ADM Mitglieder gehen von 17 Prozent Umsatzrückgang in 2020 aus

Bericht von der ADM Mitgliederversammlung

Der ADM stellt in seiner Mitgliederversammlung wichtige strategische Weichen für die Zukunft. Trotz eines schwierigen Jahres für die meisten Mitglieder schaut der Verband zuversichtlich ins nächste Jahr und arbeitet an der Neuausrichtung der Marktforschungsbranche.

Der Vorstand des ADM: Bernd Wachter, Roland Abold und Sebastian Götte
Der Vorstand des ADM: Bernd Wachter, Roland Abold und Sebastian Götte

Am 12. November wurde die diesjährige Mitgliederversammlung des ADM Arbeitskreis Deutscher ADM Arbeitskreis Deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitute e. V. als virtuelle Versammlung nachgeholt.

Vier neue Mitglieder

Vier neue Mitglieder konnte der Verband 2020 bislang gewinnen: Die deepsight GmbH aus Osnabrück, die g/d/p Markt- und Sozialforschung GmbH aus Hamburg, die Omnitrend GmbH aus Leipzigund die Telquest GmbH aus Bielefeld. Dabei erfreut den Verband vor allem der Beitritt von deepsight als "assoziiertes Mitglied", da es sich hierbei um ein Start-up handelt, das sich auf die Nutzung von KI zur Datenanalyse spezialisiert hat. Verlassen haben den ADM 2020 bislang drei Institute. ADM-Vorstand Bernd Wachter dazu:

"Es gibt jedes Jahr Veränderungen in der Mitgliedschaft, also Aus- und Eintritte aus dem ADM. Das ist nichts Ungewöhnliches. Die Branche ist schwer getroffen, der ADM erwartet einen Umsatzrückgang von 17 Prozent. Aber die hohe Zahl an Eintritten in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten zeigt, dass die Branche auch positiv in die Zukunft blickt und der ADM für Markt- und Sozialforschungsinstitute attraktiv ist."

Der ADM öffnet sich für Dienstleistungsunternehmen

Lt. des Verbands verändert sich die Markt- und Sozialforschungslandschaft aktuell sehr stark. Neue Dienstleistungsunternehmen bereichern die Branche mit Spezialangeboten, denen mit entsprechender Satzungsänderung der Beitritt leichter gemacht werden soll. Dazu kommentiert Roland Abold, Vorstandsmitglied des ADM:

"Nun öffnet sich der Verband auch diesen Anbietern. Eine entsprechende Satzungsänderung wurde von den Mitgliedern mit überwältigender Mehrheit angenommen".

In der Satzung wurde ergänzt, dass Mitglied im ADM sein kann, wer wissenschaftliche Markt- und Sozialforschung oder Dienstleistung dafür anbietet. Außerdem wurde der Begriff "einschließlich Primärforschung" gestrichen. Alle anderen Voraussetzungen für eine Mitgliedschaft müssen nach wie vor erfüllt sein, insbesondere das Bekenntnis zu den Standesregeln und Qualitätsrichtlinien. Dienstleistungsunternehmen für wissenschaftliche Markt- und Sozialforschung, die Mitglied im ADM werden können, sind zum Beispiel Softwareanbietende für Datenerhebung oder -speicherung, Paneladministration oder Textanalyse.

Eine weitere Satzungsänderung beschlossen die Mitglieder in Bezug auf die virtuelle Durchführbarkeit der Mitgliederversammlung. Die nächste Mitgliederversammlung ist jedoch noch als persönliche Mitgliederversammlung geplant und soll am 6. Mai 2021 in Berlin stattfinden.

Corona trifft die ADM Mitglieder massiv

Vorstandsmitglied Sebastian Götte stellte zudem die Ergebnisse der dritten Corona-Sonderumfrage des ADM vor, die im Vergleich zu den früheren Befragungen verhalten positiver ausgefallen ist. So ist der Anteil derer, die für 2020 von einem krisenbedingten Umsatzverlust ausgehen von 65 Prozent (im Juli/August) auf 58 Prozent (im Oktober) zurückgegangen. Außerdem meint mittlerweile die Mehrheit der teilnehmenden Institute, dass sie aus der Krise gestärkt hervorgehen werden. Die ADM-Mitglieder gehen laut der Mitgliederbefragung von einem Umsatzrückgang im Jahr 2020 von 17 Prozent aus.

Darauf reagiert der Verband und senkt die nach Institutsgrößen gestaffelten Mitgliedsbeiträge für das kommende Jahr einmalig um 20 Prozent.

Wohin geht die Reise des ADM?

Am Vorabend trafen sich die Mitglieder zu einer virtuellen Diskussionsveranstaltung. Unter dem Titel "Quo Vadis ADM?" führte Alt-Präsident Hartmut Scheffler mit einem spannenden Vortrag in das Thema ein. Bernd Wachter und ADM-Geschäftsführerin Bettina Klumpe fassen die Diskussion folgendermaßen zusammen:

"Die Diskussion war sehr vielfältig und drehte sich im Kern um die Veränderungen, der die Branche und damit auch der ADM ausgesetzt ist. Neue Anbieter drängen auf den Markt. Diese Tatsache darf der ADM nicht ignorieren. Ganz im Gegenteil. Er muss die Veränderungen erkennen und sich den damit einhergehenden Herausforderungen stellen.

Die Branche muss selbstbewusster auftreten. Markt- und Sozialforscher sind Daten- und Menschenversteher, keine reinen "Number Cruncher". Das ist unser USP gegenüber rein datenbasierten Angeboten. Das ist unsere Existenzberechtigung, und jeder ist willkommen, der anonyme, wissenschaftliche Markt- und Sozialforschung betreibt und sich auch so versteht. Das muss eben nicht mehr nur Primärforschung sein, sondern kann auch beispielsweise die Analyse von großen Datenmengen beinhalten – oder wie gesagt – Dienstleistung dafür.

Auch das Thema Qualität spielt natürlich eine unverändert wichtige Rolle. Gerade in Zeiten, in denen Daten und Statistiken ungeprüft stetig über verschiedenste Medien herausgespült werden. Alternative Fakten und Fake News müssen erkennbar gemacht, Daten richtig verstanden und interpretiert werden.

Wir sind in einem laufenden, immerwährenden Prozess, es gibt keine abschließende Lösung. Wir müssen uns als Branche und Verband Veränderungen stellen, nach Möglichkeit sogar gestalten oder mindestens darauf reagieren. Das beinhaltet dann auch eine Öffnung des Branchenverständnisses, eben was wir aktuell und zukünftig unter wissenschaftlicher Markt- und Sozialforschung verstehen, und folglich auch des Verbands. Dabei müssen natürlich die Standesregeln und -prinzipien, Wissenschaftlichkeit, Anonymität, Trennung von forschungsfremden Tätigkeiten gewahrt bleiben. Aber innerhalb dieses Rahmens sind Neuorientierung und Erweiterung möglich. Auf diesem Weg befinden wir uns als Verband."

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/hg

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