Neue Führungsebene bei SKOPOS: Olaf Hofmann und Thomas Starsetzki im Interview

Olaf Hofmann, Thomas Starsetzki (SKOPOS)
Olaf Hofmann, Thomas Starsetzki (SKOPOS)

Zu Jahresbeginn gab es Veränderungen in der Führungsebene bei SKOPOS: Der langjährige Geschäftsführer Marcus Dreyer schied aus dem Amt. Zur künftigen Ausrichtung des Unternehmens sowie den aktuellen Chancen und Herausforderungen für die Marktforschungsbranche äußern sich die beiden Geschäftsführer Olaf Hofmann und Thomas Starsetzki im Interview mit marktforschung.de.

marktforschung.de: Herr Hofmann, Herr Starsetzki, zu Beginn des Jahres ist Marcus Dreyer, Ihr langjähriger Geschäftsführerkollege bei SKOPOS aus dem Amt ausgeschieden. Welche organisatorischen Konsequenzen hat das für Ihr Unternehmen? Werden Sie den Posten von Herrn Dreyer neu besetzen?

Olaf Hofmann: Wir haben die Unternehmensleitung bei SKOPOS im Zuge des Weggangs von Herrn Dreyer umstrukturiert. Formal sind zwar Herr Starsetzki und ich weiterhin Geschäftsführer, drei langjährige und verdiente Führungskräfte von SKOPOS übernehmen aber wichtige Ressorts. Ich freue mich Ihnen mitteilen zu können, dass Herr Jan Berlin in Zukunft dafür sorgen wird, unsere internen Produktions- und Forschungsprozesse weiter zu optimieren. Herr Torsten Bischoffstrate verantwortet ab sofort den Bereich Human Resources und Dr. Olaf Wenzel zeichnet von nun an für Marketing und Produktentwicklung bei SKOPOS verantwortlich. Dieser aus fünf Personen bestehende Management Circle bildet von nun an die oberste Leitungsebene bei SKOPOS.

marktforschung.de: Herr Dreyer verantwortete die Mystery Shopping-Tochter SKOPOS NEXT. Wie wird dieser Unternehmensbereich künftig aufgestellt sein?

Thomas Starsetzki: Innerhalb der Geschäftsführung der SKOPOS NEXT habe ich die Gesellschaft bisher operativ geführt und Herr Dreyer vertrieblich. Dieser vertriebliche Teil wird jetzt ebenfalls durch mich abgedeckt. Da der Bereich POS-Analyse und –Optimierung einer der am schnellsten wachsenden Bereiche bei SKOPOS ist, freue ich mich, dass Frau Doris Druga, die als Teamleiterin die NEXT seit mehreren Jahren erfolgreich voran bringt, mich nun auch beim Vertrieb unterstützt. Durch die neue Struktur bei SKOPOS verfüge ich nunmehr über den notwendigen Freiraum, SKOPOS NEXT gezielt strategisch und inhaltlich weiter zu entwickeln.

marktforschung.de: Herr Hofmann, Sie selbst gehören zu den Gründern von SKOPOS. Was waren aus Ihrer Sicht die signifikantesten Veränderungen in der Marktforschung seit der Institutsgründung 1995?

Olaf Hofmann: Das ist nun schon 18 Jahre her und die Welt - auch die Welt der Marktforschung - ist in vielen Bereichen eine andere, z.T. eine grundlegend andere geworden. Ein roter Faden, der in fast allen Änderungen sichtbar ist, ist die Digitalisierung aller Prozess-Schritte der Marktforschung. Die Digitalisierung schuf u.a. eine Auffächerung des Methodenspektrums. Die Fragestellungen, die an uns herangetragen werden, haben sich nicht fundamental verändert, die Möglichkeiten, diese Fragen sinnvoll zu beantworten haben sich aber innerhalb der letzten 15 Jahre enorm ausgeweitet. Nicht alle diese methodischen Möglichkeiten sind immer angemessen und man muss als Full-Service Institut viel mehr noch als früher selektieren, Kunden beraten, Kunden sogar führen, Mitarbeiter schulen, selbst Innovationen vorantreiben. Hier mitzuhalten ist nicht immer einfach, aber ich denke, der Erfolg der letzten Jahre gibt uns Recht, mit unserem Prinzip elegant zu sein - aber nicht modisch. Wir bleiben in Rufweite der Mode und laufen nicht jedem auch noch so unsinnigen Trend hinterher. Das ist für uns und unsere Kunden viel besser.

marktforschung.de: Themen wie "Mobile", "Social Media" und "Big Data" gehören schon seit längerem zu den Trend-Themen in der Branche. Worin sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen?

