Da ist Licht am Ende des Tunnels

Stimmungsbild in der Marktforschung – Mai 2020

Nach wie vor gibt es für die Marktforschungsbranche wenig Grund zum Feiern. Noch ist die Nachfrage nach Insights zum ♯newnormal verhalten. Aber das Licht am Ende des Tunnels wird für mehr Befragte erkennbar, als das noch vor sechs Wochen der Fall war.

Tunnel (Bild: Tunafish Mayonnaise - unsplash)

Die Marktforschungsbranche leidet. Und damit ist sie in guter Gesellschaft. Fast jeder Wirtschaftssektor ist aktuell negativ von der Corona-Krise betroffen und damit natürlich auch Dienstleister und Zulieferer. Dass die Situation für viele ADM-Institute bedrohlich ist, machte die kürzlich veröffentlichte Mitgliederbefragung des ADM überdeutlich.

Doch, wie sieht es insgesamt in der Branche aus? Wie ist es um die Nachfragerseite bestellt und wie sieht es mittlerweile bei der bislang am stärksten betroffenen Gruppe, den Freelancern, aus? Und wie ist der Trend?

Um Antworten auf diese Fragen zu bekommen, hat marktforschung.de erneut ein Stimmungsbild – in Anlehnung an den Fragebogen des Klima-Index der TH Köln - unter den Abonnenten unserer täglichen Marktforschungs-Depesche erhoben. Feldzeit war von Freitag, 14. Mai bis Montag, 18. Mai, also ca. sechs Wochen nach unserer letzten Erhebung. Die Umfrage hat nicht den Anspruch in der kurzen Feldzeit und der selektiven Auswahlgrundlage repräsentativ für die Branche zu sein. Interessant und relevant ist allerdings der Vergleich mit der Erhebung Ende März. Insgesamt haben 411 Personen (476 im März) auswertbar an der Umfrage teilgenommen.

Im Fokus der Analyse stehen folgende Gruppen:

  • Institutsmarktforscher: n=202
  • Betriebliche Marktforscher: n=79

Die weiteren Teilnehmer haben sich selbst u.a. folgenden Kategorien zugeordnet: Freelancer / Selbständige, Felddienstleister, Unternehmensberater, Marketing-Mitarbeiter.

Wie ist die Stimmung in der Branche?

Die Stimmung ist nach wie vor eher schlecht: Der Mittelwert über alle Befragten liegt im Mai bei 2,64 (5er Skala von 1=sehr schlecht, 5=sehr gut). Damit ist die Stimmung zwar wieder besser als im März (2,51), allerdings noch weit entfernt von den 3,06 im Jahr 2016.

Das liegt vor allem daran, dass die Stimmung von den betrieblichen Forschern weniger negativ gesehen wird: Nur noch 24 Prozent bewerten die aktuelle Stimmung als schlecht, das waren im März noch 38 Prozent. Etwas besser auch die Laune bei den Instituten: Der Mittelwert liegt jetzt bei 2,50 (März: 2,33).

Das dürfte mit der etwas positiveren Nachfragesituation zusammenhängen: 33 Prozent der Institutsmarktforscher – und damit 6 Prozent mehr als im März - erleben aktuell eine gute Nachfragesituation. 42 Prozent bewerten die Nachfrageseite dagegen als schlecht.

Nach wie vor am schlechtesten ist die Stimmung bei der Zielgruppe der Freelancer/Selbständigen: Von 27 Befragten bewerten 19 Befragte die Stimmung in der Branche als schlecht. Im Vergleich zum März zeigt die Relation aber ebenfalls eine positive Tendenz.

Wie ist die Auslastung in der Branche?

Ausgelastet fühlen sich vor allem betriebliche Marktforscher: Nur 12 Prozent fühlen sich nicht ausgelastet, aber immerhin 45 Prozent überlastet. Im März waren das nur 30 Prozent.

Bei den Instituten wären Ressourcen frei: Hier fühlt sich jeder Dritte (31 Prozent, im März 35) nicht ausgelastet, aber auch mehr als jeder Vierte (28 Prozent) überlastet.

Wie sind die Reaktionen auf die Krise?

Immerhin 49 Prozent der befragten Institutsmarktforscher geben an, dass ihr Institut Unterstützung von Bund und Ländern erhalten habe. Etwas geringer fällt der Anteil bei Freelancern aus.

Kurzarbeit erleben sowohl Institutsforscher als auch betriebliche Marktforscher, allerdings in unterschiedlichem Ausmaße. 70 Prozent der befragten Institutsmarktforscher erleben entweder selbst oder bei ihren Kollegen Kurzarbeit, wogegen dies nur bei 32 Prozent der betrieblichen Forscher der Fall ist.

Wie ist der Ausblick auf nächsten sechs Monate?

Die Befragten sehen bereits Licht am Ende des Tunnels, wenn auch noch unklar ist, wie lange der Tunnel noch sein wird. Waren es im März nur jeweils ein Viertel der Befragten, die positiv in die Zukunft schauen, so sind es sechs Wochen später bereits 47 Prozent der Institute und 56 Prozent der betrieblichen Forscher. Das ist erfreulich!

Wenig Veränderung findet sich bei der Frage nach der langfristigen Bedeutung der Marktforschungsbranche: 38 Prozent der Institutsmarktforscher und 51 Prozent der betrieblichen Marktforscher glauben an eine steigende Relevanz der Marktforschung.

Fazit: Der Trend ist positiv

Die Ergebnisse hätten auch schlimmer ausfallen können. Die Stimmung in der Marktforschungsbranche ist noch immer schlecht, aber der Trend ist eindeutig positiv. Erste Lockerungen kommen langsam, aber spürbar, auch bei den Marktforschern an. Die Veränderungen zwischen Ende März und Mitte Mai sind nicht allzu groß; aber alle Veränderungen deuten in Richtung Erholung. Die Hoffnung ist in viele Häusern zurückgekehrt. Besonders Mut machen kann die positive Entwicklung auf Seiten der betrieblichen Marktforscher. Ob der Trend bereits stark genug ist, damit die Nachfrage bei den Instituten ankommt, bleibt abzuwarten. Und ob die Nachfrage schnell genug ankommt, damit alle Institute die Krise überstehen, bleibt ebenfalls offen. Genug zu erforschen gäbe es im ♯newnormal allemal.

Methodik

Erhebungsmethode Online-Befragung
Befragte Zielgruppe Marktforscher
Wie wurde die Zielgruppe rekrutiert? Abonnenten marktforschung.depesche
Stichprobengröße 411
Feldzeit 14-18. Mai 2020
Land Deutschland
Veröffentlicht am: 25.05.2020

 

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