Aimpower gewinnt den 3. Start-up Pitch

Start-up Pitch 2021

Sieger des dritten Start-up Online Pitches von marktforschung.de & CONSULTING.de ist das KI-Unternehmen Aimpower aus Hamburg. Das Unternehmen überzeugte mit ihrer Augmented Intelligence Lösung ‚brainsuite‘ nicht nur das Publikum mit über der Hälfte der Stimmen, sondern auch die Fach-Jury. Auch die anderen drei Start-ups überzeugten mit ihren Geschäftsmodellen: Oculid, evAi und Redem belegten punktgleich Platz zwei.

Gewinner 3. Start-up Pitch

Mitgründer und Geschäftsführer Peter Krause stellte das Start-up aus Kuddewörde bei Hamburg gemeinsam mit Julia Saswito, Head of Marketing & Strategy bei Aimpower, vor. Aus einer Kombination aus Algorithmen und neuronalen Netzwerken, stellt das Unternehmen eine Augmented Intelligence Lösung mit ihrem Tool ‚brainsuite‘ zur Verfügung. Zugeschnitten auf zentrale User Cases aus dem Marketing verbindet die SaaS-Plattform Kernprinzipien aus Psychologie und Neurowissenschaften – basierend auf über 100 Algorithmen, über 50 neuronalen Netzwerken und trainiert mit Millionen Datensätzen und APIs.

Auf der Service-Plattform lädt der Nutzende sein Asset hoch und erhält in kürzester Zeit einen Report über die gesamte Verteilung der Aufmerksamkeit über die Umgebung, in der das Asset platziert wird, und welches Sentiment tatsächlich transportiert wird. Und das alles mit Hilfe von AI-Pipelines und Algorithmen, basierend auf menschlichen Daten – ganz ohne Befragte.

Zurecht wurde an dieser Stelle die Frage von Jury-Mitglied Sabine Menzel über die Möglichkeit des Updatings der Datensätze gestellt. Klare Antwort darauf fand Julia Saswito: Die AI-Pipeline wird fortlaufend trainiert. Doch durch die Grundlagen der Neurowissenschaften und die Kenntnis über stabile Reaktionen und Verhaltensmuster der Menschen, bleiben die Berechnungen der Algorithmen stabil, unabhängig vom jeweiligen Forschungs-Case.

Jury und Publikum waren sich nicht immer einig

Die Jury, bestehend aus Christian Arndt (High-Tech Gründerfonds), Birgit Bruns (BBRecruiting), Sabine Menzel (L'Oréal),  Dr. Arndt Schwaiger (Hellmetrics) und Bernd Wachter (ADM), war sich über die Top2 weitestgehend einig. Nach Aimpower wurde evAI auf den zweiten Platz gekürt. Redem und Oculid belegten Platz 3 und 4.

Das Votum der Zuschauenden unterschied sich davon. Wo sich Jury und Zuschauende beim ersten Platz noch einig waren, erreichte Oculid bei den Zuschauenden mit 29 Prozent den zweiten, Redem mit 13 Prozent den dritten und evAI mit drei Prozent der Stimmen den vierten Platz.

Eine knappe Kiste

Um Jury-Mitglied Birgit Bruns an dieser Stelle zu zitieren:

„Alle vorgestellten Start-ups hätten Gewinner eines vorherigen Start-up Pitches von marktforschung.de sein können.“

In der Gesamtrechnung konnte sich damit lediglich Aimpower auf den ersten Platz absetzen. Die anderen drei Start-ups teilen sich punktgleich den zweiten Platz.  Das hat es bisher bei einem Pitch auf marktforschung.de noch nicht gegeben.

Starker Anfang mit Oculid trotz Netzwerkproblemen

Mit einigen Netzwerkproblemen in Ton und Bild der Präsentation, startete Antje Venjakob den Pitch und stellte das Eye-Tracking-Tool Oculid vor. Die Software bietet die Möglichkeit über die Smartphone-Kamera der Teilnehmenden die Blickrichtung in realer Nutzungsumgebung aufzuzeichnen. Nutzer können zudem verschiedene URLs, Videos oder Bilder testen, haben die Möglichkeit AB-Tests durchzuführen, Umfragen und Fragebögen zu integrieren und beliebig viele Teilnehmende über Panels oder flexibel über eigene Datenbanken einzuladen.

