"Wir legen Wert darauf, dass wir uns gleich zu Anfang der Marktentwicklungen in den entsprechenden Ländern richtig positionieren." - Interview mit Burkhard Kleffmann, CEO Kleffmann Group

Burkhard Kleffmann, Kleffmann Group

Burkhard Kleffmann, Kleffmann Group

Die Kleffmann Group wurde 1990 von Burkhard Kleffmann gegründet und hat sich als Marktforschungs- und Consultingunternehmen auf den Agrarsektor spezialisiert.

marktforschung.de: Herr Kleffmann, Ihr Unternehmen hat in den letzten Jahren regelmäßig Umsatzzuwächse vermelden können. Wenn man sich die Entwicklung des Marktforschungsmarktes speziell in Deutschland anschaut, bildet die Kleffmann Group damit eher eine Ausnahme. Was ist ihre Erklärung dafür? 

Burkhard Kleffmann: Unser stetiges Wachstum wird im Wesentlichen von der Expansion in Auslandsmärkte getrieben. Wie man an unserem Netzwerk erkennen kann, sind wir insbesondere in den Schwellenländern gut aufgestellt, wo auch der Agrarsektor seine höchsten Zuwachsraten hat. Darüber hinaus hat auch unsere Spezialisierung in der Nische den Vorteil, dass wir uns ganz auf den Agrarsektor fokussieren und somit Marktanteile gewinnen können.

marktforschung.de: In einem früheren Interview mit marktforschung.de erklärten Sie, die Internationalisierung Ihres Unternehmens sei vor dem Hintergrund der Spezialisierung auf Agrarmarktforschung früh notwendig gewesen. Ich darf vermuten, dass das Thema heute noch eine weitaus stärkere Bedeutung hat als in den Anfangsjahren? 

Burkhard Kleffmann: Das kann ich absolut bestätigen. In den Ländern, in denen wir recht spät dran gewesen sind, ist es doch mühseliger die Marktführerschaft zu erkämpfen. Insofern legen wir Wert darauf, dass wir uns gleich zu Anfang der Marktentwicklungen in den entsprechenden Ländern richtig positionieren. So sind wir derzeit dabei, unser Netzwerk in Südost-Asien und Afrika auszubauen. 

marktforschung.de: Die Kleffmann Group gehört zu den umsatzstärksten Marktforschungsunternehmen in Deutschland, ist gleichwohl hinsichtlich seiner Bekanntheit eher ein „Hidden Champion“. Ist dies das Ergebnis Ihrer Spezialisierung? Und gab oder gibt es Überlegungen, auch andere Marktbereiche abzudecken?

Burkhard Kleffmann: In der Rolle des „Hidden Champions“ fühlen wir uns ganz wohl, und dies ist sicher ein Ergebnis unserer Spezialisierung. Dadurch haben wir relativ wenige Überschneidungen mit anderen Marktforschungsinstituten. Die Agrar-Marktforschung ist klassischerweise als B-2-B-Forschung anzusehen, und dieser Richtung folgend gibt es in der Tat Überlegungen, erfolgreiche Dienstleistungen auch außerhalb des Agrarsektors anzubieten. Wir werden aber sicher kein Institut, das sich im Consumer-Bereich tummeln wird.

marktforschung.de: Vor kurzem hat mit GfK einer der größten Player am Weltmarkt den französischen Agrarmarktforscher TerrEtude übernommen. Wie bewerten Sie den Vorstoß solch großer Konzerne in Nischenmärkte? Mit dem erklärten Ziel, standardisierte Tools und Methoden in zahlreichen Ländern anbieten zu wollen, begibt sich GfK ja ganz klar zu Ihnen in Konkurrenz. 

Burkhard Kleffmann: Wir hatten uns TerrEtude vor einigen Jahren angesehen. Für uns sind standardisierte Tools und Methoden im Agribusiness bereits gelebte Kultur. Unser Wachstum ist organisch, wo andere fleißig zukaufen.

marktforschung.de: Ihre Aktivitäten sowie die von GfK lassen den Rückschluss zu, dass Agrarmarktforschung zumindest international weiterhin ein Wachstumsmarkt ist. Woran liegt das? Was sind die Besonderheiten? 

