"Wir sind mehr als ein klassischer Online-Felddienstleister."

Interview mit Christoph Irmer und Marc Leimann (Norstat)

Christoph Irmer und Marc Leiman von Norstat ( Bild: Norstat)
Christoph Irmer und Marc Leiman von Norstat ( Bild: Norstat)

marktforschung.de: Herr Irmer, Sie haben im Februar dieses Jahres die Geschäftsführung von Norstat Deutschland an Marc Leimann abgegeben und fungieren seither als Chief Marketing Officer der Norstat Gruppe. Was sind die Hintergründe dieser Personalie? 

Christoph Irmer: Nun, schon seit unseres Zusammenschlusses mit Norstat in 2012 habe ich mich – zumindest in Teilzeit – um die strategische Marken- und Vertriebsentwicklung in der gesamten Norstat Gruppe gekümmert. Jetzt wo wir mit Marc einen Nachfolger für die Position des Geschäftsführers in Deutschland gefunden haben, kann ich mich voll und ganz den Themen Marketing und Vertrieb auf Gruppenebene widmen. Um ehrlich zu sein, macht das meinen Job aktuell auch wieder deutlich einfacher – auf Dauer wäre es nicht möglich gewesen, beide Positionen innezuhaben. 

Aus Sicht von Norstat Deutschland ist es außerdem auch gut und sinnvoll, durch die externe Besetzung der Geschäftsführer-Position neue Blickwinkel, Ideen und Vorstellung einzubringen. Mit Marc haben wir jemanden gefunden, der super in unsere Unternehmenskultur passt, die gleichen Werte lebt und Spaß an unseren Aufgaben hat, der aber auch gleichzeitig neue Impulse setzt. Ich bin sicher, Marc wird Norstat in Deutschland voranbringen! 

marktforschung.de: Das klingt ja schon sehr euphorisch. Herr Leimann, wie ist Ihre Einschätzung – wie waren die ersten Wochen im Amt? Was werden Ihre Tätigkeitsschwerpunkte in den nächsten Monaten sein? 

Marc Leimann: Nun, die ersten 10 Wochen waren zunächst intern in erster Linie von einem gegenseitigen „Beschnuppern“ geprägt. Sicherlich hat Christoph hier über fast 10 Jahren einen riesen Job geleistet. Da beobachten die Mitarbeitern den „Neuen“ erst einmal vorsichtig und kritisch. Wichtig ist mir in erster Linie, das Geschäft und damit auch die internen Prozesse und Mitarbeiter von der Pike auf zu erlernen bzw. kennenzulernen. Auch nach 10 Wochen kann ich da sagen: Es gibt noch viel zu lernen für mich! (lacht)

Die Tätigkeitsschwerpunkte in den kommenden Monaten werden sicherlich das Thema „Strategische (Neu-)Ausrichtung und das Panel sein. In Sachen Strategie geht es Christoph und mir am Ende des Tages darum, Norstat fit für die Zukunft zu machen. Wir sind mehr als ein klassischer Online-Felddienstleister und wollen das Thema „Data“ mehr in den Vordergrund rücken. Die smarte Auswahl, das Erheben, Sammeln, Verknüpfen und letztlich die Aufbereitung von Daten verschiedenster Quellen sind Themen, mit welchen wir uns beschäftigen. Hier die richtigen Produkte und Services anzubieten und unser Team in diese Richtung weiterzuentwickeln, das wird schon einige Tage der kommenden Monate in Anspruch nehmen. Auch wollen wir weiter ins Panel investieren und dieses nachhaltig wachsen lassen, wobei es nur von Vorteil sein kann, dass ich nicht aus der Marktforschung komme und „Querdenker“ bin.

marktforschung.de: Herr Leimann, Sie waren bislang primär im Bereich eCommerce, Digitale Medien und Consulting tätig. Warum ist das aus Ihrer Sicht für die anstehenden Aufgaben bei Norstat ein Vortei? Und: Was reizt Sie an der Research-Branche? 