Jury-Mitglied Dr. Arndt Schwaiger stellte die Frage über die zusätzliche Aufzeichnung der Gesichter, zu Erfassung von Emotionen und Mimik der Teilnehmenden. Ein Mitschnitt der Gesichter würden aufgrund aktueller Datenschutzrichtlinien nicht in der Plattform dargestellt werden, so Antje Venjakob. Eine Erweiterung dessen und die Prüfung des rechtlichen Rahmens sei allerdings in Planung.

evAI: Brotkrümmel in Daten sammeln

Ebenfalls Platz 2 belegte die Software-as-a-Service Lösung evAI, vorgestellt von Gründer und CEO Steffen Konrath. Mit dem Motto „We put data into context“ bot das Start-up Einblicke in die Methodik der Kontexterkennung. Bei der semantischen Analyse müssen nicht die passenden Wörter in den Texten vorkommen, sondern das Tool liest zwischen den Zeilen. Um es mit den Worten von Herrn Konrath auszudrücken:

„Für alles was im Markt passiert kann man Spuren finden. Es gilt Brotkrümel in Daten zu sammeln“.

Neben Aimpower bietet das B2B-konzentrierte Unternehmen ebenfalls die Verwendung der Software ohne die Notwendigkeit realer Teilnehmenden. Als Quellen der Datenauswertung können beispielsweise Social Media, Telegram, Foren oder klassische Nachrichtenbereiche dienen.

Redem: Befragungsdaten automatisch cleanen

Last but not least, stellte Florian Kögl sein Start-up Redem vor. Zugeschaltet aus Linz, Österreich, präsentierte Kögl seine Technologie zur automatisierten Bereinigung und Qualitätskontrolle von Befragungsdaten.

Oberflächliche, unehrliche und inhaltslose Antworten in Befragungen schaden der Qualität von Marktforschungsstudien. Mit dem Einsatz von Algorithmen können Rohdatensätze nach formalen, inhaltlichen und psychologischen Qualitätskriterien bewertet werden. Mithilfe des Einzel-(Redem-)Scores werden objektive Qualitätsbewertungen zu jedem einzelnen Befragten vorgenommen. Aus einem Fragen-Set werden zusätzlich projektive Kontrollfragen an verschiedenen Stellen der Umfragen integriert. So liegt der Nutzen vor allem für Panel-Anbieter und Mafo-Auftraggeber auf der Hand.

Zusätzlich zum Kernteam aus vier erfahrenen Entwicklern und Designer, unterstützen Robert Sobotka, Geschäftsführer und Gründer von Telemark Marketing, Hartmut Scheffler und Markus Weigl, privater Investor, als „Hands-on Advisors & Business Angels“ das junge Start-up aus Linz.

Ein Kommentar (von Holger Geißler)

Disruption bedeutet, dass eine Innovation das Zeug hat, eine bestehende Technologie oder Dienstleistung zu ersetzen. Eine disruptive Geschäftsidee wünscht sich jedes Start-up und jeder Investor. Die wenigsten Geschäftsmodelle sind aber wirklich disruptiv.

Beim gestrigen Start-up-Pitch könnten wir Zeuge einer Zeitenwende in der Marktforschung geworden sein. Was das Start-up Aimpower präsentierte, hat das Potenzial weite Teile der Marktforschung zu disruptieren.

Ich habe vor Jahren einmal in einem Interview gesagt, dass ich davon ausgehe, dass man vieles in der Marktforschung disruptieren kann, aber man am Ende immer Menschen befragen wird. Seit gestern bin ich mir da nicht mehr sicher.

Der Grundgedanke ist faszinierend: Wenn man weiß, wie das menschliche Gehirn auf Werbung für gewöhnlich reagiert, sollte es möglich sein eine Künstliche Intelligenz zu bauen, die genau diese Wahrnehmungsprozesse simuliert. Und das ist in Etwa der Grundgedanke von Aimpower. Werbung testen ohne Befragte.

Disruptiert werden in diesem Geschäftsmodell die Befragten. Super, könnte man meinen, das sind ohnehin diejenigen, die immer seltener bei Umfragen mitmachen wollen.

Eine Katastrophe, wenn man sein Geld damit verdient, Menschen für Umfragen zu rekrutieren.

Ob der Ansatz für jede Werbung und darüber hinaus funktioniert, bleibt abzuwarten. Anspruch und Wirklichkeit liegen bei KI doch häufig noch weit auseinander. Aber, dass sich Aimpower, hinter denen u. a. Dr. Christian Scheier steht, der vor vielen Jahren bereits mit MediaAnalyzer die Messung von Blickbewegung revolutioniert hat, auf diesen Weg gemacht hat, ist faszinierend. Und erschütternd zugleich.

Aber so fühlt es sich wohl an, wenn man einer disruptiven Idee begegnet.

 

Wenn Sie noch mehr über die einzelnen Unternehmen erfahren möchten, dann empfehlen wir Ihnen die einzelnen vorab-Interviews:

 


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