BVM-Kongress in Berlin: Dehnungsfugen im Alltag und der Wunsch nach mehr Selbstbewusstsein

48. Kongress der Deutschen Marktforschung in Berlin (Bild: marktforschung.de)
48. Kongress der Deutschen Marktforschung in Berlin (Bild: marktforschung.de)

Berlin / Köln (marktforschung.de) – Drei Tage "Kongress der Deutschen Marktforschung" liegen hinter uns – und damit drei Tage voller interessanter Gespräche, Vorträge und Ideen. Streng genommen dauert der BVM Kongress "nur" zwei Tage, aber der traditionelle Auftakt mit Mitgliederversammlung und Get-together am Vorabend gehört ja irgendwie auch dazu. Damit ist die Veranstaltung gewissermaßen die von rheingold-Geschäftsführer Stephan Grünewald in seiner Keynote geforderte "Dehnungsfuge im Alltag", dient sie doch traditionell der komprimierten Auseinandersetzung der Branche mit sich selbst, ihren Playern und ihren Möglichkeiten – und das außerhalb des (Büro-) Alltages. Raus aus dem "Hamsterrad", um neue, kreative Prozesse anstoßen zu können.

Das Wort "Innovation", gleichzeitig ja auch das Schlagwort des diesjährigen Kongress-Mottos, war denn auch vielfach zu hören – "Marktforschung für Innovationen, Marktforschung als Innovation und Innovationen in der Gesellschaft", wie beispielsweise BVM-Vorstand und Psyma-Chef Dr. Frank Knapp in seiner Eröffnungsrede hervorhob.

Zahlreiche Denkanstöße lieferten wie in den Vorjahren die Keynotes und Vorträge, die zum Teil viel Applaus und Lob erhielten. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit -  das gut gefüllte Programm ließ keine Möglichkeit, sich alles anzuschauen – sei hier vor allem der Vortrag von Professor Dr. Christian Blümelhuber (Universität der Künste Berlin) erwähnt, der in sehr launiger Form neue Wege des Innovationsmanagements aufzeigte. Allein sein Gedanke, den Fernsehmoderator und Schauspieler Michael Schanze als einen wichtigen Menschen in Sachen Innovation vorzustellen, mag von der Kreativität seiner Keynote zeugen. Eine der wesentlichen Erkenntnisse war jedoch, dass Moderne und Fortschritt zwingend nach Experimenten verlangen und letztlich nicht eine, sondern ein ganzes Portfolio an Strategien notwendig ist, um dem zu begegnen. "Die Welt dreht sich schneller, als wir reagieren können", so Blümelhuber.

Innovationen sind zwingend notwendig, können aber nur mit entsprechenden Freiräumen für Kreativität und Experimente entstehen – ein Gedanke, der sich in den Vorträgen mehrfach wiederfand. "Die Marktforschung ist dabei, sich neu zu erfinden", attestierte denn auch Zukunftsforscher Dr. Karlheinz Steinmüller (Z_punkt The Foresight Company) der Branche.

Aber muss sie das?

"Mehr Selbstbewusstsein, bitte!" – diese Forderung hatte Hartmut Scheffler in seinen Grußworten schon zum Auftakt des Kongresses gestellt. "Wir sollten mit größter Offenheit diskutieren, und zwar mit Selbstbewusstsein", so der ADM-Vorstandsvorsitzende und TNS Infratest-Geschäftsführer. Die Aufgabe des Marktforschers sei das Verstehen und genau dafür verfüge man über die entsprechende Expertise. Scheffler zeigte sich kritisch gegenüber öffentlichen Abgesängen auf die Marktforschung und hob als ein wesentliches Problem die Vermittlung der Skills der Branche hervor. "Das Paket ist unique, aber irgendwie bringen wir das nicht rüber", so Scheffler.

Wie Recht er damit haben könnte, zeigte sich am Ende des Vortrags von Dr. Steinmüller. Tagesschau-Chefsprecher Jan Hofer, der eloquent und sehr gut vorbereitet durch die Veranstaltung führte, fragte den Zukunftsforscher nach dessen Keynote: "Wo sehen sie die Zukunft der Marktforschung?" "Auf vielen Kongressen", antwortete Steinmüller.

Die Konnotation dieser spontan dahin gesagten Worte mag jeder für sich selbst interpretieren.

cl

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