Bill Gates träumt von der Zukunft, Online-Werbung: Konzerne skeptischer

Medienspiegel

Im Nachrichtenüberblick für den März 2019 geht es um die Technologien der Zukunft und um einen kritischen Blick auf Werbung in sozialen Medien. Außerdem um Heidi – die kommt bald als Playmobil-Figur (und dahinter steht ein Strategiewechsel des weltberühmten fränkischen Herstellers). Die Welt wütend gemacht hat dagegen ein Videospiel, das zur virtuellen Vergewaltigung einlädt. Der Kasus offenbart vor allem, wie schlecht der Games-Markt online noch immer reguliert ist.

Bild: Mitrija - fotolia

Bild: Mitrija - fotolia

von Thomas Lindemann

Playmobil produziert jetzt eine "Heidi"

Nachdem Lego schon seit Jahren vor allem von Lizenz-Deals lebt, will nun auch der große Konkurrent mehr nach diesem Erfolgsrezept arbeiten: Das fränkische Unternehmen Geobra Brandstätter, seit der Markteinführung 1974 Hersteller von Playmobil, baut Figuren aus der Welt der "Heidi". Verschiedene Spielsets kommen 2020 auf den Markt, außerdem wird es filmischen Content geben. Playmobil hat schon 2017 mit Lizenzen zu etwa "Ghostbusters" oder "Drachenzähmen leicht gemacht" begonnen – ist aber in diesem Feld neu. Eigentlich hatte das Unternehmen Merchandising immer strikt abgelehnt.

Bill Gates wirbt für moderne Kernenergie

Von der Titelseite der US-Zeitschrift "Technology Review" schaut derzeit einer, über den sonst kaum noch gesprochen wird: Microsoft-Gründer Bill Gates, lange Jahre der reichste Mensch der Welt. (Ein Titel, den er inzwischen an den Amazon-Chef Jeff Bezos abgeben musste.) Sein großer Konkurrent Apple enttäuschte zuletzt Anleger, zieht sich von seinem Kerngeschäft iPhone etwas zurück und wirkt insgesamt nicht mehr so wegweisend wie sonst. Nun schaut die Technikwelt wieder mehr auf den Querkopf Gates. Er nennt seine Top-Zukunftstechnologien, die in den nächsten Jahren wichtig werden. Darunter: Roboter mit Feinmotorik, in der Retorte erzeugtes Fleisch, und, überraschend: Kernenergie. Die sei nämlich noch längst nicht auf der Höhe ihrer Möglichkeiten angekommen.

Konzerne wollen mehr Effizienz bei der digitalen Werbung

Der sogenannte Ad-Fraud ist seit einiger Zeit ein Reizthema der Marketingwelt. Gemeint sind verschiedene Arten von Betrug mit Online-Werbung. Etwa scheinbar erfolgreiche Banner, die aber eigentlich nur von Bots geklickt werden. Derzeit sind soziale Medien im Fokus bei diesem Thema: Besonders bei Influencern versickern Werbeinvestitionen oft ohne jeden Effekt – mal mit betrügerischer Absicht im Hintergrund, mal einfach so. Der Verbrauchsgüter-Konzern Unilever zieht nun als erster ganz großer Player harte Konsequenzen. Dazu annoncieren die Niederländer nur noch bei einem Netz vertrauenswürdiger Anbieter, das sie selbst derzeit ins Leben rufen. Auch Facebook fliegt bei dieser Strategie eher raus: Dessen Zahlen gelten als unzuverlässig. So sollen Twitter, YouTube und Instagram seit vergangenem Sommer 1,6 Milliarden Fake-Accounts von ihren Plattformen gelöscht haben.

Neues EU-Urheberrecht spaltet Onlinewelt

Das große Aufregerthema dieses Monats war das neue EU-Gesetz zum Urheber- und Leistungsschutzrecht. Am 26.3. stimmte das Parlament der Neuregelung zu. Gegen deren Artikel 11 und 13 (in der Endfassung des Gesetzes nun Artikel 15 und 17) hatten sich vorher ungeahnt massive Proteste gerichtet. Dabei mobilisierten die Internetkonzerne, vor allem YouTube, durch ihre teils tendenziöse Lobbyarbeit breite Schichten Jugendlicher. Die Hauptkritik lautet: Die vorgeschriebenen "branchenüblichen Maßnahmen", die das Uploaden copyright-geschützter Inhalte verhindern sollen, grenzten an Zensur. Eine sehr gute, wenn auch nicht unparteiische Zusammenfassung gibt es bei Netzpolitik, einen lesenswerten Kommentar zu einem bisher kaum diskutieren Aspekt – der Wirksamkeit der Regelungen – bei Sascha Lobo, Spiegel ONLINE.

