"Tatsächlich gibt es einige Gemeinsamkeiten zwischen Beratung und Marktforschung"

Interview mit Kathrin Schaarschmidt, SKOPOS

Kathrin Schaarschmidt kommt ursprünglich aus der Unternehmensberatung. Wie sie schließlich zur Marktforschung gekommen ist und welche Gemeinsamkeiten sie zwischen Beratung und Marktforschung sieht, hat sie im Interview verraten.

Kathrin Schaarschmidt, SKOPOS

Kathrin Schaarschmidt, SKOPOS

marktforschung.de: Sie haben zunächst in einer Unternehmensberatung gearbeitet. Was hat Sie schließlich in die Marktforschung geführt?

Kathrin Schaarschmidt: Tatsächlich gibt es einige Gemeinsamkeiten zwischen Beratung und Marktforschung: man muss sich sehr genau mit der Ausgangslage seiner Kunden beschäftigen, den Business Challenges, dem Wettbewerbsumfeld. Das bedeutet u.a. auch die Analyse von Sekundärdaten. Man muss sich strategisch mit dem Kunden auseinandersetzen, was aus meiner Sicht ein Teil jedes Marktforschungsprojektes sein sollte. Ich habe zahlreiche Workshops und Expertengruppen mit unterschiedlichen Stakeholdern aus Politik und Wirtschaft moderiert – eine Grundlage, die mir bei qualitativen Forschungsprojekten immer noch zugutekommt. Als Insights Manager bei einer Londoner Marketing- und Promotionsagentur habe ich dann meine Leidenschaft für die Markt- und Konsumentenforschung entdeckt. Dabei bin ich geblieben und mir ist bis heute nicht langweilig geworden.

marktforschung.de:
Welche Forschungsbereiche interessieren Sie besonders?

Kathrin Schaarschmidt: Meine Fähigkeiten und Vorlieben liegen in der qualitativen Forschung. Ich finde es einfach spannend, in direkten Kontakt mit Zielgruppen zu treten und letztendlich die individuellen Bedürfnisse und Erwartungen an Konzepte oder Produkte zu verstehen. Bei Skopos Research arbeite ich mit Kunden aus den Branchen Tourismus, FMCG und Retail an ihren Fragestellungen rund um Ihre Kunden und Zielgruppen: vom Markenimage bis zum Produkttest. Darüber hinaus interessiert mich die Trend- und Zukunftsforschung.

marktforschung.de: In welcher Form haben Sie in Ihr Fortkommen/Ihre Weiterbildung investiert?

Kathrin Schaarschmidt: Weiterbildung kann auf unterschiedliche Art- und Weise stattfinden. Natürlich habe ich Weiterbildungen in Fachkompetenzen erhalten, die meine Fähigkeiten vertieft oder erweitert haben. Ich hatte das Glück, dass ich immer für Unternehmen gearbeitet habe, die in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter investieren. Allerdings bin ich ein großer Fan des sogenannten Peer-to-Peer-Learnings: Ich habe viel durch den direkten Austausch mit Kollegen, Kunden und Peers aus meinem Arbeitsumfeld gelernt. Dazu muss man kollaborieren und auf Menschen zugehen, sich mit ihnen austauschen. Man könnte das auch als Netzwerken beschreiben ;) Bei Skopos haben wir Strukturen entwickelt, die den Austausch zu neuen Methoden und Tools im Team beschleunigen und das Lernen und Anwenden einfach gestalten.

marktforschung.de: Gab es eine Person, die Sie bei Ihrem Werdegang gefördert hat? Vielleicht sogar eine(n) Mentor/-in? Oder ein Vorbild?

Kathrin Schaarschmidt: Zwei Vorbilder, eine gute Freundin aus England, Director of Legal and Regulatory Policy bei der Law Society, und meine Cousine, Founder des Learning Labs bei der innogy consulting. Sie sind Vorbilder für mich, da sie als Frauen und Mütter ihren Karriereweg zielstrebig verfolgt haben und Veränderungen in ihrem Arbeitsumfeld bewegen.

marktforschung.de: Sind Sie Mitglied in einem Netzwerk? Ihr Tipp, um Netzwerke wirklich effektiv zu nutzen?

