Corona als Dolchstoß für den Einzelhandel?

YouGov-Studie

Wir wirkt es sich aus, wenn ein Großteil des Einzelhandels zeitweise geschlossen bleiben musste? Man mag vermuten, der Online-Handel erhebt einen ordentlichen Aufschwung, doch ganz so einfach ist es nicht. Das zeigen erste Ergebnisse der YouGov-Studie zur Beeinflussung des Einkaufsverhaltens durch Corona.

Der aktuelle "International Retail Report 2021 – Shopping in the pandemic and the implications for the future" von YouGov hat die Unterschiede im Einkaufsverhalten von Einzelhandelswaren in 17 Ländern und die Stärke der pandemiebedingten Verschiebung hin zum Online-Kauf untersucht. Dabei gaben 78 Prozent der Befragten an, Waren des täglichen Bedarfs (bpsw. Lebensmittel, medizinische, Drogerie- oder Haushaltsprodukte) in den letzten drei Monaten im stationären Handel gekauft zu haben, 57 Prozent kauften sie online. Nicht-tägliche Bedarfswaren (bspw. Kleidung, Kosmetik, Schuhe, Bücher, Möbel oder Schmuck) wurden hingegen mit 72 Prozent häufiger online gekauft. Insgesamt wurde aber für beide Warengruppen häufiger offline als online eingekauft.

Coronabedingte Verschiebungen auch in Deutschland

Bedenkt man, dass durch Corona viele Geschäfte geschlossen waren oder teilweise immer noch sind, zeigt sich bei Einzelhandelskategorien, die Waren des nicht-täglichen Bedarfs mit abdecken, eine Verschiebung: In Deutschland kauften 46 Prozent diese Produkte offline versus 74 Prozent online (28 Prozent Differenz). In Dänemark ist der Abstand noch größer: 39 Prozent kauften sie offline, 72 Prozent online (33 Prozent Differenz). Der weltweit größte Unterschied ist im Vereinigten Königreich zu erkennen: 36 Prozent kauften Waren des nicht-täglichen Bedarfs offline, 79 Prozent kauften sie online (43 Prozent Differenz). 

Nur in Australien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Hongkong wurde mit einer jeweiligen Differenz von eins bis fünf Prozent häufiger stationär als online eingekauft. Am häufigsten kauften die Chinesen Waren des nicht-täglichen Bedarfs online (80 Prozent).

Gründe und Hindernisse für den Online-Einkauf

Die Befragten nannten folgende Punkte als häufigste Gründe für den Online-Einkauf:

  • 57 Prozent: Nach-Hause-Lieferung
  • 47 Prozent: Es sei einfacher, die Produkte online zu kaufen
  • 42 Prozent: Die variable Auswahl an Produkten
  • 40 Prozent: Rabattaktionen

Die am häufigsten genannten Hindernisse sind hingegen die Versandkosten (46 Prozent), das fehlende Haptik-Erlebnis (45 Prozent) sowie die Rückgabebedingungen (39 Prozent).  Haupttreiber für den stationären Einkauf ist die tatsächliche Begutachtung des Produktes (62 Prozent), die Möglichkeit zum Testen / Probieren der Waren im Geschäft (53 Prozent) sowie schnellere Abwicklungsdauer des Kaufs (45 Prozent).

Adam Guiney, Director of Customer Experience bei YouGov, sagt über das Whitepaper:

"Beim Sichten der Daten für das Whitepaper war [...] zu erkennen, dass [...] der Offline-Handel, beispielsweise im Textil- und Kleidungsbereich, nach wie vor beliebter ist." 

Ziel der Studie sei weiter, Einzelhändlern und Unternehmen die Dynamiken im Einzelhandelssektor verständlich zu machen, der durch  die Corona-Pandmie beeinflusst wurde. Die Bedürfnisse der Verbraucher und das Wechselspiel zwischen Offline- und Online-Käufen zu verstehen sei dabei ein Schlüssel.

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Methodik

Erhebungsmethode Kombination Real-Time-Befragung YouGov-Panel + Datensatz YouGov Cube
Befragte Zielgruppe Bevölkerung ab 18 Jahren (China/Australien: ab 16 Jahren)
Wie wurde die Zielgruppe rekrutiert? YouGov-Panel
Stichprobengröße mehr als 19.000 Personen
Feldzeit 11. Januar bis 22. Februar 2021
Land Australien, China, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Hong Kong, Indien, Italien, Indonesien, Mexiko, Polen, Singapur, Spanien, Schweden, USA, Vereinigte Arabische Emirate

/pj

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