Abstoßen von Produkten als Gesundungsstrategie?

GfK im Wandel

Erneut macht die GfK Schlagzeilen, nicht etwa, weil sie Unternehmensbereiche aufbaut, sondern abstößt. Betroffen sind der Bereich GfK Media & Communication Research und Car Clinics – diese seien nicht mehr nachhaltig und rentabel zu betreiben, so ein Unternehmenssprecher gegenüber marktforschung.de.

GfK Hauptsitz in Nürnberg ©GfK
GfK Hauptsitz in Nürnberg ©GfK

 

Von Jörg Stroisch

Konkret: Mit GfK Media & Communication Research wird durchaus ein Schwergewicht der Medienforschung geschlossen. So führte das Unternehmen zum Beispiel die ARD/ZDF-Onlinestudie 2017 durch. Es ist in Raunheim bei Frankfurt beheimatet. Car Clincis ist ein Bereich, in dem neue Fahrzeuge durch Testpersonen bewertet werden – viele Marktforschungsunternehmen bieten einen entsprechenden Service an. Auch dieser Bereich soll eingestellt werden. Das bestätigte auch offiziell der Pressesprecher der GfK SE, Kai Hummel, gegenüber marktforschung.de.

Der Abbau dieser beiden "Produktaufgaben sind Ergebnisse der angekündigten Strategie und zeigen, dass wir gute Schritte damit vorankommen", kommentiert Hummel. Es handele sich hierbei um die taktische Umsetzung der angekündigten Strategie, "die nun an der ein oder anderen Stelle sichtbar" werde. Man wolle auch weiterhin an Services für die Automobilindustrie oder auch die Medienbranche festhalten, trenne sich aber von einzelnen Forschungsbereichen, die die GfK in die Zukunft gerichtet nicht rentabel und nicht nachhaltig betreiben könne.

Ergebnis des Transformationsprozesses

Die GfK verneint über ihren Pressesprecher auch, dass es sich bei der Aufgabe von Produktbereichen um ein Scheitern des schon vor einigen Monaten verkündeten Transformationsprozesses (marktforschung.de berichtete) handele, "sondern vielmehr um das Sichtbarwerden der konkreten Umsetzung, bei der wir gut vorankommen", so Hummel.

Der Transformationsprozess: Es sollen 200 Millionen Euro eingespart werden, allerdings auch 100 Millionen Euro vor allem in die Digitalisierung des Unternehmens investiert werden. In Deutschland fallen dadurch 600 Stellen weg, davon 400 in Nürnberg. Und es werden auch etliche Standorte in Deutschland geschlossen, zwei bis drei sollten übrigbleiben – zwischenzeitlich war mal von sechs Standorten die Rede (marktforschung.de berichtete).

Stellenabbau mit Konzernbetriebsrat abgestimmt

Man sei sich bewusst, dass manche Einschnitte nicht einfach für die Mitarbeiter seien, aber sie seien nötig, um das Unternehmen für die Zukunft zu rüsten, so Kai Hummel. Gemeinsam mit dem Konzernbetriebsrat habe man Lösungen entwickelt, die den Umbau des Unternehmens so sozialverträglich wie möglich gestalten sollen. Wie das Unternehmen dabei die verbleibenden Mitarbeiter motivieren und mitnehmen will? Hummel selbst sprach in einem früheren Gespräch von einem "Kulturwandel", der hier gemeistert werden müsse – und der eine gravierende Herausforderung für die GfK sei.

Übrig bleiben aber die Ängste der Mitarbeiter: Schon im Februar wurde bekannt, dass die GfK Auslagerung von Geschäftsfeldern an IBM plane, das böse Wort von der Zerschlagung machte die Runde. Das neuerliche Streichen von Aufgabenfeldern kann vor diesem Hintergrund nur beunruhigend wirken.

Dass der Investor KKR knallharte und glasklare wirtschaftliche Ziele für das eigene Investment verfolgt, welches sich natürlich am Ende des Engagements ordentlich rentieren soll, ist auch klar. Der Investor ist allerdings auch in ein Unternehmen eingestiegen, in dem offensichtlich schon jahrelang keine echte Zukunftsperspektive mehr entwickelt wurde.

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