Bedingungsloses Grundeinkommen - Je länger die Krise andauert, desto größer der Zuspruch in der Bevölkerung

Studie von Rogator / exeo

Rogator / exeo untersuchen zum zweiten Mal im Rahmen der Studie "OpinionTrain" die Präferenz der Bevölkerung für das bedingungslose Grundeinkommen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Schweden. In allen vier untersuchten Ländern ist die Unterstützung für ein bedingungsloses Grundeinkommen sehr hoch und tendenziell steigend.

In Deutschland gibt es mittlerweile mehr Zuspruch für das bedingungslose Grundeinkommen, als noch im April/ Mai 2020 (Bild: Moritz320 - Pixabay)

Durch die anhaltende Krisensituation und die damit einhergehenden Existenzängste in der Bevölkerung wird ein Konzept erneut diskutiert, welches in Deutschland bisher nicht ernsthaft untersucht oder als Alternativkonzept in Erwägung gezogen wurde: Das bedingungslose Grundeinkommen. Das Konzept des bedingungslosen Grundeinkommens besteht darin, dass prinzipiell jedem, ob arm oder reich, alt oder jung, mit Familie oder ohne, ein einheitliches Einkommen (deutlich über dem heutigen Niveau der Sozialhilfesätze) zusteht. Für die Studie "OpinionTRAIN“ wurden 2.500 Personen zur Bewertung von Trends und des Wertewandels in der Bevölkerung (Kooperation von der Rogator AG und der exeo Strategic Consulting AG) befragt.

Weiterhin starke Corona-bedingte Veränderungen in der Gesellschaft zu erwarten

Die Ergebnisse der aktuellen Befragung zeigen, dass sieben von zehn Befragten (72 Prozent) der Meinung sind, dass Corona zu nachhaltigen Veränderungen führen wird (im März waren es noch 70 Prozent). Vergleicht man die vier Länder, so sticht weiterhin Schweden hervor mit einer Zustimmung von 82 Prozent, während Deutschland (70 Prozent), Österreich (72 Prozent) und die Schweiz (71 Prozent) auf geringere Niveaus kommen. Schweden (45 Prozent) und Österreich (42 Prozent) erwarten nachhaltige Veränderungen am stärksten im Bereich Soziales/ Gesellschaft. In Deutschland werden die stärksten Veränderungen im Bereich Gesundheit (40 Prozent), Arbeit (40 Prozent) und Soziales / Gesellschaft (39 Prozent) gesehen.

Was die Aussage "Ich mache mir Sorgen über die Zeit nach Corona" angeht, so machen sich im Ländervergleich insbesondere die Österreicher (43 Prozent) sorgen - in Schweden stimmt nur knapp ein Viertel der Befragten (24 Prozent) dieser Aussage zu. Alles in allem sieht die schwedische Bevölkerung also weiterhin starke Corona-bedingte Auswirkungen in unterschiedlichen Lebensbereichen, trotzdem werden die Zukunftsaussichten im skandinavischen Land positiver bewertet als in der DACH-Region.

Unterstützung für ein bedingungsloses Grundeinkommen ist sehr hoch und tendenziell steigend

Da sich große Teile der Bevölkerung sorgen um die finanzielle Absicherung machen und das Thema des bedingungslosen Grundeinkommens aktuell wieder stärker diskutiert wird, wurden die Befragten um ihre Einschätzung dazu gebeten. In allen vier Ländern gibt es ein klares positives Votum für das Konzept. So geben in Deutschland mehr als die Hälfte der Befragten an (55 Prozent), dass sie das Konzept unterstützen (im April/Mai waren es nur 50 Prozent). Etwa ein Fünftel (21 Prozent) sprechen sich nach wie vor dagegen aus und knapp ein Viertel (24 Prozent) sind unentschlossen (im April/Mai waren es  29 Prozent) . Das ohnehin klare Votum der Deutschen für das bedingungslose Grundeinkommen hat sich während der Pandemie somit noch einmal verstärkt, unabhängig von Alters- und Einkommensklassen. Besonders positiv ist das Votum aus Sicht von Selbständigen (63 Prozent Zustimmung), während Verbeamtete eine kritische Sicht haben (28 Prozent Zustimmung).

Bessere Beurteilung des bedingungslosen Grundeinkommens als die aktuellen Staatlichen Maßnahmen

Damit man zusätzlich zur absoluten Bewertung auch ein relatives Urteil erhalten kann, wurde das Konzept des bedingungslosen Grundeinkommens mit den aktuellen Maßnahmen der Regierungen verglichen. Die Hälfte der befragten Deutschen (April/Mai 2020: 44 Prozent) favorisiert das bedingungslose Grundeinkommen. Lediglich 14 Prozent (April/Mai 2020: 17 Prozent) sprechen sich für die aktuellen Maßnahmen der Regierung aus. In Österreich, die Schweiz und Schweden lassen sich ähnliche Ergebnisse feststellen.

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/cb

Methodik

Erhebungsmethode Online-Befragung
Stichprobengröße n=2.500
Befragte Zielgruppe Personen zwischen 18 und 80 Jahren
Erhebungszeitraum November/ Dezember 2020
Länder Deutschland, Österreich, Schweiz, Schweden

Kommentare (1)

  1. Reich am 07.03.2021
    Bedingungsloses Grundeinkommen, an dessen Einführung wohl kein Weg vorbeiführt.
    Viele WissenschaftlerInnen, Industrielle und Menschen mit Weitblick sehen dies ebenso.
    Verständlich aber unsolidarisch, dass die Zustimmung unter BeamtInnen relativ gering ist; sie haben ein kriesensicheres Einkommen, einige ihrer Arbeitsfelder wären dem Wandel unterworfen.
    In der augenblicklichen Kriese wird immer mehr Menschen klar, dass Arbeitslosigkeit, sozialer Abstieg und andere finanzielle Notlagen in den allermeisten Fällen ohne eigenes Verschulden zustande kommen. Diese Entwicklung wird sich, leider schon in der nahen Zukunft, erheblich verstärken, sehr extrem bei RentnerInnen.
    Vorteile des Bedingungslosen Grundeinkommens, die klar auf der Hand liegen, sind zum Beispiel:
    Senkung der Kosten des Gesundheitssystems, Einsparungen in Sozialsystemen und Verwaltung, Anstieg von Kreativität, Wohlbefinden und allgemeinem Wohlstand. Diese Aufzählung ließe sich noch fortsetzen.
    Leider ist es aber so, dass auch Menschen, Konzerne, ganze Industrie- und Wirtschaftszweige davon profitieren, wenn es Menschen schlecht geht und sie in Sorge um Arbeitsplatz, Gesundheit und sogar Wohnung und Deckung des Minimalbedarfs sind.
    Dies waren nur einige Aspekte, kurz skizziert.

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