Wilhelm Kampik: "Die Marktforschungsbranche muss aufhören, sich unter Wert zu verkaufen und vor allem den suizidalen Preiskampf beenden"

Wilhelm Kampik, GIM

Wilhelm Kampik, GIM

Positive Bilanz trotz Wirtschaftskrise und Übernahme von zehn Trainees in unbefristete Arbeitsverträge - mit dieser Meldung sorgte das Heidelberger Unternehmen GIM Anfang des Jahres für Aufmerksamkeit. Zu den Hintergründen dieser Entwicklung sowie zu den Zukunftsplänen des Instituts äußert sich GIM-Geschäftsführer Wilhelm Kampik im Interview mit marktforschung.de.

marktforschung.de: Herr Kampik, trotz eines für die Marktforschungsbranche sehr turbulenten Jahres konnten Sie bei GIM das Geschäftsjahr 2009 mit einer insgesamt positiven Bilanz abschließen. Wie haben Sie es geschafft, der Krise erfolgreich die Stirn zu bieten?

Wilhelm Kampik: Zwei zentrale Faktoren waren letztendlich die ausschlaggenende Basis dafür, dass die GIM relativ gut durch die Krise kam. Vielfalt in den Bereichen Methode, Branchen und Kunden als grundsätzliche Positionierung der GIM war und ist Garant dafür, dass substanzielle Einbrüche vermieden werden konnten. Unser breites methodisches Spektrum bietet fundierte Vielfalt, nicht nach dem Motto, dass jeder Mitarbeiter alles kann, sondern die GIM verfügt mit über 80 Mitarbeitern über einen glaubwürdigen RTB für die unterschiedlichsten Herausforderungen den jeweiligen Experten einsetzten zu können. Was für die Vielfalt des methodischen Portfolios gilt, trifft auch für die Branchen zu. Hier haben wir uns glücklicherweise nicht auf ein oder zwei Kernbranchen konzentriert, sondern bewegen uns mit entsprechender Kompetenz in 9 verschiedenen thematischen Bereichen, von der Mobilitätsbranche über FMCG bis hin zum Pharmabereich

Neben der GIM-Positionierung sorgte ein zügig verabschiedetes internes Maßnahmenbündel zur Abfederung der doch wirklich herausfordernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Jahres 2009. Hier haben wir immer unter dem Aspekt einer gewissen Sozialverträglichkeit das Instrument der Kurzarbeit über einen Zeitraum von 6 Monaten mit einer durchschnittlichen von 10 % reduzierter Arbeit eingesetzt, Prämienvorauszahlungen wurden eingestellt und im Rahmen einen Solidaraktion mit den nichtleitenden Angestellten hat die Leitungsebene auch einem temporären Gehaltsverzicht ausgeübt.

marktforschung.de: Gibt es Forschungsbereiche, die sich als besonders "krisenfest" erwiesen haben?

Wilhelm Kampik: Methodisch sehen wir bei der GIM keine auffälligen Verschiebungen, wir hören allerdings, dass Kunden über Trecking- und Monitoringstudien kritisch reflektieren.

Was die Branchen anbelangt, so können wir für die GIM ebenfalls keine validen krisenbedingten Verschiebungen feststellen. Im Gegenteil, gerade die Mobilitätsbranche zeigte sich bei der GIM im Krisenjahr besonders stark.

marktforschung.de: Sie haben es bereits erwähnt: Kurzarbeit war auch bei GIM im letzten Jahr ein Thema – betriebsbedingte Kündigungen ebenfalls?

Wilhelm Kampik: Nachdem wir im März 2009 einen ersten krisenbedingten Rückgang im Auftragseingang hatten und Entscheidungen bezüglich der Übernahme von Trainees anfielen, haben wir sehr zügig mit der Leitungsebene, dem Betriebsrat und den Mitarbeitern ein Maßnahmenbündel verabschiedet mit den Zielen, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden und allein im Jahre 2009 10 Trainees in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis zu übernehmen. Diese Ziele haben wir erreicht und wir betrachten es auch als einen Erfolg.

marktforschung.de Sie konnten zehn Trainees in unbefristete Arbeitsverhältnisse übernehmen, auf der anderen Seite machen Unternehmen aus der Marktforschungsbranche durch Mitarbeiterentlassungen von sich reden. Wie schätzen Sie die derzeitige Situation auf dem Arbeitsmarkt für Marktforscher ein?

Wilhelm Kampik: Die aktuelle Lage ist nach wie vor sehr angespannt. Unternehmen besetzten wenn überhaupt sehr vorsichtig vakante Stellen, auch die Institute zeigen sich da sehr verhalten. Natürlich gibt es Ausnahmen – wenn im August 25 % der Belegschaft entlassen wird und im darauffolgenden Januar das Geschäft wieder anzieht, dann werden so schnell, wie man sich von den Mitarbeitern getrennt hat, neue Mitarbeiter wieder eingestellt.

Gute Marktforscher haben aber unabhängig von der Krise mit ein wenig Geduld und Ausdauer auch zukünftig gute Chancen einen interessanten Job zu finden.

marktforschung.de: Laut der quartalsweise von marktforschung.de durchgeführten Umfrage zur Stimmung in der Marktforschungsbranche stehen die Zeichen auf Erholung – teilen Sie diese Einschätzung?

Wilhelm Kampik: Von einer Erholung im aktuellen Jahr bin ich überzeugt. Wir können eine deutliche Nachfragedynamik beobachten, anscheinend gibt es so etwas Ähnliches wie einen Forschungsstau, der sich nun auflöst. Ob die Forschung dann mit der aus der Vergangenheit bekannten Geschwindigkeit wieder Fahrt aufnimmt, da habe ich meine Zweifel.

Ausgaben werden auch nach der Krise kritisch durchleuchtet, Einkaufsabteilungen haben teilweise vor den Fachabteilungen das Sagen. Viele Unternehmen haben für einige Facetten der Standardforschung Alternativen entwickelt. Nicht zuletzt tobt angefacht durch den Machtkampf und Verdrängungswettbewerb einiger großer Anbieter ein gnadenloser Preiskrieg, der so schnell nicht beendet sein wird. Auch das Jahr 2010 wird für die Marktforschungsbranche kein Spaziergang.

marktforschung.de: Wie sieht die nahe Zukunft bei GIM aus? Sind Investitionen geplant und gibt es Forschungsbereiche, die dabei besonders im Fokus stehen werden?

Wilhelm Kampik: Für das aktuelle Jahr investieren wir in zwei Bereiche. Aktuell entwickeln wir mit einem Partner ein Portfolio von qualitativen Instrumenten für den Onlinebereich. Wir legen hierbei Wert auf eine intuitive Bedienbarkeit, die nicht zuletzt auch ein wenig Spaß machen soll. Ende des 2. Quartals werden wir den größten Teil der Instrumentenentwicklung abgeschlossen haben.

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Veröffentlicht am: 02.03.2010

 

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