Sehen wir uns in München?

Interview mit Simone Waller-Klink und Heinrich Fischer, succeet GmbH

Wird die Präsenzmesse der Marktforschung Ende Oktober in München stattfinden können? Wie zufrieden waren die Ausrichter mit der ersten virtuellen Messe? Auf was dürfen sich die Marktforschenden in München freuen? Diese und weitere Fragen beantworten die succeet Geschäftsführer Simone Waller-Klink und Heinrich Fischer.

Besucher einer Marktforschungsmesse
Wird die succeet21 Ende Oktober in München in Präsenz stattfinden?

Die erste virtuelle succeet hat stattgefunden: Wie zufrieden sind Sie?

Simone-Waller-Klink: Wir sind mehr als zufrieden, unsere Erwartungen wurden klar übertroffen. Die Messe wurde sehr gut angenommen, sowohl von den Ausstellern, als auch von den Besuchern. Bei beiden haben wir unsere Planzahlen deutlich übertroffen. Mit über 80 Ausstellern und etwa 2.700 Teilnehmern haben wir mitten auf dem Peak der dritten Corona-Welle der Branche ein Gesicht gegeben und sind unserem Anspruch „Die neue Leitmesse der Insights Industry“ gerecht geworden. Das stimmt uns hoffnungsfroh und motiviert uns für den nächsten wichtigen Schritt – die Präsenzmesse im Oktober.

Wie war das Feedback der Aussteller?

Heinrich Fischer: Es war ja ein ganz neues Format und für alle spannend, wie es funktionieren wird. Wir haben überwiegend positives Feedback erhalten nach dem Motto „das Beste, was man derzeit virtuell erreichen kann“. Sowohl das Format mit vielen Innovationen als auch unsere Organisation wurden sehr gelobt, allerdings gab es auch gemischtes Feedback bezüglich der Übersichtlichkeit der technischen Plattform. Auch waren sich alle einig, dass ein virtuelles Event nicht eine Präsenzmesse ersetzen kann. Wir alle freuen uns auf das „Klassentreffen“ im Oktober.

Wie war die Resonanz der Besucher?

Simone-Waller-Klink: Auch hier haben wir ein ganz ähnliches Bild und viel positives Feedback erhalten, insbesondere über die gebotene Vielfalt an Information, um sich in diesen kontaktarmen Zeiten auf dem aktuellen Wissensstand zu halten. Auch von den Besuchern wurde die gute Organisation gelobt, und anerkannt, was wir aus den technischen Möglichkeiten gemacht haben.

Die hohe Besucherresonanz lässt sich auch an den durchaus eindrucksvollen Besucherzahlen erkennen: So gab es über die gesamte Laufzeit der virtuellen Messe insgesamt über 6.400 Vortragsbesuche und nahezu 20.000 Standbesuche. Relativ wenig wurden von den Besuchern allerdings unsere Zusatzangebote, wie das Matchmaking und die virtuelle Lounge genutzt. Von den internationalen Besuchern wurden diese goutiert, aber in Deutschland scheinen solche Formate insgesamt noch nicht sehr bekannt zu sein, obwohl sie technisch richtig gut funktioniert haben. Das war aus unserer Sicht sehr schade, insbesondere weil es von allen, die diese Funktionen genutzt haben, ein positives Feedback gab.

Welche Verbesserungsfelder haben Sie für zukünftige virtuelle Messen erkannt?

Heinrich Fischer: Leider mussten wir feststellen, dass die von uns eingesetzte digitale Plattform nicht alle unsere Anforderungen erfüllen konnte und wir haben deshalb zusätzliche Tools integriert. Beispielsweise haben wir einen Schwerpunkt auf die effiziente Suche, Vernetzung und Interaktion zwischen Besuchern und Ausstellern gelegt. Wir wollten diesen Dialog bestmöglich unterstützen und haben funktional alles angeboten, was derzeit technisch möglich ist. Allerdings gibt es diese Funktionen noch nicht in einer Plattform integriert. Und die Benutzung ist auch nicht so intuitiv wie wir uns das vorgestellt haben. Das wesentliche Verbesserungspotential sehen wir deshalb in der Integration aller dieser zusätzlichen Funktionen in die digitale Messeplattform und eine Verbesserung der intuitiven Menüführung. Sicherlich können wir auch noch die Kommunikation mit den Besuchern verbessern.

In dem Feedback, das die Redaktion zur virtuellen succeet erhalten hat, wurde häufig auch der Wunsch geäußert, sich im Oktober in München treffen zu können. Wie zuversichtlich sind Sie aktuell, dass die succeet Ende Oktober live und vor Ort stattfinden wird?