Marc Leimann: Nun, auch meine vorangegangenen Berufsstationen waren immer ganz nah mit der Marktforschung verbunden. Am Ende des Tages war es immer wichtig, die richtigen Entscheidungen auf Basis einer hochwertigen Analyse und Datenbasis zu treffen. Und genau daran mangelte es auch oft in der Praxis. Deshalb ist es sicherlich hilfreich, dass ich die Kundenseite sehr gut verstehe und weiß, was ein Kunde braucht und in welche Richtung sich diese Branchen derzeit entwickeln und welche Anforderungen dadurch an die Research-Industrie gestellt werden. Und ist es nicht großartig, jetzt dieser strategische Entscheidungshelfer zu sein und unseren Kunden das richtige Handwerkszeug zu liefern?!

marktforschung.de: Herr Irmer, vor knapp drei Jahren – kurz nach dem Merger der ODC Services GmbH und Norstat – sagten Sie in einem Interview mit marktforschung.de auf die Frage nach den Herausforderungen für Panelanbieter: „Gerade was Qualität in der Rekrutierung, Erhalt von Teilnahmebereitschaft, Ausbildungsstandard von Mitarbeitern etc. angeht, gibt es noch einiges zu tun“. Was hat sich aus Ihrer Beobachtung seither getan? 

Christoph Irmer: Was soll ich sagen, die Aktualität der Themen Panel-Qualität und Erhalt von Teilnahmebereitschaft hat sicherlich nicht abgenommen. Wir beschäftigten uns auch heute noch sehr stark damit. Angesichts der Tatsache, dass unsere Panelteilnehmer das Herzstück unseres Geschäftsmodells darstellen, ist das aber auch wenig verwunderlich. Marc hat es ja bereits angesprochen: Wir investieren weiter in unsere Panels, allerdings verändern sich die Prioritäten, weg von reinen Rekrutierungsausgaben, hin zu smarten Investitionen in Tools und Entwicklungen, die unser Angebot für potentielle Research-Teilnehmer attraktiver machen und gleichzeitig unser Service-Portfolio erweitern. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit seien hier nur ein paar Schlagworte erwähnt: Mobile Verfügbarkeit aller Panelfunktionalitäten durch Apps und responsive Websites, Gamification-Ansätze, Behavioural Data und vieles mehr. 

marktforschung.de: Ok, aber in diese Richtung denken ja durchaus mehrere Player der Branche. Was ist der USP von Norstat? Welche strategischen Schwerpunkte setzen Sie aktuell? 

Christoph Irmer: Wir konzentrieren uns auf die konsequente Weiterentwicklung des Unternehmens: smarte Lösungen um unser Angebot für Umfrage-Teilnehmer spannender zu machen und auf der anderen Seite der Ausbau unseres Dienstleistungsportfolios. Hier sehen wir mittelfristig das größte Potenzial für unser weiteres Wachstum, einhergehend mit neuen Produkten und Services für unsere Kunden. Verknüpfung von Umfragedaten mit anderen Datenquellen, Data Visualisation, Mobile Research, Behavioural Data, um nur einige zu nennen, sind  Themen, mit welchen wir uns als Norstat Group aktuell beschäftigen und bei welchen wir aktuell große Schritte machen. Wir halten Sie natürlich auf dem Laufenden… 

marktforschung.de: Danke, wir sind gespannt! Der Marktforschungsmarkt in Europa und speziell in Deutschland gilt als gesättigt. Gibt es Länder, in denen Sie besonders gute Wachstumsperspektiven sehen? 

Christoph Irmer: Mag sein, dass die europäischen Märkte als gesättigt gelten. Allerdings sehen wir durchaus noch Wachstumspotential in Deutschland. Es ist ja nun nicht so, dass unser Marktanteil so groß wäre, dass wir hierzulande nicht mehr zulegen können und wir sind zuversichtlich, dass uns das auch gelingen wird. 

Marc Leimann: Abgesehen davon, sehen wir noch gute Chancen in Italien, Polen und UK, wo wir unter anderem auch mit Niederlassungen vertreten sind. Und wer weiß, wir haben aktuell keine konkreten Pläne, aber BeNeLux, die Schweiz und vor allen Dingen auch Frankreich sind sicherlich auch immer eine Überlegung wert. Aber alles zu seiner Zeit…

marktforschung.de: Herr Irmer, Herr Leimann, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Veröffentlicht am: 06.05.2015

 

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