Doch keine Mehrheit für Sommerzeit

YouGov-Studie

Will die Mehrheit wirklich eine Abschaffung der Zeitumstellung und die Einführung der ganzjährigen Sommerzeit? Die Initiative Markt- und Sozialforschung hat in einer von YouGov durchgeführten Studie herausgefunden, dass es bei einer neu formulierten Fragestellung durchaus zu komplett anderen Antworten kommen kann.

(Bild: Free-Photos - Pixabay)
(Bild: Free-Photos - Pixabay)

 

Die Initiative Markt- und Sozialforschung geht davon aus, dass die deutsche Bundesregierung den Ergebnissen der EU-Umfrage folgen wird. "Die Menschen wollen das, wir machen das", sagte seinerzeit Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im ZDF. Die Umfrage war von vielen Marktforschern (unter anderem dem ADM hier auf marktforschung.de) kritisiert worden. 

Die Initiative Markt- und Sozialforschung sieht in der EU-Umfrage nicht nur fehlende Repräsentativität, sie meint auch, dass die Fragestellung der EU-Umfrage Probleme birgt, da die Bezeichnung "Sommerzeit" übermäßig positiv und "Winterzeit" eher negativ belegt zu sein scheint.

"Die EU-Umfrage fragt unter anderem ab, ob die Menschen die 'Beibehaltung der derzeitigen EU-Regelung mit Zeitumstellung zwischen Sommerzeit und Winterzeit für alle EU-Mitgliedstaaten' oder die Abschaffung der Zeitumstellung für alle EU-Mitgliedstaaten befürworten. Zudem wird gefragt, ob sie im Falle einer Abschaffung die Einführung von 'ständige[r] Sommerzeit (Uhren werden gegenüber der Winterzeit um eine Stunde vorgestellt)' oder 'ständige[r] Winterzeit' befürworten würden. Die EU-Umfrage kommt bei dieser Formulierung zu einer Zustimmungsrate für die Sommerzeit von 55 Prozent, während 37 Prozent sich lieber eine dauerhafte Winterzeit wünschen", heißt es von der Initiative Markt- und Sozialforschung e.V. "

Andere Begriffe, andere Ergebnisse!

Ein deutlich knapperes Ergebnis zeige sich jedoch, wenn der Befragung eine repräsentative Stichprobe zugrunde liege, so die Studie. Zwar sprechen sich auch dann immer noch mehr Menschen für die Sommerzeit als für die Winterzeit aus, doch schmilzt dieser Vorsprung unter 50 Prozent dahin (41 Prozent für Sommer vs. 32 Prozent für Winter).

Ändert man die Fragen und ersetzt die Begriffe "Sommer" sowie "Winter" durch die Begriffe "Normalzeit" sowie "Normalzeit mit Vorstellung um eine Stunde", ergibt sich sogar ein vollständig anderes Bild: Dann sind nämlich 62 Prozent der Bürger für die "Normal-" also die Winterzeit und nur noch 16 Prozent für die "Normalzeit mit Vorstellung um eine Stunde".
Allein die Nutzung der Begriffe "Sommer" und "Winter" rufen positive bzw. negative Assoziationen hervor. Die Menschen wünschen sich vielleicht mehrheitlich dauerhaft Sommer, ob sie aber deswegen auch die Einführung einer dauerhaften Sommerzeit wünschen, ist zumindest zweifelhaft. "Die Politik sollte die Ergebnisse der EU-Umfrage also nicht nur aufgrund der fehlenden Repräsentativität mit Bedacht verwenden," so der Rat der Studie.

Zur Studie: YouGov hat im Namen der Initiative Markt- und Sozialforschung e.V. 1.153 Personen zwischen dem dem 21.09.2018 und 25.09.2018 befragt.

Kommentare (7)

  1. Bernd Wachter am 21.01.2019
    Liebe Kommentatoren,
    mit ein wenig Zeitversatz möchte ich dazu doch noch einmal Stellung nehmen: die Studie hatte nicht den Zweck, die "Wahrheit" über den Wunsch der Deutschen in der Frage Winter- oder Sommerzeit aufzudecken. Sie wurde vielmehr durchgeführt um aufzuzeigen, dass es - selbst bei identischer Fragestellung - einen Unterschied macht, ob man River-Sampling wie die EU betreibt oder eben eine bevölkerungsrepräsentative Stichprobe in einem Acces-Panel zieht (klar, online und repräsentativ anhand ausgewählter demografischer Merkmale, so ist das nun einmal in einem Access Panel). Und da kommt eben doch ein Unterschied raus, auch wenn man wie Herr Liljeberg die "Unentschiedenen" rausrechnet (aber bitte die "Beibehalter" nicht zu "Unentschiedenen" machen): EU: 60% also Mehrheit für Sommerzeit, YouGov-Stichprobe 49% (wenn man 15% Untentschlossene rausrechnet), der Rest will Winterzeit oder die Beibehaltung der halbjährlichen Zeitumstellung.
    Außerdem sollte aufgezeigt werden, dass das Ergebnis maßgeblich auch von dem positiv assozierten Begriff "Sommerzeit" abhängt. Dass "Normalzeit" nicht dem Sprachgebrauch entspricht und daher in einer Befragung verwendet werden sollte, die den Anspruch hat, ein reales Meinungsbild zu erheben, ist klar. Es ging lediglich darum aufzuzeigen, dass die von der EU verwendete Begrifflichkeit - neben der Art des "Samplings" - starken Einfluss auf deren Ergebnis hat, dass eben so keinerlei Aussagekraft hat und nicht zu verwenden ist. Das Thema ist zu komplex, um einfach bei ein paar oder auch vielen beliebigen Menschen irgendwie abgefragt zu werden.
    In diesem Sinne "AUA!", EU ...
  2. comopolitan am 19.01.2019
    "Traue keiner Statistik, die du nicht selbst verfasst hast!" - lautet eine bekannte Weisheit.
    Natürlich lässt sich bei jeder Umfrage auch durch die Wortwahl eine Beeinflussung der Antworten erzielen. Dass Menschen dabei das "Normale" stets bevorzugen würden, scheint mir allerdings auch eine unbewiesene Behauptung.
    Fazit: wenn man wirklich wissen wollte, wer für welche Zeitlösung ist, müsste ein richtiger Volksentscheid her, der aber wieder von den polistisch aktiveren Bürgern beeinflusst wäre. Man sollte vielleicht einfach einmal erfahren, welche Prioritäten für eine Umstellung der Uhren sprechen, wenn die ursprünglich angenommene Energieeinsparung offenbar nicht zutrifft und sie andernfalls somit zu reiner Freizeit- oder Willkürzeitregelung verkommt ohne Rücksicht auf die "Normalzeit", die wenigstens astronomisch mit der Erdrotationsdauer begründet werden kann.
  3. Ingo Sander am 14.01.2019
    Ich kann den Vorrednern nur Recht geben: "AUA!", Initiative Marktforschung und YouGov ...
  4. Holger Liljeberg am 14.01.2019
    Jetzt darf ich doch mal leise an der Interpretation der Ergebnisse zweifeln:

