Thomas Perry: "Wir kennen kein anderes Marktforschungsangebot, das diese Art von Vernetzungsanalytik betreibt, das Internet segmentiert und die Segmente verlässlich abbildet."

Thomas Perry (Q | Agentur für Forschung)

Thomas Perry (Q | Agentur für Forschung)

Am 21. Juni startet der diesjährige BVM-Kongress in Berlin unter dem Motto "Glaubwürdigkeit, Reputation und Relevanz". marktforschung.de stellt die für den Preis der Deutschen Marktforschung in der Kategorie "Innovationspreis" nominierten Unternehmen und ihre Beiträge vor.

Thomas Perry, Geschäftsführer Q | Agentur für Forschung, spricht im Interview mit marktforschung.de über die nominierte Studie "Bosch Lawn & Garden und Ketchum Pleon: The Virtual Art of Gardening - Einblicke in das europäische Gärtnerweb".

marktforschung.de: Wie kam es zur Entwicklung des Tools?

Thomas Perry: Uns wurde früh klar, dass das Internet für unsere Arbeit und unsere Kunden immer wichtiger wird. Es ist ein integraler Teil der Lebenswelt der Menschen, der Verbraucher, der Bürger. Es ist ein zunehmend wichtiger öffentlicher Raum, in dem die Themen unserer Kunden behandelt und verhandelt werden und der die Meinungen und das Verhalten der Verbraucher maßgeblich beeinflusst. Zudem wurde immer klarer, dass das Internet als Feld betrachtet werden kann, in dem wir Forscher sehr viel von dem finden können, was wir sonst mit anderen Methoden suchen: Das Material für qualitative und quantitative Studien.

Als wir mit der Gründung von Q | Agentur für Forschung begannen, trafen wir zufällig auf einem Esomar-Kongress einen Kollegen von linkfluence in Paris, die mit innovativen Ideen und viel Begeisterung das Internet erforschen. Wir waren sofort fasziniert von deren Ansatz. Also taten wir uns zusammen und entwickelten mit ihrem technischen Know how und unserem Verstand als Forscher Anwendungen und Methoden, um das Internet für die Marktforschung in Deutschland zu nutzen. Die Zusammenarbeit geht jetzt ins vierte Jahr und hat zu einem gemeinsamen Spin-Off, linkfluence Germany geführt.

marktforschung.de: Warum haben Sie entschieden, dieses Tool einzureichen? Was macht das Tool "unique"?

Thomas Perry: Es gibt mehrere Gründe, warum wir diese Studie für den Innovationspreis angemeldet haben:

  • Wir stellen die Anwendung einer Methodik und von Tools vor, die absolut unique sind. Wir kennen kein anderes Marktforschungsangebot, dass diese Art von Vernetzungsanalytik betreibt, das Internet segmentiert und die Segmente verlässlich abbildet.
  • Wir zeigen, dass man im Internet sehr ertragreiche qualitative und quantitative Forschung betreiben kann, die nachvollziehbar und voll auf der Höhe der methodischen Standards unserer Profession ist. Zugleich ist diese Art der Forschung hocheffizient.
  • Uns war aber auch ein Anliegen, funktionierende Zusammenarbeit von klassischer Forschung und neuer Technologie zu zeigen. Derzeit liegen noch Welten zwischen der Social Media-Forschung und der klassischen Marktforschung. Die einen kommen weit überwiegend aus der Technikecke und verstehen die Welt und die Ansprüche der Marktforschung nicht. Die anderen tun sich mit Social Media in jeder Beziehung sehr schwer. Dazwischen gibt es tiefe Gräben und kaum Austausch. Unser Vorgehen ist aber nur deshalb entstanden, weil Marktforscher und Experten für Software und Internet zusammenarbeiten. Das sind sehr verschiedene Perspektiven und Kulturen und wir sind durchaus stolz darauf, dass wir sie zusammenführen konnten.

