Corona: Bedingungsloses Grundeinkommen für Deutschland?

Studie von Rogator

Wieder einmal wird das Thema "bedingungsloses Grundeinkommen" diskutiert. Diesmal bedingt durch Corona und die damit hervorgerufenen Ängste und gesellschaftlichen Veränderungen. Nicht nur in Deutschland findet die Diskussion statt, auch in Schweden, Schweiz und Österreich. In allen vier Ländern ist die Unterstützung dieses Konzeptes sehr groß.

Menschen rechnen mit gesellschaftlichen Veränderungen durch Corona (Bild: Kaique - Pexels)

"OpinionTRAIN 2020" ist eine neue Studienreihe, die sowohl den Wertewandel in der Bevölkerung, bedingt durch die Corona-Krise, als auch daraus resultierende Trends und Meinungen in Deutschland, Österreich, Schweiz und Schweden bewertet.

Durch die Krise und die damit verbundenen Existenzängste ist ein neues Thema wieder im Gespräch, das bisher in Deutschland nicht ausreichend untersucht wurde: Das bedingungslose Grundeinkommen, bei dem jede*r ein einheitliches Grundeinkommen erhält, welches deutlich höher als die jetzige Sozialhilfe ist. In Spanien wurde dieses Konzept bereits im April 2020 diskutiert und wenn die Regierung den Beschluss umsetzt, dann wäre es das erste europäische Land, das jedem Bürger und jeder Bürgerin dauerhaft ein bedingungsloses Grundeinkommen zahlt, zumindest in Ansätzen.

In Finnland wurde dieses Konzept bereits 2017 getestet, allerdings jedoch wieder nach zwei Jahren eingestellt. Das bedingungslose Grundeinkommen wird dafür kritisiert, dass es nicht finanzierbar sei, nicht an der Bedürftigkeit ausgerichtet sei und falsche Signale sende. Was dafür spricht, ist der Fakt, dass dadurch der Wohlstand gesichert wird, dadurch ein notwendiger Schritt zur Veränderung des Arbeitsmarktes gewagt wird und es als Instrument zur Steigerung der Zufriedenheit der Bevölkerung fungiert.

Gesellschaft geht von starken Veränderungen aus

70 Prozent aller Befragten geht davon aus, dass es durch die Corona-Pandemie nachhaltige Veränderungen geben wird. Länderspezifisch sieht es so aus: 86 Prozent in Schweden, 73 Prozent in der Schweiz, 68 Prozent in Deutschland und 67 Prozent in Österreich. In welchen Bereichen Veränderungen stattfinden sollen, ist von Land zu Land unterschiedlich: Beispielsweise steht in Schweden mit 58 Prozent das Thema Arbeit an erster Stelle, darauf folgen Gesundheit (50 Prozent) und Soziales im Anschluss. In Deutschland sieht es ähnlich aus: Auch hier steht "Arbeit" mit 42 Prozent an erster Stelle, fast gleichauf die Themen "Gesundheit" und "Konsum/Einkauf" (beides 41 Prozent) und "Soziales/Gesellschaft" (40 Prozent).

Auszug aus der Studie "OpinionTRAIN 2020"
Auszug aus der Studie "OpinionTRAIN 2020"

Der Bereich „Soziales“ sticht heraus

Die Analyse der offenen Nennungen zeigt vor Allem, dass Veränderungen im Bereich "Soziales" erwartet werden, wie sehr die Krise die Wahrnehmung der Bevölkerung beeinflusst hat und Ängste zum Vorschein kommen. Fast ein Fünftel der Befragten gibt an, dass die physische Distanz zu den Mitmenschen, als auch die eingeschränkten Kontakte dazu beigetragen haben. Wenn es um die gesellschaftlichen Veränderungen geht, so denken 27 Prozent der Befragten, dass es zu einem "stärkeren Zusammenhalt und zu mehr Solidarität" führen wird, wohingegen 22 Prozent an eine "Spaltung der Gesellschaft und stärkeren Egoismus" führen wird. Die zwei Fronten diesbezüglich gibt es nicht nur in Deutschland, auch Österreich und die Schweiz denken ähnlich.

Alle vier Länder unterstützen den Gedanken des bedingungslosen Grundeinkommens

Durch die Sorge vieler Bürger, was die soziale Absicherung angeht und die wiederauftauchende Diskussion über das Grundeinkommen, wurden die Studienteilnehmer*innen befragt, was sie davon alten, wenn "jede*r Bürger*in unabhängig von seinem Einkommen einen festen Geldbetrag pro Monat erhält". Das Ergebnis ist in allen vier Ländern eindeutig positiv: In Deutschland unterstützen die Hälfte der Befragten das Konzept, nur etwas mehr als ein Fünftel (21 Prozent) spricht sich dagegen aus und der Rest ist unentschlossen. Zwar sind die Befürworter in allen Alters- und Einkommensklassen vertreten, allerdings lassen sich besonders in der Altersklasse bis 30 Jahren Befürworter finden, während Befragte mit einem Haushaltsnettoeinkommen von 4.000 Euro das Konzept eher ablehnen.

cb

Methodik

Erhebungsmethode Online Access Panel
Stichprobengröße 2.530
Feldzeit 4. bis 14. Mai 2020
Land Deutschland, Österreich, Schweiz, Schweden

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