Olaf Hofmann: Aktuell beobachten wir, wie sich Prozesse der Datengenerierung und Prozesse des Reportings immer stärker verzahnen. Das liegt auch daran, dass zunehmend alle Informationen in digitaler Form vorliegen und gleichzeitig die technischen Möglichkeiten immer ausgefeilter werden. Der Trend geht hier in Richtung Echtzeit-Reporting und kontinuierliches Monitoring. Das entfernt sich zunehmend von klassischer Marktforschung, bei der Projekte nach immer dem gleichen Muster abgewickelt werden: Erst Datenerhebung, dann Auswertung, dann Reporting, dann Ende des Projektes. Hier ist die größte Herausforderung, als Institut nicht nur mit der technischen Entwicklung Schritt zu halten, sondern vor allem, unseren Kunden dazu zu bewegen, sich gedanklich mit unseren Ergebnissen und Erkenntnissen wirklich auseinanderzusetzen. Schöne, schnelle, bunte Online-Diagramme können nun einmal Umdenkprozesse im Unternehmen nicht ersetzen, sie können sie nur erleichtern.

Thomas Starsetzki: Ein weiterer Trend ist die permanente Sammlung und Aufbereitung von Daten ohne spezifischen Auftrag. Also die Schaffung von Datenbeständen, die spezifische Analysen auf Anfrage ermöglichen. Hier gilt es zu erkennen, welche Datengrundlagen in Zukunft wichtig für  Entscheidungsträger sein werden. Dies funktioniert nur in engem Kontakt mit unseren Auftraggebern.

marktforschung.de: SKOPOS ist als Institut ja generell sehr breit aufgestellt. Gibt es bestimmte Branchen, die aus Ihrer Sicht derzeit für Marktforscher besonders interessant sind?

Olaf Hofmann: Aus unserer Sicht sind natürlich immer die Branchen besonders interessant, die sich aufgrund verändernder technologischer, gesellschaftlicher oder politischer Rahmenbedingungen im Umbruch befinden. Dadurch entsteht naturgemäß ein erhöhter Bedarf an gesicherten Informationen und damit in Verbindung stehender Beratung. Als Beispiel sei hier die Medienbranche genannt, die gerade im Bereich Print vor massiven Herausforderungen steht. Oder auch die Automobilindustrie, die sich mit alternativen Antrieben oder Car Sharing auseinandersetzen muss. Hier ist viel forscherische Begleitung notwendig.

Thomas Starsetzki: Auch die Energiebranche befindet sich in einem massiven Veränderungsprozess. Der politische Wille ist, auf erneuerbare Energien  umzustellen und Verbraucher dazu zu bewegen, z.B. Strom zu sparen. Aber wie genau gelingt das? Wie verändert man Verbraucherverhalten nachhaltig?  Spannende Fragen für uns Marktforscher. Wir beobachten auch zunehmend ein Verschwimmen von Branchengrenzen, oder anders formuliert, das in den Vordergrund rücken von Fragestellungen, statt Branchen: Elektroautos, Car-Sharing vs. Individualmobilität, Elektroladestationen, Automobilhersteller, Verkehrsdienstleister, Energieunternehmen, Telekommunikationsunternehmen. Alles ist miteinander vernetzt, alle sind von der gleichen Herausforderung betroffen, allen bieten sich vergleichbare Chancen. Gut für uns, denn wir arbeiten für diese Branchen und liefern so die übergreifende Sichtweise, die notwendig ist.

marktforschung.de: SKOPOS ist seit dem Management Buy Out 2003 inhabergeführt. Sind Ihrer Meinung nach Investitionen in die Marktforschungsbranche aktuell eine gute Wahl? Oder auch anders gefragt: sind Ihrerseits Zukäufe geplant oder setzen Sie eher auf organisches Wachstum – und müssen Sie sich häufiger Anfragen von Investoren "erwehren"?

Thomas Starsetzki: Investitionen in die Marktforschung waren noch nie eine schlechte Wahl und ich sehe keine Gründe, warum sich das geändert haben sollte. Im Gegenteil: Der Bedarf an verlässlichen, gut aufbereiteten und gebündelten Informationen in einer Zeit des Informationsüberflusses wächst. Die von Herrn Hofmann gerade beschriebene Digitalisierung unserer Branche, die noch lange nicht zu Ende ist, birgt große Potentiale der Kosteneinsparung für uns Institute. Höhere Produktivität in Verbindung mit einer Volumensteigerung ist ein ganz klares Kaufsignal an der Börse – mit Recht. SKOPOS hat in der Vergangenheit immer sehr gute Erfahrungen mit der Ausgründung von ehemals internen Servicegesellschaften gemacht. Die SKOPOS Next ist hierfür ein gutes Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit. Investoren, zumeist mit strategischem Hintergrund klopfen eigentlich seit Jahren immer wieder mal an unsere Tür. Aus unserer Sicht hat es jedoch bislang nie genügend Fit gegeben, damit wir diesen sehr bedeutenden Schritt wirklich gehen. SKOPOS ist auch 2012 wieder gewachsen, vor allem in den Bereichen Mitarbeiterbefragungen und POS-Optimierung, daher stehen wir diesbezüglich keineswegs unter Zugzwang.

marktforschung.de: Herr Hofmann, Herr Starsetzki, vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

Veröffentlicht am: 24.01.2013

 

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