Simone Waller-Klink: Die Präsenzmesse wird Ende Oktober 2021 stattfinden: vor Ort, live und in Farbe – davon gehen wir aufgrund der steigenden Impfquote zu 100 Prozent aus.

Beim Impffortschritt nutzen wir den Impfsimulator des Zentralinstituts der kassenärztlichen Versorgung. Dieser wird laufend mit den neuesten offiziellen Daten gefüttert und prognostiziert aktuell eine vollständige Durchimpfung bis zum 19.09.21 in Deutschland. Und dabei ist die Zulassung des neuen Impfstoffes Curevac, die im Juni/Juli erwartet wird, noch gar nicht berücksichtigt.

Und auch in der EU, Großbritannien und den USA sind wir ähnlich weit: auch in diesen Ländern wird Ende Oktober der Impfschutz so hoch sein, dass unsere Messe kein nennenswertes Risiko mehr darstellt. Zusätzlich wird es vor Ort sicherlich Testmöglichkeiten durch geschultes Fachpersonal geben.

Können Sie bereits etwas zu einem möglichen Hygiene-Konzept sagen? Werden nur Doppelt-Geimpfte die Messe besuchen dürfen? Wird es verpflichtende Tests am Eingang geben?

Simone Waller-Klink: Die Messe München hat ein ausführliches und wirksames Schutz- und Hygienekonzept vorgestellt, das auch für das MOC Veranstaltungscenter gilt. Hier können nur die wichtigsten Stichpunkte genannt werden: Abstandswahrung, Zugangskontrollen, Begrenzung der Personenanzahl in den Messehallen und den Konferenzräumen, Belüftung, Hygiene und Besucherführung an den Messeständen, Besuchertracking. Dieses Konzept kann auf der Website der Messe München eingesehen werden. Eine entsprechende Information an alle unsere Aussteller ist in Vorbereitung.

Wir gehen davon aus, dass nur vollständig geimpfte oder durch Genesung immunisierte Aussteller und Besucher Zutritt zur Messe erhalten und dies durch einen entsprechenden Nachweis dokumentieren müssen. Ersatzweise kann man aber auch durch Vorlage eines aktuellen und negativen Schnelltest die Erlaubnis zum Besuch der Messe bekommen. Die Schnelltests werden wir auch vor Ort anbieten. Die konkreten Vorschriften dazu stehen jedoch noch aus.

Die Nürnberger und Leipziger Messen haben bereits Präsenzmessen für Oktober 2021 angekündigt. Wie ist der aktuelle Stand beim MOC in München?

Heinrich Fischer: Auch die Messe München gibt uns für die Durchführung unserer Präsenzmesse ein klar positives Signal. Mitte Mai 2021 wurde im bayerischen Ministerrat beschlossen, dass „bei einer anhaltend günstigen Entwicklung des Infektionsgeschehens eine allgemeine Wiederaufnahme des Messebetriebs spätestens zum 1. September 2021 möglich sein dürfte".

Die Dmexco findet voraussichtlich als Hybrid-Konzept statt. Gibt es diesbezüglich auch Überlegungen bei der succeet?

Simone-Waller-Klink: In der Tat beschäftigen wir uns mit zusätzlichen virtuellen Elementen, legen den Schwerpunkt jedoch ganz klar auf das Präsenzerlebnis. Diesen Wunsch haben wir aus der virtuellen succeet21 im April von allen Teilnehmern mitbekommen, und den wollen wir auch umsetzen. Denkbar ist es, die Vorträge auf der Messe in zusätzliche Räume zu streamen und/oder am Stand des Ausstellers zu übertragen. Auch eine Übertragung ins Internet wäre überlegenswert, um ausländischen Besuchern, welche aufgrund von Reiseeinschränkungen nicht vor Ort sein können, die Möglichkeit der Teilnahme zu ermöglichen. Wir sind aber noch mitten in der Planung was diesbezügliche Überlegungen anbelangt.

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Welche Neuerungen wird es im Vergleich zur letzten Marktforschungsmesse 2019 geben?

Heinrich Fischer: Hier möchten wir zunächst nochmals den Blick auf die Ausgangslage lenken, nämlich auf die Herausforderung in der Corona-Pandemie die Fortsetzung einer Marktforschungsmesse zu gewährleisten. Dazu haben wir ein hybrides Konzept entwickelt, das grundsätzlich schon einmal neu war: um dem Aussteller den zu erwartenden Besucherrückgang einer Präsenzmesse zu kompensieren, haben wir eine komplette virtuelle Messe in das Ausstellerpaket kostenlos inkludiert. Der Aussteller hat einen Teil der zu erwartenden Leads – die wie oben erwähnt nicht unerheblich waren – also bereits erhalten.

