"Wir wollen das Betriebssystem der Marktforschung werden!"

Interview mit Peter Aschmoneit, quantilope

Mit 28 Mio. USD hat das Hamburger Agile Insights Software-Unternehmen quantilope eine beachtliche Investitionssumme für die weitere Expansion an Land ziehen können. CEO und Co-Founder Peter Aschmoneit im Interview mit marktforschung.de zu den konkreten Plänen, und warum quantilope das "Betriebssystem der Marktforschung" werden will.

Die Gründer und Geschäftsführung von quantilope, von links: Dr. Peter Aschmoneit (CEO), Dr. Thomas Fandrich (COO) und Dr. Lucas Bremer (CDO)

Ihr bekommt 28 Mio USD als Investment. Wie hoch ist Eure Unternehmensbewertung damit?

Peter Aschmoneit: Der Wert unseres Unternehmens hat sich in den letzten 6 Jahren sehr dynamisch entwickelt. Mit der neuen Series B Investitionsrunde erhöht sich das Investitionsvolumen auf insgesamt 40 Mio USD seit unserer Gründung.

quantilope ist seit dem ersten Investment von Venture Capital Investor Senovo um mehr als das Zehnfache gewachsen, ermöglicht durch unseren neuen Ansatz agiler Marktforschung. Die Innovationskraft wurde 2018 von p&a mit dem Award “Newcomer in der Marktforschung” ausgezeichnet. Zum Jahreswechsel zeichnete uns Deloitte mit dem Technology Fast 50 Award als eines der 50 am schnellsten wachsenden Technologieunternehmen aus. Und gerade vor wenigen Tagen, darüber haben wir uns sehr gefreut, sind wir erstmals im GRIT Report 2020 unter den innovativsten Marktforschungsanbietern gelistet. Das lässt sich in Euro oder USD nicht genau bemessen und trägt gleichzeitig enorm zum Unternehmenswert insgesamt bei.

Besonders wichtig sind uns allerdings die Bewertungen unserer Kunden. Mehr als 200 Unternehmen zählen inzwischen zu den Nutzern der Insights-Plattform und sie geben uns regelmäßig Feedback. Unser Net Promoter Score liegt stabil bei über +70 und zeigt damit an, wie zufrieden unsere Kunden mit unserer Software und unserem Service sind. Darauf können wir stolz sein. Das zeigt den klasse Einsatz unseres gesamten Teams. 

Ihr wollt mit dem Geld u.a. Weiterentwicklungen Eurer Technologieplattform im Bereich KI finanzieren? Darunter kann sich ja vieles verstecken. Was habt Ihr genau vor?

Peter Aschmoneit: Wir haben das ehrgeizige Ziel, das Betriebssystem der Marktforschung zu werden. Das hat ganz unterschiedliche Aspekte. Dazu gehören beispielsweise die weitere Automatisierung professioneller Marktforschungsmethoden, ein hervorragendes User Interface Design für die einfache Anwendung, neue Features, die die Zusammenarbeit von Teams fördern und vereinfachen bis hin zu neuen Technologien wie Künstliche Intelligenz, also KI.

Ich gebe gern ein paar Beispiele. 

Unsere KI hilft unseren Nutzern, Aufgaben automatisiert zu erledigen, die normalerweise händisch gemacht werden müssen. Das spart enorm Zeit und sichert saubere Qualität. Zudem entwickeln wir, auch mit Hilfe von KI, neue, automatisierte Erhebungsmethoden, die noch schnellere und tiefere Erkenntnisse über den Konsumenten liefern. Bereits heute gibt es zahlreiche Use Cases, die wir mit unsere Kunden teilen und mit deren Feedback ausbauen, z.B. ganz aktuell eine Methode zum Erkennen von Persönlichkeitsprofilen von Konsumenten. Das sind hochspannende Entwicklungen und wir werden mit quantilope noch viele sehr relevante Use Cases für die Marktforschung erleben.

Und generell arbeiten wir permanent an der Optimierung unserer Features, die eine agile Erhebung und einfache Abstimmung im Team fördern.

Was sind darüber hinaus die konkreten Ziele, die ihr mit Hilfe den zusätzlichen Geldmitteln erreichen wollt?

Peter Aschmoneit: Mit dem Investment möchten wir viele weitere Kunden dazu befähigen, agiler zu arbeiten. Wir halten Agilität für den Schlüssel, um als Marke in dieser dynamischen Welt relevant zu bleiben und wachsen zu können. Dabei stehen wir für die einzigartige Kombination aus hoher Geschwindigkeit und hervorragender Qualität der Erkenntnisse. 

Im Fokus der Entwicklung steht unser Produkt, unsere Agile Insights Technologie. Wir werden die Technologie rasant ausbauen, neue Kundenwünsche erfüllen und die Verknüpfungsmöglichkeiten der Software mit anderen Technologien erweitern.. 