    EU-Umfrage:
    55% Sommerzeit, 37% Winterzeit, Summe: 92%,
    8% Unentschiedene, aber die Teilnehmer haben sich ja auch aktiv gemeldet, hatten also mehrheitlich eine bestimmte Meinung
    Hochgerechnet auf 100% Entscheider: 60% Sommerzeit, 40% Winterzeit

    YouGov-Umfrage:
    41% Sommerzeit, 32% Winterzeit, Summe: 73%,
    27% Unentschiedene, die Teilnehmer wurden jedoch aktiv ausgewählt und hatten wahrscheinlich keine Vorinformationen
    Hochgerechnet auf 100% Entscheider: 56% Sommerzeit, 44% Winterzeit
    Statistisches Fehlerintervall bei n=1.153: mindestens +/-2,9 Prozentpunkte im Falle einer repräsentativen Zufallsstichprobe. Aber vermutlich hat YouGov eine Quotenstichprobe aus einem Online-Accesspanel genutzt? Dazu sollte dann zumindest auch mal etwas gesagt werden.

    Ich kann da keine wirklich statistisch signifikanten Unterschiede sehen, wenn man die Unentschiedenen mal außen vor lässt. Was soll uns diese Argumentation also sagen?

    Dass eine andere Abfrage - zumal abweichend vom allgemeinen Sprachgebrauch und angesichts der Tatsache, dass viele ohnehin bei der Zeitumstellung erst einmal überlegen müssen, in welche Richtung es jeweils überhaupt geht - auch andere Ergebnisse produzieren muss, liegt auf der Hand. Und dann ist das "Normale" sicher im Zweifel auch das "Präferierte"....
  5. Wolfgang Bogner am 14.01.2019
    Dieser Argumentation kann ich eher nicht folgen. Ich denke dass hier einfach die Mehrheit mit "Normalzeit" nichts anfangen kann. Außerdem ist auch diese Abfrage Quatsch. Wenn man hier "repräsentative" Ergebnisse will, muss man alle Alternativen im Vergleich abfragen, also Zeitumstellung wie heute, immer Sommerzeit (und zwar genauso abgefragt und nicht als Normalzeit mit Vorstellung) oder immer Winterzeit.
  6. Montagsmaler am 14.01.2019
    Das "vollständig andere Bild", welches YouGov durch eine Veränderung der Abfrage erhält, beruht meiner Ansicht nach ebenfalls auf einer Verzerrung. Die Begriffe "Normalzeit" und "Normalzeit mit Vorstellung um eine Stunde" begünstigen den Bias der "Status-quo-Verzerrung", bei der der Status Quo (Normalzeit) gegenüber einer Veränderung (Vorstellung um eine Stunde) bevorzugt wird.

    Ob die Abfrage-Methode von YouGov der "Wahrheit" damit näher kommt als die Abfrage-Methode der EU-Kommission, bleibt aus meiner Sicht zu bezweifeln.
  7. Thomas Helmreich am 14.01.2019
    Wenn man die EU- und andere Umfragen zum Thema wegen der Verwendung der Begriffe "Sommer" und "Winter" kritisiert und dann selbst eine Umfrage mit dem Begriff "Normalzeit" initiiert, dann macht man sich bestenfalls lächerlich. Dass die Befragten bei der Verwendung des Begriffs "Normalzeit" genau dieser zustimmen, sollte nun wirklich niemanden überraschen. Wer will schon eine "Unnormalzeit"? Da im öffentlichen Sprachgebrauch der Begriff "Normalzeit" praktisch nicht auftaucht und die Mehrheit der Bundesbürger wohl gar nicht genau wissen, was sich dahinter verbirgt, kann man diese Art der Fragestellung als "suggestiv" bezeichnen. Besser als die EU-Umfrage ist diese Umfrage jedenfalls nicht und die Initiative sollte sich überlegen, ob sie mit solchen Fragestellungen tatsächlich das Image der Branche stärkt.

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