Kathrin Schaarschmidt: Ich finde, dass wir heute in zahlreichen Netzwerken Mitglied sind, ohne dass dies offizielle Netzwerke sind. Sei es die Kita, die Schule, der Sportverein, die Kollegen, die Kunden… Netzwerke entstehen aus der Kooperation und der gegenseitigen Unterstützung von Menschen mit gleichen oder ähnlichen Interessen – ein Zusammenschluss mit Benefits. Also ja, ich bin Teil von Netzwerken. Ich nutze u.a. LinkedIn für meine beruflichen Netzwerke. Die Plattform ist sehr international. In England hat LinkedIn quasi den klassischen Lebenslauf abgelöst: Für Recruiter zählt das Profil im Netzwerk, die Kontakte und die Beträge, die man selber veröffentlicht. Außerdem ist es für jeden zugänglich und erspart einem das Hin- und Herschicken von Lebensläufen und Zeugnissen. Wer liest das heute noch?

marktforschung.de: Hatten sie jemals das Gefühl, als Frau eine Sonderbehandlung zu bekommen – sei es positiver oder negativer Natur?

Kathrin Schaarschmidt:
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein ehemaliger Vorgesetzter in England auf die Schwangerschaft mit meinem ersten Kind persönlich enttäuscht reagiert hat. Für ihn war meine Entscheidung für ein Kind gleichzeitig eine Entscheidung gegen meine Karriere. Ich habe mich dann nach meiner Elternzeit für ein anderes Unternehmen entschieden, u.a. auch deshalb, weil man mir dort ein Arbeitsmodell angeboten hat, was die Vereinbarkeit von Beruf und Familie möglich machte, als meine Tochter noch sehr klein war.

marktforschung.de: Haben Sie schon Erfahrung gemacht mit der berühmten Stutenbissigkeit, die Frauen gerne unterstellt wird?

Kathrin Schaarschmidt: Stutenbissigkeit habe ich schon erlebt, allerdings von Männern wie Frauen. Aus meiner Sicht verbirgt sich hinter stutenbissigem Verhalten oft Unsicherheit in Bezug auf die eigene Position – mit Mann oder Frau hat das wenig zu tun. In meinem Arbeitsumfeld, damals, wie heute, erlebe ich einen starken Zusammenhalt in der Zusammenarbeit mit Frauen. Ich glaube Stutenbissigkeit ist nicht mehr zeitgemäß.

marktforschung.de: Was ist Ihnen neben der Arbeit besonders wichtig? Und wie bringen Sie es mit dem Job unter einen Hut?

Kathrin Schaarschmidt: Zeit mit meiner Familie. Meine Kinder sind 6 und 4 Jahre alt. Die halten mich auf Trab. Am Wochenende möchte ich jede freie Minute mit ihnen verbringen – die werden nämlich schnell groß. Ich versuche ein bis zweimal die Woche zum Yoga zu gehen. Dort kann ich mich mental entspannen und etwas für meine Fitness tun. Wenn ich nicht gerade Gruppen moderiere, sitze ich doch viel am Schreibtisch...

marktforschung.de:
Wo holen Sie sich neue Inspirationen für den Job?

Kathrin Schaarschmidt: Austausch mit Kollegen und Freunden, Netzwerke wie LinkedIn, Reisen – es ist immer wieder total erfrischend zu sehen, wie die Arbeitskulturen in anderen Ländern gestaltet werden.

marktforschung.de: Jeder hat mal einen schlechten Tag. Wie stärken Sie sich in solchen Momenten selbst?

Kathrin Schaarschmidt: Sehr britisch mache ich mir bei schlechter Laune eine "good cup of tea" und denke nach. Wenn das nicht hilft, gehe ich eine Runde joggen und höre dazu Billy Idol.

Das Interview führte Ulrike Schäfer.

Zur Person:

Kathrin Schaarschmidt arbeitete nach dem Soziologiestudium in Bonn u.a. bei den Beratungsunternehmen JSB Beratung und VKL. In London begann sie im Bereich Consumer Research, Trends und Strategy, u.a. beim Corporate Executive Board (CEB, heute Gartner) ihre Laufbahn in der Konsumenten- und Marktforschung.

Veröffentlicht am: 18.12.2018

 

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