Wir verstärken zudem unsere Kundenteams an unterschiedlichen Standorten - sowohl in Europa als auch in USA. Mein Mitgründer Thomas Fandrich hat vor 1,5 Jahren unser Büro in New York eröffnet und wächst mit seinem Team dort rasant. Das Feedback, das wir von unseren Kunden dort bekommen ist sehr positiv. Der U.S.-Markt ist für uns besonders wichtig, weil es der weltweit stärkste Markt in der Marktforschung ist. Die Denkrichtungen in den USA prägen in vielen Fällen auch die deutschen Entwicklungen. Hier werden wir gezielt weiter investieren.

Weiterhin investieren wir in den Aufbau eines hervorragenden Partnernetzwerks, vor allem mit führenden Marktforschungsinstituten. Während wir uns in solchen Partnerschaften voll auf die Technologie konzentrieren, spielen unsere Partner ihre ganzen Stärken in der Beratung aus.

Olaf Hoffmann hat vor kurzem im Interview gesagt, dass er Qualtrics für einen Tsunami hält, der auf die Marktforschungsbranche zurollt. Ist quantilope mit dem zusätzlichen Investment dann der Hurricane für die Branche?

Peter Aschmoneit: Ein Tsunami oder ein Hurricane klingt für mich erst einmal bedrohlich. Ich sehe unsere agile Technologie vielmehr als positiven Enabler in vielerlei Hinsicht für die Branche

Für betriebliche Marktforscher bietet unsere Technologie die Chance, zu jeder Zeit nah am Konsumenten zu sein und das Marketing und auch andere Abteilungen im Unternehmen schnell mit wichtigen Erkenntnissen zu versorgen. Die Kombination aus Schnelligkeit und Erkenntnistiefe befähigen die Marktforschungsanteilungen mit der Dynamik im Marketing mithalten zu können und somit relevant zu bleiben. Das macht die Marktforschungmanager zu wichtigen, strategischen Beratern im Unternehmen.

Für die Marktforschungsinstitute und Berater bietet der Einsatz unserer Software die hervorragende Möglichkeit, ganz nah an Kunden dran zu bleiben und diese wertstiftend zu beraten - schnell und kollaborativ. Und da bin ich dann bei Olaf Hoffmann - der Bedarf an erkenntnisgetriebener Beratung wird steigen.

Wie wollt Ihr Euch z.B. von Plattformen wie Qualtrics, Confirmit oder Medailla abgrenzen? Wo setzt Ihr Eure Schwerpunkt im Vergleich zum Wettbewerb?

Peter Aschmoneit: Der Fokus von quantilope liegt in der Kombination aus State-of-the-Art-Methoden, eine Software, die Spaß macht und bestem Service - und das alles für Consumer Insights. Mit all dem was wir tun, konzentrieren wir uns auf Marktforschung. Hier kommen wir her und hier möchten wir Wert stiften. Unsere Methodenkompetenz hebt uns von Playern ab, die aus dem Bereich Customer Experience (CX) kommen und keine Erfahrung in der Anwendung und der Analyse von quantitativen Marktforschungsmethoden, in der Datenbereinigung oder in der ansprechenden Visualisierung haben. In der Marktforschung sind wir mit großem Abstand führend und können mit dem neuen Investment gezielt in die Automatisierung neuer Methoden investieren.

Zudem sind wir bei aller Erkenntnistiefe so einfach, flexibel und sicher anzuwenden, dass wir immer mehr Menschen im Unternehmen die spannenden Erkenntnis über Konsumenten nahebringen können.

Wie sieht der Plan für die weitere internationale Expansion aus? Sind weitere Niederlassungen geplant? Wie sieht hier die Strategie konkret aus?

Peter Aschmoneit: quantilope hat momentan drei Standorte, Hamburg, Vilnius und New York. Diese werden wir verstärken. 

Wo wollt Ihr 2025 stehen?

Peter Aschmoneit: Wir glauben an den Erfolg und die Bedeutung der Marktforschung - in diesen dynamischen Zeiten mehr denn je. Unsere Mission ist es, agile und innovative Marktforschung global verfügbar zu machen - mit hoher fachlicher Kompetenz, einer ausgereiften Technologieplattform und excellentem Service für die Anwendung - quasi das Betriebssystem der Marktforschung.

/hg

Veröffentlicht am: 24.07.2020

 

Kommentare (1)

  1. Tom Jones vor 2 Wochen
    Ich war knapp 8 Jahre in führender Position in einem bedeutenden Marktforschungsunternehmen tätig. Das Problem für Unternehmen ist immer dasselbe:

    Der Konsument hat einfach keine Lust, seine Zeit für Befragungen auszugeben, und wenn er incentiviert wird dann sind die echten Ergebnisse natürlich verfälscht. Man bekommt in der Regel die Begeisterten oder Enttäuschten - das ergibt dann niemals ein valides Ergebnis.

    Deswegen ist der Aufbau und die Systematik immer schön und gut - aber der Mehrwert von solchen Online Systemen muss man immer hinterfragen.

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