Professor Dr. Andreas Knie: "Mobilität ist eigentlich etwas, das im Kopf stattfindet"

Professor Dr. Andreas Knie ist Hochschullehrer für Soziologie an der TU Berlin sowie Geschäftsführer des Innovationszentrums für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ). Im Interview mit marktforschung.de äußert er sich zum Themenschwerpunkt des BVM-Kongresses 2009, den verschiedenen Facetten moderner Mobilität. Die Fragen für marktforschung.de stellte Sabrina Gollers.

Das Interview können Sie hier als Video abrufen.

marktforschung.de: Im Interview haben wir jetzt Professor Andreas Knie, den Geschäftsführer vom InnoZ in Berlin. Herzlich willkommen, Herr Knie. Sie sind einer der führenden Mobilitätsexperten, und das große Thema des Kongresses ist ja Mobilität. Was bedeutet es denn für Sie, mobil zu sein?

Andreas Knie: Experten für Mobilität sind wir alle, weil wir doch alle glauben, mobil zu sein. Mobilität ist eigentlich etwas, das im Kopf stattfindet – Beweglichkeit im Kopf. Und das, was auf der Straße läuft, nennt man eigentlich Verkehr. Deswegen sind wir hoffentlich alle mobil.

marktforschung.de: Was ist denn das Mobilste an Ihnen?

Andreas Knie: Dass man immer flexibel bleibt, immer neu denkt, sich quasi immer wieder neu erfindet.

marktforschung.de: Wie werden sich denn die Menschen in Zukunft fortbewegen? Was gibt es da für Trends in der Mobilität?

Andreas Knie: Sie werden sich auf jeden Fall weiter fortbewegen. Wir haben eine Globalisierung, wir haben eine demografische Gesellschaft, die von Teilhabe lebt. Teilhabe heißt: man muss sich bewegen. Wir haben heute morgen auch in den Vorträgen gehört, dass man, wenn man aufsteigen will, sich gesellschaftlich bewegen muss. Das heißt, die Beweglichkeit der Menschen wird weiter wichtig sein. Sie wird allerdings nicht mehr zu dem Preis zu haben sein, den wir jetzt zahlen. Das heißt, die Beweglichkeit, der Verkehr wird extrem teurer. Und da werden wir sehr viele Probleme haben. Da müssen wir uns auch dort neu erfinden, wir müssen neue Ressourcen suchen, wir müssen neue Angebote entwickeln, um eben auch möglichst viele eben dauerhaft verkehrlich unterwegs haben zu können.

marktforschung.de: Wie unterscheidet sich da Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern in der Mobilität?

Andreas Knie: Deutschland unterscheidet sich da gar nicht so weit. Wir sehen sogar, dass in Zeiten des Internets Trends sich sehr stark angleichen. Das, was Sie in Shanghai haben, das haben Sie auch in Peking natürlich, aber auch gleichzeitig in Berlin, in London und in Paris - die Entwicklungen sind überall gleich. Wir haben in Deutschland natürlich ein paar Besonderheiten: wir haben ein sehr, sehr gut ausgebautes, öffentliches Personennetz - das hat praktisch keiner so. Wir haben allerdings auch nicht so viele Probleme - wenn Sie in London, in Paris sitzen, wenn Sie in Shanghai sitzen, wenn Sie in Los Angeles sitzen, haben Sie einen größeren Problemdruck, und es kann sein, dass aufgrund des größeren Problemdrucks die Zukunftslösungen dann eher in diesen großen Metropolen stattfinden.

marktforschung.de: Gibt es da zukünftig auch Unterschiede zwischen Männern und Frauen?

Andreas Knie: Ja, die gleichen sich erstaunlicher Weise an. Es gab lange Zeit im Verkehr natürlich sehr große Unterschiede - Männer hatten Führerschein, Frauen fuhren mit. Das hat sich aber aufgelöst. Es haben jetzt zum Beispiel praktisch gleich viele Frauen wie Männer einen Führerschein, und wir beobachten sogar zurzeit eine viel höhere Beweglichkeit der Frauen. Man könnte sagen, dass Frauen zurzeit also nicht nur verkehrlich, sondern möglicherweise auch gesellschaftlich viel beweglicher sind.

marktforschung.de: Sie forschen über umweltschonende Mobilitätslösungen wie Elektroautos oder Car-Sharing. Wie nachhaltig ist Ihrer Meinung nach der Trend zur Nachhaltigkeit?

Andreas Knie: Also der wird nachhaltig bleiben – das Thema Umwelt, Klimawandel ist seit den achtziger Jahren auf der Agenda, und es ist keinen Deut verschwunden, es ist sogar immer wieder auf der Agenda hoch gerutscht, und das liegt auch daran, weil die Probleme mit den fehlenden Ressourcen für das, was wir verbrauchen, einfach so deutlich sind, dass das immer auf der Agenda bleibt. Es wird kein Trend sein, es wird eine für uns in der Zukunft, in den nächsten Jahrzehnten ständig begleitende Frage sein.

marktforschung.de: Also die Zukunft ist grün?

Andreas Knie: Die Zukunft muss grün werden, sonst wird sie schwarz.

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Veröffentlicht am: 03.06.2009

 

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