Schließlich ist die Studie aber auch ein Stück Prozessinnovation. Da ist zum einen die besondere Zusammenarbeit zwischen uns, der Agentur Ketchum Pleon und dem Kunden Bosch. Die Studie sollte sowohl neue Insights schaffen, als auch für die Kommunikation genutzt werden. Wir haben dafür von Anfang an auf Teamwork durch alle Projektphasen gesetzt. Ketchum Pleon war in die Konzeption der Forschung involviert und hat uns durch den Forschungsprozess begleitet. Umgekehrt haben wir bei der Entwicklung und Umsetzung der Kommunikation mitgearbeitet.

Das ist schon sehr ungewöhnlich und hat gezeigt, dass offene und intensive Zusammenarbeit über Branchen- und Zuständigkeitsgrenzen hinweg echten Mehrwert für die Kunden schaffen kann. Wir halten diese Art von Zusammenarbeit für elementar, um in einer immer konvergenteren Welt optimale Ergebnisse zu schaffen. Die Fälle mehren sich nämlich, in denen es nicht mehr reicht, zu forschen und Ergebnisse abzuliefern. Wir meinen, dass man viel mehr daraus machen kann, wenn wir mit unseren Kunden und ihren Agenturen vor und nach der Forschung intensiv zusammenarbeiten, um aus Insights die richtigen Schlüsse zu ziehen und diese erfolgreich umzusetzen. Beratung – was immer das jeweils genau ist – deckt das nicht ab. Es geht dabei um mehr. Es geht um Kollaboration.

marktforschung.de: Welche Rolle spielt die Entwicklung solcher Tools für Ihr Unternehmen?  


Thomas Perry: Als wir Q | gegründet haben, war unsere Motivation nicht ausschließlich kommerzieller Erfolg sondern auch innovativer Ehrgeiz. Wir sind begeisterte Forscher. Wir sind aber auch höchst interessiert an dem, was andere rund um uns herum machen. Deshalb interessieren wir uns ja für Kollaboration. Sowohl mit unseren Kunden und deren Dienstleistern, als auch mit anderen Fachgebieten. Das ist gar nicht so einfach, denn das sind oft ganz unterschiedliche professionelle Welten. Wir sind aber fest davon überzeugt, dass es geht und dass daraus viele neue Ideen und bessere Resultate entstehen. Wenn wir das wollen, können wir darauf natürlich nicht warten. Wir müssen initiativ werden, Angebote machen, Zusammenarbeit probieren, Beispiele realisieren. Schon deshalb ist die Entwicklung von Tools und Methoden, aber auch das Erschließen neuer Gebiete, in denen unsere Expertise hilfreich sein könnte, von großer Bedeutung.

marktforschung.de: Wie groß schätzen Sie Ihre Chancen auf den Titelgewinn ein?


Thomas Perry: Wir sind nun zum zweiten Mal nominiert, bzw. auf der Shortlist. Q | Agentur für Forschung ist ja noch ein relativ junges Unternehmen und für uns ist eine solche Nominierung etwas Sensationelles. Ein paar Wochen vor der Gala ist man noch nicht aufgeregt, aber als wir 2010 im Saal saßen und die Verkündigung nahte, haben wir alle Herzklopfen gehabt. Insofern wären wir dieses Jahr lieber Borussia Dortmund und nicht Bayern München. Aber wir können ja nichts mehr tun, insofern genießen wir und sind gespannt, ob wir den Mafo-Pott in Berlin holen.

marktforschung.de: Herr Perry, wir danken Ihnen für dieses Gespräch!

Der "Preis der Deutschen Marktforschung" wird auf der Gala im Rahmen des BVM-Kongresses am Abend des 21. Juni in der Ullstein-Halle im Axel-Springer-Verlagshaus in Berlin verliehen.

Weitere Informationen zum BVM Kongress und zum Preis der Deutschen Marktforschung finden Sie auf der Website des BVM unter www.bvm.org.

Veröffentlicht am: 19.06.2012

 

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