Beschwerde beim Presserat wegen Civey-Umfrage

Kritik am Start-up

Die Institute Forsa, Infas und die Forschungsgruppe Wahlen haben Beschwerde beim Presserat eingereicht. Die Beschwerde richtet sich gegen einen Artikel bei FOCUS ONLINE, der eine Civey-Umfrage als Datenquelle benutzt.

Welches Institut liegt richtig, wenn die Zahlen auseinander gehen? (Bild: mohamed_hasan - pixabay)

Welches Institut liegt richtig, wenn die Zahlen auseinander gehen? (Bild: mohamed_hasan - pixabay)

Die Umfragen des Berliner Start-ups Civey sind in den Medien beliebt, werden von anderen Marktforschern wie jüngst auf dem BVM-Kongress aber auch kritisch gesehen. Die Kritik an der Methodik von Civey hat jetzt sogar zu einer Beschwerde beim Presserat geführt. Eingereicht haben sie die Institute Forsa, Infas und die Forschungsgruppe Wahlen. Das berichtete die taz in ihrer Onlineausgabe und wurde marktforschung.de von Prof. Manfred Güllner, dem Geschäftsführer des Forsa-Institutes, bestätigt.

Streitpunkt ist die Repräsentativität der Civey-Umfragen. Während die alten Institute versuchten, die Repräsentativität durch eine Zufallsstichprobe aus der Bevölkerung zu erreichen, erhebt Civey seine Daten über breit gestreute Medienkooperationen im Internet und selektiert und gewichtet die so gewonnenen Daten im Anschluss, um die Teilnehmerstruktur so an die Struktur der Bevölkerung anzupassen. Die über diese Kooperationen (z.B. auf Spiegel ONLINE oder FOCUS) stattfindende Selbsrekrutierung und die Möglichkeit der Mehrfachteilnahme der Befragten sind zwei der Hauptpunkte der Beschwerde.

Die Beschwerde beim Presserat, die marktforschung.de vorliegt, bezieht sich konkret auf einen Artikel des FOCUS, der Daten aus einer Civey-Umfrage nutzt. Es ging dabei darum, ob Mesut Özil und Ilkay Gündogan - nach Meinung der Befragten - nach den Fotos mit Erdogan aus der Nationalelf ausgeschlossen werden sollten.

Der Vorwurf in der Beschwerde lautet konkret:
"Bei der zugrundeliegenden Umfrage wurde jedoch ein Befragungsdesign verwendet, das nach den allgemein anerkannten wissenschaftlichen Kriterien der empirischen Sozialforschung ganz grundsätzlich nicht geeignet ist, "repräsentative" Ergebnisse zu liefern."

Auch viele andere Sozialforscher halten diese Erhebungsmethoden für fragwürdig. Die taz zitiert unter anderem Professor Frank Faulbaum mit dem Satz: "Nahe zu alle Qualitätsstandards werden missachtet". 

Im Gespräch mit marktforschung.de sagte Manfred Güllner: "Das ist eine üble Kiste. Und die Branche ist merkwürdig still." Er sieht jetzt die Verbände in der Pflicht. "Der ADM reagiert viel zu spät!"

In ihrer Beschwerde zeigen die drei beteiligten Institute, wie weit Civey mit ihren Ergebnissen von anderen repräsentativen Umfragen abweicht. Die taz listet in ihrem Artikel weitere Beispiele auf. 

Wir berichten weiter über die Beschwerde beim Presserat.

P.S. Wer liegt richtig, wenn die Zahlen auseinander gehen, was ist dran an neuen Methoden? In unserem Dossier zu Repräsentativität und Zufallsstichproben gehen wir unter anderem dieser Frage auf den Grund. 

Lesen Sie auch:

Das sagt Civey zur Beschwerde beim Presserat

Thorsten Thierhoff, forsa: "Repräsentativ" ist nicht nur ein schmückendes Füllwort

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