Burkhard Kleffmann: Der Agrarsektor ist sicherlich ein Wachstumsmarkt, weil die Ansprüche an die Agrarproduktion sowohl in der Quantität als auch in der Qualität stetig steigen. Sie kennen die Schlagworte, wie z. B. „wachsende Weltbevölkerung“ und „steigender Wohlstand“. Auf der anderen Seite ist es ein sehr kleines Marktsegment und wird im Vergleich zu anderen Segmenten auch immer klein bleiben.

marktforschung.de: Worin bestehen die derzeit größten Herausforderungen in diesem Sektor? 

Burkhard Kleffmann: Die größte Herausforderung in unserem Sektor ist der Zugriff auf landwirtschaftliche Unternehmen, die immer größer und professioneller werden. Wir haben in einigen Ländern dieser Welt, wie z. B. Brasilien, der Ukraine, Russland und zunehmend auch in China Betriebe, die nichts mehr mit der Vorstellung eines „bäuerlichen Familienbetriebes“ zu tun haben, sondern mehrere hunderttausend Hektar bewirtschaften. Der größte Agrarbetrieb Brasiliens verfügt über die gesamte Landfläche der Niederlande, nur um einen Vergleich zu ziehen. Unsere Herausforderung ist es nun, die immer unternehmerischer werdenden Landwirte zu motivieren, Daten mit uns zu teilen. Die Kleffmann Group hat in den letzten Jahren viel in die Beziehung zu den Landwirten investiert und durch ihr Image inzwischen ein großes Vertrauen – das unterscheidet uns ganz gewaltig von anderen - auch deutlich größeren - Wettbewerbern.

marktforschung.de: Ihren Hauptsitz haben Sie in Lüdinghausen, einem kleinen Städtchen zwischen Münster und dem Ruhrgebiet. Worin liegen die Vorteile dieses Standortes? Und wann haben Sie die Lage zum letzten Mal so richtig verflucht? 

Burkhard Kleffmann: Lüdinghausen ist in der Tat ein charmantes Städtchen und glänzt mit einer sehr guten Infrastruktur, die insbesondere unsere Mitarbeiter mit jungen Familien sehr zu schätzen wissen. Verkehrsmäßig liegen wir in der Nähe von drei Flughäfen, wobei für uns Düsseldorf der wichtigste Abflugpunkt ist. Darüber hinaus gibt es hier eine sehr ordentliche Kaufkraft, verbunden mit einer Arbeitslosenquote von nur 3%, die zu den niedrigsten nördlich des Mains gehört. Die Lage Lüdinghausens habe ich vor einigen Jahren das letzte Mal richtig verflucht, als ich auch noch stark in das Deutschland-Geschäft involviert war. Innerhalb von Deutschland ist es, insbesondere mit der Bahn, schwer von hier weg zu kommen. Andererseits, in großen Städten steht man ja auch häufig in Staus, diese gibt es dann wiederum in Lüdinghausen nicht.

marktforschung.de: Ihr Unternehmen wurde 1990 gegründet. Was waren die aus Ihrer Sicht signifikantesten Veränderungen in Ihrem Business?

Burkhard Kleffmann: Es fällt mir recht schwer die signifikantesten Veränderungen zu definieren. Ich glaube, dass man sich als Unternehmer und als Unternehmen immer wieder „häuten“ und neuen Herausforderungen stellen muss. Hardware- und Softwareentwicklungen der IT haben die Marktforschung grundlegend und radikal verändert; aber das ist schon einige Jahre her und somit fast vergessen. Die Öffnung der Grenzen nach Zentral- und Osteuropa waren die Triebfeder für unsere globale Entwicklung, dann war es der Boom in Latein-Amerika und jetzt sind es die sich entwickelnden Märkte in Asia-Pacific und Afrika. Gleichzeitig liegt in der Digitalisierung der Marktforschung eine große Herausforderung. Für die nächste Zeit sehe ich die Vernetzung mit unseren Probanden als das spannendste Thema an; bevor in ein paar Jahren bestimmt wieder irgendetwas neues Interessantes passieren wird.

marktforschung.de: Und zu guter Letzt natürlich die Frage: Wie werden Sie im nächsten Jahr das 25-jährige Bestehen feiern? 

Burkhard Kleffmann: Richtig, wir werden im nächsten Jahr 25 Jahre „alt“ – kaum zu glauben. Durch all die spannenden Erlebnisse und Veränderungen ist mir die Zeit viel kürzer vorgekommen. Wir werden dieses mit einem Event im Juni des nächsten Jahres gebührend feiern. Wer weiß, vielleicht sind dann auch einige Marktforscher aus anderen Instituten dabei!

marktforschung.de: Herr Kleffmann, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Veröffentlicht am: 23.06.2014

 

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