bbw-Studie: Die Schuldenkrise lässt das Immobiliengeschäft blühen

Neuss - Seit mehreren Jahren bietet sich uns das gleiche Bild: Die Schuldenkrise und die damit verbundenen Unsicherheiten verstärken die Kapitalanlage in Immobilien. Zudem lebt erst knapp die Hälfte aller Privathaushalte in den eigenen vier Wänden. Im Vergleich mit den anderen EU-Mitgliedstaaten wird deutlich, dass Deutschland mit einer Wohneigentümerquote von 43 Prozent einsam das Schlusslicht darstellt. 

Doch die Situation scheint sich zu verändern. Zu diesem Schluss gelangt die Studie "Immobilienfinanzierung 2011" von bbw Marketing.

Im Wohnungsneubau ist laut Angaben der Landesbausparkassen mittlerweile eine Belebung zu spüren. Ursächlich hierfür ist die günstige Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt, niedrige Kapitalmarktzinsen, weiterhin vergleichsweise günstige Objektpreise, das allmähliche 'Greifen' der Riester-Förderung für Wohneigentümer sowie die verstärkte Nutzung von Immobilien als Kapitalanlage. Im Jahr 2011 könnte die Zahl der Baugenehmigungen auf bis zu 215.000 Einheiten ansteigen. Ein ungebrochenes Interesse gilt allerdings weiterhin auch dem Eigenheim in gewachsenen Strukturen. Die traditionell starke Nachfrage nach Gebrauchtobjekten wird nach Einschätzung der Experten nochmals zunehmen.

Die generellen Umsatzsteigerungen auf den Immobilienmärkten zeigen, dass das Interesse an Immobilien als Kapitalanlage noch zugenommen hat. Regelmäßig werden die Deutschen von TNS hinsichtlich des Sparverhaltens befragt. Die Befragungen im März und Juni 2010 waren geprägt durch die Unsicherheit der Sparer in Zeiten der Finanzkrise, deren Dauer und Auswirkungen für den Einzelnen kaum oder gar nicht abschätzbar sind. Beim Sparziel 'Kapitalanlage' zeigt sich, dass der Vertrauensverlust durch die Finanzkrise nur sehr zögerlich überwunden wird. So drängen immer mehr Anleger auf den deutschen Immobilienmarkt. Jeder vierte Kaufinteressent suchte Anfang 2011 eine Immobilie als Kapitalanlage. Im Vorjahr war es nur jeder achte, wobei die Kapitalanleger derzeit an ein großes Renditepotenzial von Immobilien glauben.

Auf der anderen Seite wird es deutliche Veränderungen bei den Wohnstrukturen geben. Denn nicht nur die Wohnpräferenzen und Lebensstile der älteren Menschen ändern sich, sondern auch die junge Generation und Menschen mittleren Alters leben heute anders als früher. Besonders augenfällig ist der Trend zur Singularisierung: Singlehaushalte machen in den Großstädten fast die Hälfte aller Haushalte aus, Mehrpersonenhaushalte sind auf dem Rückzug.

Der Ausdifferenzierung der Lebensstile entspricht die Ausdifferenzierung der Wohnbedürfnisse, die zu einer Segmentierung der Nachfrage führt. Daher werden für die Standardfamilie zugeschnittene Wohnungen seltener, für die Bedürfnisse unterschiedlicher Lebensalter und -abschnitte zugeschnittene Wohnungen häufiger nachgefragt werden. In Anbetracht eines Wohnungsangebotes, das noch stark auf die herkömmlichen Wohnbedürfnisse zugeschnitten ist und die Pluralität der Lebensformen erst ansatzweise widerspiegelt und ermöglicht, ist davon auszugehen, dass die Nachfrage nach adäquaten Wohnungen vielfach nur durch den Umbau von Bestandswohnungen befriedigt werden kann.

An günstigen Finanzierungsangeboten mangelt es den Interessenten kaum, was grundsätzlich als positiv zu bewerten ist, wenn auch verstärkte Risiken in einem weiter liberalisierten Markt für die Zukunft nicht mehr ohne Weiteres ausgeschlossen werden können. Gleichwohl hat Deutschland gute Chancen, die notwendige Erweiterung des Spektrums der Finanzierungsinstrumente maßvoll fortzusetzen.

Der Markt für Baufinanzierungen hat sich in Deutschland deutlich verändert: Baufinanzierer in Deutschland sind nicht nur preisbewusster geworden, sie sind auch zunehmend bereit, neuen Anbietern wie etwa Direktbanken den Vorzug vor ihrer Hausbank zu geben. Bisher war dieses Geschäft eine feste Domäne von Geschäftsbanken, Sparkassen sowie der Volks- und Raiffeisenbanken. Gewinner dieser Umwälzung werden die Finanzvermittler sein, deren Marktanteil von 2010 bis 2015 um 4 Prozentpunkte steigen wird. Der Direktvertrieb wird der Schätzung zufolge sogar um 6 Prozent zulegen. Damit droht den herkömmlichen Banken ein Teil des einträglichen Geschäfts verloren zu gehen, das ein jährliches Gesamtvolumen von über 180 Milliarden Euro ausmacht. Die Filialbanken geraten möglicherweise in einem weiteren Bereich in die Enge, nachdem sie in den vergangenen Jahrzehnten schon Aktivitäten wie die Autofinanzierung oder Ratenkredite weitgehend an Spezialbanken abgeben mussten.

Nach den Ergebnissen der Befragung von Finanzdienstleistern und Baufinanzierern zählen Direktbanken und o­nline-Baufinanzierer in Zukunft zu den Marktgewinnern bei der privaten Baufinanzierung. Mit 77 Prozent sehen acht von zehn befragten Experten Marktanteilsgewinne für die Direktbanken, bei den o­nline-Baufinanzierern erwarten 71 Prozent aller Befragungsteilnehmer in den nächsten Jahren eine steigende Bedeutung. Die Bankkunden merken zunehmend, dass sie zum Abschluss einer Baufinanzierung keine Bankfiliale brauchen. Damit wird in Deutschland eine Entwicklung nachgeholt, die in anderen Ländern schon stattgefunden hat.

Während die Sparkassen ihren Marktanteil an der privaten Wohnungsbaufinanzierung noch in etwa halten können, werden die Realkreditinstitute weiter an Bedeutung verlieren. Die Ursachen des Strukturwandels bei der Immobilienfinanzierung liegt nach Ansicht von Experten in der Erklärung der privaten Baufinanzierung zum Konsumentenkredit gehobenen Niveaus. Damit verbindet sich die Möglichkeit, das Girokonto als Cross-Selling-Ansatz und Bonitätskriterium zu nutzen, sowie die Möglichkeit die Präsenz des stationären Vertriebs - der Zweigstelle - vor Ort für die Kundenbeziehung einzusetzen.

Quelle: bbw Marketing

Weitere Informationen zur bbw-Studie "Immobilienfinanzierung 2011" erhalten Sie in unserem Studien-Shop.

Veröffentlicht am: 21.09.2011

 

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