2020" und wurden vom 26. November bis zum 06. Dezember 2019 erhoben. Bei der Online-Umfrage wurden 22.512 Personen im Alter von 16 bis 64 Jahren aus 33 verschiedenen Märkten interviewt. Zu diesen Märkten gehören Argentinien, Australien, Belgien, Brasilien, Chile, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Hongkong, Indien, Israel, Italien, Japan, Kanada, Kolumbien, Malaysia, Mexiko, Niederlande, Peru, Philippinen, Polen, Rumänien, Russland, Saudi-Arabien, Schweden, Singapur, Spanien, Südafrika, Südkorea, Türkei, Ungarn und die USA. In Australien, Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, Spanien und den USA wurden jeweils etwa 1000 Personen befragt. In allen anderen Ländern umfasste die Stichprobe etwa 500+ Personen. Es wurde eine Gewichtung der Daten vorgenommen, um die demografischen Merkmale auszugleichen und damit sicherzustellen, dass die Stichprobe die aktuellen offiziellen Strukturdaten der erwachsenen Bevölkerung eines jeden Landes widerspiegelt.

Veröffentlicht am: 20.01.2020

 

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

Kommentare geben ausschließlich die Meinung ihrer Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht oder gekürzt zu veröffentlichen. Das gilt besonders für themenfremde, unsachliche oder herabwürdigende Kommentare sowie für versteckte Eigenwerbung.

Weitere Meldungen

Personalie

Kantar: Hartmut Scheffler tritt aus Geschäftsführung aus

Hartmut Scheffler, Kantar

20.02.2020 - Nach 40 Berufsjahren und 30 Jahren als Geschäftsführer in unterschiedlichen Unternehmensmarken, ist Hartmut Scheffler zum 31.12.2019 aus Altersgründen bei Kantar als Geschäftsführer ausgeschieden. weiterlesen

 
Deloitte Global Powers of Retailing Report

Stabiles Wachstum im internationalen Einzelhandel

Stabiler Einzelhandel (Bild: Stevepb - Pixabay)

20.02.2020 - Zoll- und Handelskonflikte, Brexit und fragile Weltkonjunktur - der Einzelhandel ist inzwischen zahlreichen Herausforderungen ausgesetzt. Und dennoch: Die Ergebnisse des Deloitte Global Powers of Retailing Report 2020 zeigen ein stabiles Wachstum. weiterlesen

 
Studie von YouGov

Chinesen bewerten Coronavirus als große Bedrohung, Deutsche noch besonnen

Wie gefährlich ist der Coronavirus für die Weltbevölkerung? (Bild: Aleksej - AdobeStock)

20.02.2020 - YouGov hat in 23 Ländern befragt, wie der Coronavirus wahrgenommen wird und wie stark sich die Menschen bedroht fühlen. Im internationalen Vergleich zeigen sich große Unterschiede, vor allem was die Bekanntheit des Erregers betrifft. weiterlesen

 
Studie von Kantar

Mobilität: Wendepunkt 2030

Wegweiser in die Zukunft (Bild: hkama - AdobeStock)

20.02.2020 - Die Automobilindustrie ist in Aufruhr und der Wandel zur nachhaltigen Mobilität in vollem Gange. Wann wird der Wendepunkt erreicht werden? 2030, so die Prognose von Kantar. Das Unternehmen hat jetzt die Studie "Mobility Futures" vorgestellt. weiterlesen

 
Studie von Kantar

Gesundheit, Familie, Erfolg

Mein Haus, mein Auto, meine Familie (Bild: thodonal - AdobeStock)

19.02.2020 - Welche sind die wichtigsten Werte der deutschen Konsumenten? Kantar hat rund 3,3 Millionen Postings in deutschsprachigen Social-Media-Kanälen quantitativ und qualitativ daraufhin untersucht, wie User grundlegende gesellschaftliche Werte diskutieren. weiterlesen

 
Über marktforschung.de

Branchenwissen an zentraler Stelle bündeln und abrufbar machen – das ist das Hauptanliegen von marktforschung.de. Unser breites Informationsangebot rund um die Marktforschung richtet sich sowohl an Marktforschungsinstitute, Felddienstleister, Panelbetreiber und Herausgeber von Studien, Marktdaten sowie Marktanalysen als auch an deren Kunden aus Industrie, Handel und Dienstleistungsgewerbe.

facebook twitter google plus