Virtuelle Vergewaltigung als Spiel

Anfang März erzürnte ein Videospiel die Welt: In "Rape Day" kann man Frauen nachstellen und sie mit Gewalt zum Sex zwingen, wer will, kann sie zum Teil danach erschießen. Medien aus der gesamten westlichen Welt (unter anderem ZEIT online, in einem Artikel des Autors) berichteten, obwohl das Spiel ein technisch rückständiges Produkt eines Einzelnentwicklers ist. Der Mann (der inkognito blieb) bot sein Spiel auf der Plattform "Steam" an, einem der wichtigsten Download-Dienste für Games – sozusagen das "Netflix" der Videospiele. "Rape Day" wurde nach den Protesten entfernt, und später auch von anderen Verkaufsdiensten entfernt. Das Grundproblem bleibt: Der Fall offenbarte aber, wie wenig redaktionelle Kontrolle es etwa bei "Steam" gibt. Entwickler können ihre Spiele relativ unbehelligt anbieten, weshalb dort Nazi-Spiele, Fake-Games und Porno sehr gängig sind.

Veröffentlicht am: 29.03.2019

 

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

Kommentare geben ausschließlich die Meinung ihrer Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht oder gekürzt zu veröffentlichen. Das gilt besonders für themenfremde, unsachliche oder herabwürdigende Kommentare sowie für versteckte Eigenwerbung.

Weitere Meldungen

Personalie

Cint: Neueinstellungen in München

Marc Sörgel, Patrycja Reinhart und Oliver Tjarks

24.05.2019 - Cint, ein Technologieunternehmen mit Fokus auf SaaS-Lösungen für die Marktforschungsindustrie, hat in seiner zweiten deutschen Niederlassung drei neue Mitarbeiter eingestellt. Marc Sörgel, Patrycja Reinhart und Oliver Tjarks verstärken ab sofort das Team in München. weiterlesen

 
TH Köln

Klima in der Marktforschungsbranche weiterhin stabil

24.05.2019 - Eine Längsschnittstudie, durchgeführt von Masterstudenten der TH Köln, zeigt in ihrer dritten Erhebungswelle, wie es um das Branchen-Klima in der Marktforschung bestellt ist. Im Vergleich zu den Vorerhebungen steigt die Zuversicht unter den Befragten leicht an. weiterlesen

 
Personalie

GIM: Gert Häfner verstorben

Gert Häfner

24.05.2019 - Der Markt- und Medienforscher Gert Häfner ist nach kurzer schwerer Krankheit verstorben. Zuletzt war Häfner als Senior Research Director bei der neu gegründeten GIM Wiesbaden tätig. weiterlesen

 
Appinio-Studie

EU-Interesse der Jugend hält sich in Grenzen

Bild: Oleksy@Ohurtsov - Pixabay)

24.05.2019 - Es gibt genug Wahlprognosen vor der Wahl zum EU-Parlament, doch eines ist besonders interessant: Wie stimmen die jungen Menschen ab? Und warum? Appinio hat es untersucht. weiterlesen

 
GIM-Studie

Ist ein "Dexit" in Deutschland vorstellbar?

Wie stehen die Deutschen zu Europa? GIM hat nachgegfragt. (Bild: wynpnt - Pixabay)

24.05.2019 - Kurz vor der Europawahl wollte GIM unter anderem wissen, wie sehr sich die Deutschen der EU zugehörig fühlen. Das Ergebnis: Ein Fünftel der befragten Deutschen wollen lieber kein Teil der EU sein und befürworten einen "Dexit", also einen Austritt Deutschlands aus der... weiterlesen

 
Über marktforschung.de

Branchenwissen an zentraler Stelle bündeln und abrufbar machen – das ist das Hauptanliegen von marktforschung.de. Unser breites Informationsangebot rund um die Marktforschung richtet sich sowohl an Marktforschungsinstitute, Felddienstleister, Panelbetreiber und Herausgeber von Studien, Marktdaten sowie Marktanalysen als auch an deren Kunden aus Industrie, Handel und Dienstleistungsgewerbe.

facebook twitter google plus