AP-GfK Studie: Mehrheit der Japaner misstraut der Sicherheit von Kernkraftwerken und beanstandet Krisenmanagement

Nürnberg – Das Erdbeben und der Tsunami vom März sowie die Atomkatastrophe in Fukushima haben das Vertrauen der japanischen Bevölkerung in die Sicherheit der Kernenergie schwer erschüttert. Weite Teile der Japaner kritisieren das Krisenmanagement und die Informationspolitik der staatlichen Stellen. Dies zeigt eine aktuelle AP-GfK-Umfrage. Wiederaufbau und die Entwicklung neuer Energiequellen sind für die Bevölkerung die wichtigsten Ziele für das nächste Jahrzehnt. Allerdings befürworten auch knapp 40 Prozent der Japaner, die derzeit betriebenen Atomkraftwerke am Netz zu lassen oder ihre Zahl noch zu erhöhen.  

Dies sind Ergebnisse einer AP-GfK Studie, die vom 29. Juli bis 10. August 2011 von GfK Roper Public Affairs & Corporate Communications in Japan durchgeführt wurde. Für diese repräsentative Umfrage wurden 1.000 Personen ab 18 Jahren befragt.

Insgesamt 80 Prozent der Bevölkerung hatten im Anschluss an die Katastrophe das Gefühl, dass die Führung des Landes nicht die Wahrheit zu den aktuellen Vorgängen sagt. Ebenso viele fragen sich, ob die Regierung ihnen helfen könne, sollten sie selbst zu den Opfern zählen. Rund zwei Drittel sorgen sich um ihr eigenes Leben, ihren Arbeitsplatz und ihre Zukunft.Befragt nach dem Krisenmanagement erhalten nur die Streitkräfte des Landes eine gute Note. Fast 90 Prozent der Bevölkerung bewerten ihre Leistungen positiv. Der mittlerweile zurückgetretene Premierminister Naoto Kan schneidet hingegen schlecht ab. Dreiviertel der Japaner sind nicht einver-standen damit, wie er die Folgen der Katastrophe handhabte. Eine ähnliche Bewertung erhält die Agentur für nukleare und industrielle Sicherheit. Tepco, Betreiber der Atomkraftwerke in Fukushima, wird sogar von rund 80 Prozent der Bevölkerung kritisiert.

Die Mehrheit der Japaner ist nicht von der Sicherheit der derzeit im Land betriebenen Atomkraftwerke überzeugt. Insgesamt 60 Prozent der Bevölkerung haben kein oder nur geringes Vertrauen in die Sicherheit der Anlagen. Bei dieser Frage zeigt sich ein deutlicher Geschlechterunterschied. Männer sind zu 54 Prozent dieser Auffassung, unter Frauen liegt der Anteil bei 66 Prozent.

Eine Reduzierung der im Land betriebenen Atommeiler wird von etwas mehr als der Hälfte der Japaner befürwortet. Auch hier ist der Anteil der Frauen höher. Rund ein Drittel der Bevölkerung spricht sich allerdings dafür aus, die Zahl der Atomkraftwerke auf dem aktuellen Stand zu halten. Vier Prozent der Befragten wünschen sich einen Ausbau der Kernenergie.

Dass die Industrienation Japan ihre Energiepolitik ändern muss, ist in der Bevölkerung hingegen unumstritten. Für 84 Prozent der Japaner stellt die Entwicklung neuer Energiequellen eines der wichtigsten Ziele für das kommende Jahrzehnt dar. Nur der Wiederaufbau der durch Erdbeben und Tsunami zerstörten Regionen wird als noch bedeutender angesehen. Insgesamt 96 Prozent der Bevölkerung halten dies für äußerst wichtig.     

Quellen: Associated Press (AP), GfK Gruppe

Veröffentlicht am: 02.09.2011

 

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