Im Oktober geht es darum, trotz Einschränkungen ein Optimum an persönlicher Begegnung zu ermöglichen. Dies ist uns durch eine weitere konzeptionelle Neuerung gelungen, nämlich durch den Umzug in Halle 4 des MOC Veranstaltungscenter und die damit verbundene Nutzungsmöglichkeit der größeren Konferenzräume in Atrium 4, die es uns überhaupt erst erlauben, corona-konforme, 30-minütige Live-Vorträge anbieten zu können.

Ein absolut neues Präsentationsformat sind außerdem die 45-minütigen Intensiv-Workshops, die in den kleineren Konferenzräumen abgehalten werden können. Neu ist auch die Möglichkeit für Aussteller, einen Besprechungsraum für ein individuelles Programm zu buchen.

Ein Novum stellt auch die Auswahl der Besucher der Live-Präsentationen und Intensiv-Workshops dar: Die Entscheidung darüber, wer den einzelnen Vortrag besuchen kann, trifft der Aussteller selbst und nicht mehr der Veranstalter.

Die Branche dürstet nach Nähe: Wird es voraussichtlich auch eine Messe-Party o.ä. geben?

Simone-Waller-Klink: Es wird sicher eine Abendveranstaltung geben, aber welche Form diese annimmt, das müssen wir sehr zeitnah – auf Basis einer sorgfältigen Risikobewertung – entscheiden. So sehr wir uns das wünschen, aber eine rauschende Party wie zu den besten Zeiten der RR können wir uns aktuell noch nicht vorstellen. Bis zum Spätsommer haben wir aus einigen Ländern (z.B. Großbritannien, Israel, USA) sicher die nötige Datenbasis, um diese Entscheidung verantwortungsvoll und sicher treffen zu können. Vielleicht bieten wir auch zwei parallele Veranstaltung an und überlassen die Entscheidung den Messeteilnehmern.

Wie sind die aktuellen Überlegungen zum Rahmenprogramm?

Heinrich Fischer: Die Überlegungen zum Rahmenprogram sind derzeit in vollem Gange, aber noch nicht abgeschlossen.

Fest steht, dass es ein zusätzliches Begleitprogramm geben wird, dass wir gemeinsam mit unserem Mitgesellschafter marktforschung.de auf die Beine stellen werden. Voraussichtlich wird es zwei Podiumsdiskussionen geben – an jedem Messetag eine.

Geplant ist außerdem das Messe-Schwerpunkt-Thema Customer Experience (CX) mit Live-Präsentationen in einem eigenen Konferenzraum. Details dazu werden wir in Kürze vorstellen.

Einen hohen Stellenwert werden wir den Start-Ups geben, die die Innovationsfähigkeit der Branche demonstrieren und sicherlich bei den Besuchern auf hohes Interesse stoßen.

Nicht zuletzt wollen wir auch das Thema Recruiting aufgreifen, um dem Fachkräftemangel und dem Mangel an Nachwuchskräften entgegenzuwirken. Hier gibt es Überlegungen, eine zusätzliche digitale Plattform miteinzubeziehen, die den Austausch zwischen Arbeitgebern und Bewerbern erleichtern wird.

Zu den Personen

Heinrich Fischer und Simone Waller-Klink sind beide Geschäftsführer und Mitinhaber der succeet GmbH, der neuen Fachmesse der Insights Industry.

Heinrich-Fischer, succeet GmbH
Der empirische Kommunikationsforscher Heinrich Fischer hat jahrzehntelange Erfahrung in den Bereichen Marktforschung, Mediasales, Marketing, Werbung, Unternehmensführung, Verlagswesen und Messeveranstaltung. Zuletzt war er Managing Partner und Mitbegründer der früheren Marktforschungsmesse Research & Results.

Simone Waller-Klink, succeet GmbH
Simone Waller-Klink möchte mit ihrer 30jährigen Erfahrung in Konzernen und als Unternehmerin im Bereich Design, Kommunikation und Event-/Messemanagement Menschen zusammenbringen, Netzwerke aufbauen und "magic moments" gestalten. Auch sie war über 10 Jahre lang für die Fachmesse Research & Results im Bereich Sales, Konzeptentwicklung, Planung und Messeorganisation tätig.

/jr

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