Prof. Klaus Bochmann: "Der ausschlaggebende Grund, gerade an Maritz zu verkaufen, war deren Firmenkultur"

Prof. Klaus Bochmann (Bildquelle: Maritz Research)
Prof. Klaus Bochmann (Bildquelle: Maritz Research)

Maritz Research hat heute die vollständige Übernahme der IMAGIN AG bekannt gegeben. Aus diesem Anlass stand Prof. Klaus Bachmann, Vorstandsvorsitzender und Gründer der IMAGIN, marktforschung.de zum Interview zur Verfügung. Im Gespräch äußert er sich zu den Hintergründen des Mergers. 

marktforschung.de: Herr Prof. Bochmann, zunächst ganz herzlichen Dank, dass Sie uns so kurzfristig zum Interview zur Verfügung stehen. Was waren für Sie die Gründe, Ihr Unternehmen nicht wie bisher weiterzuführen, sondern durch Verkauf neu aufzustellen?

Prof. Klaus Bochmann: Das waren hauptsächlich zwei Gründe: Erstens wird es mit nahezu 70 Jahren Zeit, die Nachfolgefrage zu lösen. Diese Lösung sollte einen klaren Schnitt darstellen.

Zweitens sollte die Nachfolge so gelöst werden, dass das Defizit der IMAGIN behoben wird. Und das ist die fehlende internationale Plattform. Inhaltlich sind wir gut aufgestellt. Wir beherrschen alle Aspekte des Stakeholder-Feedback-Managements. Aber wenn es darauf ankommt, glaubwürdig die Anforderungen globaler Kunden zu erfüllen, haben wir ein Problem. In der Vergangenheit haben wir die Lücke durch die Kooperation mit internationalen Partnern geschlossen. Mit Maritz haben wir jetzt aber eine dauerhafte Lösung.

marktforschung.de: Gab es diese Überlegungen schon länger?

Prof. Klaus Bochmann: Die Überlegungen sind über einen längeren Zeitraum gereift. Eine familiäre Nachfolge schloss sich im Laufe der Zeit aus. Und sie hätte, wie beispielsweise auch ein Management-Buy-out oder der Verkauf an einen Finanzinvestor, das Plattform-Problem der IMAGIN nicht gelöst.

marktforschung.de: Sie haben Ihr Unternehmen nun zu 100 Prozent verkauft. Gab es zuvor auch Überlegungen, selbst zuzukaufen oder mit einen Partner für einen "Merger of Equals" zu suchen?

Prof. Klaus Bochmann: Nein, ein Zukauf kam nicht in Frage. Dadurch wäre ich ja nicht jünger geworden. Ein Merger of Equals hätte die IMAGIN vielleicht verdoppelt, aber nicht globalisiert.

marktforschung.de: Was waren die ausschlaggebenden Kriterien für den Verkauf an Maritz?


Prof. Klaus Bochmann: Der ausschlaggebende Grund, gerade an Maritz zu verkaufen, war deren Firmenkultur. Bei Maritz treffen wir auf ein Familienunternehmen mit einer langfristigen inhaltlichen Perspektive. So hat auch die IMAGIN selbst in der Vergangenheit und bis heute agiert. Daher passen wir zueinander.

Zudem ergeben sich durch die Aufstellung von Maritz in Europa und Asien für die IMAGIN in allen Sektoren Wachstumschancen. Das eröffnet unseren Mitarbeitern attraktive berufliche Entwicklungs-Chancen. Und darauf, gekoppelt mit der Kultur, kommt es im Peoples’ Business doch an.

marktforschung.de: Welche Rolle hat bei der Transaktion externe Unterstützung gespielt?

Prof. Klaus Bochmann: Ohne externe Unterstützung wäre die Transaktion nicht zustande gekommen. Mit Lars Watermann haben wir einen M&A Berater gefunden, der mit Umsicht und Erfahrung unsere Optionen bewertet, sie mit Nachdruck verfolgt und die beste realisiert hat. Dabei ist er selbst eigene Risiken eingegangen. Da ich selbst Unternehmer bin, hat mir das gut gefallen.

marktforschung.de: Erwarten Sie, dass sich durch den Merger die Kultur in Ihrem Unternehmen verändert?

Prof. Klaus Bochmann: IMAGIN und Maritz haben eine ähnliche Kultur: kundenorientiert, innovativ sowie unternehmerisch denkend und handelnd. Das gilt nicht nur für Steve Maritz und das erweiterte Management in USA, sondern insbesondere für Stephan Thun, der vor einigen Jahren sein Hamburger Institut an Maritz veräußerte und bis heute mit Freude und Erfolg an Bord ist.

Ganz sicher stellt uns der Merger vor Herausforderungen. Aber es wäre töricht, die Chancen zu vertun, die sich eröffnen, wenn ein Partner mit starken Inhalten auf einen zweiten Know-how-Träger trifft, der zudem global aufgestellt ist. Wir haben uns fest vorgenommen, die Skalierbarkeit unserer Lösungen zu steigern, um noch schneller global voranzukommen. Daher wird die Kultur in unseren Unternehmen noch unternehmerischer werden, als sie es bisher schon ist.

Mindestens belegen die ersten Gespräche, dass die Mitarbeiter beider Gesellschaften den Zusammenschluss als Chance sehen. Unsere Kulturen waren vom Anfang an ähnlich. Unsere beiden Unternehmen wachsen rasch. Da gibt es keinen Grund, Risiken zu befürchten, die in anderen Fällen solche Vorhaben oft überschatten.

marktforschung.de: Herr Prof. Bochmann, vielen Dank für das Gespräch!

Veröffentlicht am: 06.09.2011

 

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