Deutsche mutieren immer stärker zum "Homo digitalis"

HEUTE UND MORGEN

Das Internet wird im Alltag der Deutschen immer wichtiger: Laut einer Studie von HEUTE UND MORGEN verbringen die Bundesbürger mittlerweile fünf Stunden pro Tag im Netz. Nur in Schlaf (sieben Stunden) und Arbeit (sechseinhalb Stunden) wird noch mehr Zeit investiert.

Tablet (Bild: ra2 studio - fotolia.com)
Das Internet nimmt im Alltag der Deutschen immer mehr Raum ein. (Bild: ra2 studio - fotolia.com)

Die meiste Zeit im digitalen Alltag der Deutschen nimmt laut den Ergebnissen der HEUTE UND MORGEN-Studie "Mediennutzung und Kommunikation in Deutschland 2016" mit durchschnittlich zwei Stunden das stationäre Surfen am PC ein. Es folgen mit jeweils einer Stunde das mobile Surfen über ein Smartphone oder Tablet und das Schreiben und Lesen von E-Mails sowie mit jeweils einer halben Stunde das Chatten über WhatsApp und Aktivitäten in diversen Social-Media-Kanälen.

Das Smartphone ist zum ständigen Begleiter geworden

Einen zentralen Beitrag zu dieser Entwicklung hat in den vergangenen Jahren insbesondere das Smartphone geliefert, das sich vor allem in den letzten sechs Jahren stark in der Bevölkerung verbreitet hat: Während 2010 erst 36 Prozent der Deutschen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren ein Smartphone nutzten, sind es nun bereits 81 Prozent. Für einen großen Teil dieser Menschen ist das Gerät aus ihrem Leben kaum noch wegzudenken: So gaben 38 Prozent der Befragten an, nicht mehr auf ihr Smartphone verzichten zu können. Für viele Bundesbürger ist es zudem derartig wichtig, dass es auch im Schlafzimmer oft nicht aus der Hand gelegt wird: 42 Prozent nutzen ihr Handy auch abends, wenn sie bereits im Bett liegen, 33 Prozent nehmen es bereits vor dem Aufstehen wieder zur Hand. Knapp sechs von zehn Deutschen (59 Prozent) würden zudem sogar nach ein paar hundert Metern Entfernung noch einmal umkehren, wenn sie ihr Smartphone beim Verlassen des Hauses vergessen hätten.

Neben dem Lesen von Nachrichten aus aller Welt sowie dem Lesen und Schreiben von WhatsApp-Nachrichten und E-Mails nimmt auch das Checken sozialer Netzwerke einen Großteil der Zeit bei der Nutzung des Smartphones ein. Für Tanja Höllger, Geschäftsführerin bei HEUTE UND MORGEN, ist dies keine Überraschung: "Der überwiegende Teil der digitalen medialen Aktivitäten zielt auf die Suche, Herstellung und Aufrechterhaltung sozialer Beziehungen. Neben individuellem persönlichen Austausch und reinem Medienkonsum spielen im Gruppenkontext vor allem das Gefühl 'dabei zu sein' und 'alles mitzubekommen' sowie die ständige Vergewisserung des sozialen Eingebunden-Seins eine tragende Rolle." Allerdings können die digitalen Medien andere soziale Kontaktformen aus Sicht der Bundesbürger nicht ersetzen: Lediglich 31 Prozent der Befragten erkennen eine stärkere Verbundenheit zu ihren Freunden durch die neuen Kommunikationsmittel.

Gewinner und Verlierer des digitalen Wandels

Das Smartphone ist allerdings nicht der einzige Gewinner des Wandels in der Mediennutzung der Deutschen. So hat sich zum Beispiel die tägliche Nutzung von WhatsApp seit 2010 von damals 20 auf nun 65 Prozent mehr als verdreifacht. Die klassische SMS hat dagegen im gleichen Zeitraum enorm an Bedeutung eingebüßt: Nur noch 23 Prozent verschicken oder empfangen noch täglich SMS, vor sechs Jahren waren es noch mehr als doppelt so viele (51 Prozent). Ein weiterer Gewinner ist das soziale Netzwerk Facebook: Während sich 2010 nur ein knappes Drittel (32 Prozent) der Befragten täglich dort bewegte, ist es nun fast die Hälfte (49 Prozent).

Unter Druck steht auch das klassische Fernsehen. Zwar nutzen auch weiterhin 79 Prozent der Bundesbürger täglich ihr TV-Gerät (2010: 84 Prozent), allerdings verbringen sie heute im Vergleich zu anderen Medienkanälen deutlich weniger Zeit vor dem Fernseher als früher. Darüber hinaus kann das Fernsehen vor allem bei jüngeren Menschen immer schlechter punkten: So würden 54 Prozent der volljährigen Schüler, Auszubildenden und Studenten lieber auf das Fernsehen verzichten als auf YouTube, wenn man sie vor die Wahl stellen würde. Im Bevölkerungsdurchschnitt würden sich lediglich 19 Prozent so entscheiden.

Der digitale Wandel stellt allerdings auch Unternehmen und ihre Werbeabteilungen vor neue Herausforderungen. Schließlich sind die Meinungen zur Werbung innerhalb der neuen Kommunikationsmedien geteilt: Während sich 40 Prozent der Deutschen gut gemachte Werbung auch in den Online-Kanälen gerne anschaut, nutzen 37 Prozent der Befragten bereits aktiv einen Werbeblocker. Weitere 17 Prozent planen, sich ein solches Programm zuzulegen.

Zur Studie:
Für die Studie "Mediennutzung und Kommunikation in Deutschland 2016" hat HEUTE UND MORGEN in Kooperation mit der Kommunikationsberatung "As im Ärmel" in der Zeit vom 31. März bis zum 5. April 2016 2.006 Personen zwischen 18 und 65 Jahren online befragt.

tt

Veröffentlicht am: 01.06.2016

 

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