Das Phänomen der "Say Do Gap"

Nachhaltigkeit

Es gibt viele Gründe, nachhaltiger leben zu wollen. Der wohl grundlegendste Grund ist die Erhaltung unseres Planeten, so wie wir ihn kennen, aber auch soziale Komponenten spielen eine Rolle. Der Wunsch, nachhaltig zu leben, wird allerdings oft nicht genau so in die Realität umgesetzt. Dieses Phänomen nennt man "Say Do Gap".

Nachhaltige Hygieneartikel (Bild: dpa | Christin Klose)

Aus Unwissenheit gehen viele Menschen oft den einfacheren Weg. Plastikmüll zu reduzieren ist einfacher, als auf das Auto zu verzichten. (Bild: picture alliance / dpa-tmn | Christin Klose)

Ipsos hat den "Say Do Gap" anhand des "MAPPS-Model" erklärt. MAPPS steht dabei für Motivation, Ability, Physical, Processing, Social.

Motivation

Viele Menschen werden von ihrer Peer Group positiv gestärkt nachhaltig zu handeln. Dieses Feedback kann oft die größte Motivation darstellen. Nachhaltiges Verhalten kann außerdem positive Art Identität stiften. 

Ability

Nachhaltig zu leben muss gelernt sein. Für Verbraucher kann es oftmals schwierig sein, nachhaltige Anbieter zu finden. Um Car- oder Bike-sharing Plattformen nutzen zu können, muss man sich die entsprechenden Apps herunterladen und sich bei den Anbietern registrieren. Richtig Müll zu trennen muss man auch erstmal lernen.  Außerdem kann es oft schwer sein, durch die verschiedenen Verpackungsmaterialien und Kennzeichnungsnormen durchzusteigen.

Physical

Es ist nicht immer einfach nachhaltig zu sein. Wer in der Stadt wohnt, kann es sich  leisten, auf das Auto zu verzichten und alles per ÖPNV oder Fahrrad zu erledigen. Für jemanden, der allerdings schlecht angebunden auf dem Land lebt, ist ein Auto oft essenziell. Für Menschen, die in Wohnungen leben, ist es oft schwerer, Müll richtig zu trennen als für Menschen, die in einem Einfamilienhaus wohnen.  Die physischen Rahmenbedingungen sind ein ausschlaggebender Punkt für den "Say Do Gap."

Processing

Jeder, der etwas tut, um nachhaltiger zu sein, geht davon aus, dass diese Tat etwas Bestimmtes bewirkt. Diese Erwartungen stimmen aber oft nicht ganz mit der Realität über ein. Viele Vebrauchende sind hier unsicher und/oder leben mit falschen Annahmen. Was bewirkt mehr: Kein Auto mehr zu fahren, oder kein Fleisch zu essen? Verpackungen zu vermeiden, oder Müll zu trennen? Die Veränderungsbereitschaft in konkreten Situationen ist bei vielen Menschen bei Weitem nicht so hoch wie der grundsätzliche Wille, sich nachhaltiger zu verhalten. Aus Unwissenheit gehen viele Menschen oft den einfacheren Weg. Plastikmüll zu reduzieren ist einfacher, als auf das Auto zu verzichten.

Social

Wie schon anfangs beschrieben, hat nachhaltiges Handeln heutzutage auch eine soziale Motivation. Nachhaltiges Handeln kann Anerkennung erzeugen. Dating Plattformen beobachten, dass Nachhaltigkeit immer häufiger auch auf Dating-Profilen erwähnt wird.

Die Lücke zwischen Worten und Taten kann für Unternehemen allerdings eine große Chance bieten, daher ist es wichtig für Unternehmen zu verstehen warum es diesen "Say Do Gap" gibt. Nachhaltigkeit kann eine Marke oder ein Unternehmen stärken. Die nicht ganz leichte Aufgabe der Industrie ist es nun, Verbrauchenden nachhaltiges Verhalten zu ermöglichen, ohne von ihnen allzu große Opfer zu erwarten. Für Unternehmen, die versuchen, den Say-Do Gap zu schließen, besteht die Herausforderung beispielsweise darin, nachhaltige Produkte in den Mainstream zu bringen.

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Kommentare (1)

  1. Florian Klaus am 27.10.2021
    Mit Verlaub. Ein solches Verständnis der Say-do-Gap impliziert, dass das 'Say' eines Menschen tatsächlich seinem Innenleben, den Gründen für ihr/sein Verhalten entspricht. Dass Menschen also wirklich wissen, was sie in Alltagsentscheidungen antreibt. Und Marketing jetzt 'nur noch' sicherstellen müsste, dass die Zielgruppe dieses innere Wissen auch in die Tat umsetzen kann. Aus Sicht der seriösen, wissenschaftlich aktuellen Psychologie ist ein solches Menschenbild absurd.

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