Warum der Rat für Markt- und Sozialforschung wieder tätig werden kann

Raimund Wildner im Interview

Der Rat der Markt- und Sozialforschung hatte aufgrund rechtlicher Bedenken seine Tätigkeit für rund zwei Jahre ausgesetzt. Auf einer Mitgliederversammlung wurden nun einschneidende Veränderungen beschlossen: Die Geschäftsführung wird künftig von Ellen Didszus (BVM) übernommen. Damit wechselt die Verantwortung für den Rat und auch der Sitz vom ADM zum BVM. Jette Schröder, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Sozialwissenschaftlicher Institute (ASI), wird Mitglied des Vorstands. Der neue Vorstandsvorsitzende des Rates Prof. Raimund Wildner, Geschäftsführer des GfK Vereins, berichtet im Interview mit marktforschung.de, warum die Arbeit des Rates solange ruhen musste und wie es nun weitergeht.

Raimund Wildner, GfK Verein
Raimund Wildner, Geschäftsführer des GfK Vereins, ist neuer Vorstandsvorsitzende des Rates

marktforschung.de: Herr Prof. Wildner, welche Schritte wurden vollzogen, damit der Rat nun seine Arbeit wieder aufnehmen kann?

Raimund Wildner: Es war nicht klar, ob die Mitglieder des Vorstands und die Geschäftsführung des Rates für finanzielle Schäden aufgrund erteilter Rügen haften, eventuell sogar mit ihrem Privatvermögen. Der Rat hat nun ein Gutachten erstellen lassen, um die Frage zu klären, welche Vorgehensweise in welchem Rahmen erlaubt ist. Dieses Gutachten hat klargestellt, dass Einschätzungen und Rügen seitens des Rates rechtens sind, da sie als freie Meinungsäußerung gelten. Natürlich müssen die Entscheidungen jeweils gut begründet sein. Darüber hinaus wurde eine Haftpflichtversicherung ausfindig gemacht, die im Zweifel in Kraft treten kann und letztendlich musste natürlich auch die Satzung des Rates dementsprechend angepasst werden.

marktforschung.de: Wie kam es zu der Neubesetzung von Geschäftsführung und Vorstand?

Raimund Wildner: Der bisherige Vorstandsvorsitzende Hartmut Scheffler und der Geschäftsführer Erich Wiegand traten mit dem Vorschlag an den BVM heran. Es gab keine Unstimmigkeiten, sie waren einfach der Ansicht, dass sie diese Aufgaben, die ja doch auch sehr zeitintensiv sein können, lange genug gemacht haben.

marktforschung.de: Wie gestaltet sich die weitere Zusammenarbeit zwischen den Verbänden? Wird es diesbezüglich Änderungen geben?

Raimund Wildner: Wir werden nach wie vor eng zusammenarbeiten. Es wird sich aber nun der BVM um die laufenden Geschäfte kümmern. Ich persönlich musste schauen, wie ich diese Aufgabe in meine tägliche Arbeit integrieren kann, da ich zuvor bereits gut ausgelastet war. Wir haben aber nun intern im BVM ein wenig umstrukturiert, sodass ich genügend Kapazitäten habe.

marktforschung.de: Wie gestalten sich ganz praktisch gesehen die nächsten Schritte?

Raimund Wildner: Es wird nun zunächst eine Übergabe zwischen ADM und BVM geben. Wir werden dann Kontakt zu der Kanzlei aufnehmen, die sich um die Durchführung der geordneten Verfahren kümmert. Und ich gehe davon aus, dass wir entweder zum 1. August oder spätestens zum 1. September 2016 die reguläre Arbeit wieder aufnehmen können. Ellen Didszus wird sich um alles Operative kümmern, wie etwa die Einberufung und Vorbereitung der Mitgliederversammlungen und die Ausgaben, etwa für die Kanzlei, abwickeln. Meine Aufgabe sehe ich in dem Kontakt mit der Kanzlei, wenn es um Absprachen und die Einleitung von Verfahren geht und natürlich werde ich die Mitgliederversammlungen leiten, und dabei werde ich unterstützt und ggf. vertreten durch meine Vorstandskollegin Jette Schröder.

marktforschung.de: Sehen Sie in den vergangenen Jahren Entwicklungen, die Einfluss auf die Tätigkeit des Rates haben? Gibt es Beschwerden, die noch auf eine Abwicklung warten?

Raimund Wildner: Es ist ja so, dass wir uns innerhalb der Branche Regulierungen gegeben haben, etwa den Esomar-Codex und die Deutsche Erklärung. Nach wie vor bleibt es aber eine Tatsache, dass jede Regel ein zahnloser Tiger ist, wenn sie nicht konsequent angewendet wird. Im Beschwerdefall bleibt es also unsere Hauptaufgabe auf Einhaltung dieser Richtlinien zu pochen. Inwiefern wir uns mit bereits eingereichten Beschwerden beschäftigen werden, müssen wir jetzt dann im Rahmen der Übergabe klären. Langweilig wird uns vermutlich nicht werden.

marktforschung.de: Herr Prof. Wildner, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Dorothee Ragg.

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Veröffentlicht am: 28.06.2016

 

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