"KI ist eine der Schlüsseltechnologien der Zukunft"

Web-Seminar: Best-of Künstliche Intelligenz am 25.08.2021 um 11 Uhr

Automatisierte Texterstellung, Entscheidungen auf Basis von Echtzeitdaten und die Vermeidung unsauberer Umfrageergebnisse: Drei Anwendungsfälle Künstlicher Intelligenz, die im Best-of-KI Pitch am 25. August vorgestellt werden. Wir haben im Vorfeld mit den drei Referenten gesprochen.

IV Burgey Braun Hyka (Bild: ella media ag/Civey/Survalyzer)

Interview mit Thilo Burgey (ella media ag, links), Steffen Braun (Civey, mitte) und Christian Hyka (Survalyzer, rechts)

Am 25. August wird es um Künstliche Intelligenz gehen. Auf einer Skala von 0 = Fisher-Price Babyspielzeug bis 100 = Superstarke Voll-KI: Wo würden Sie Ihren Ansatz einordnen?

Christian Hyka: Noch gibt es keine "starke KI" in der Marktforschung – die superstarke Voll-KI steht in meinen Augen für die selbständig denkenden und handelnden Roboter oder Computer aus Science-Fiction Filmen, die einen Menschen komplett simulieren können. Die sogenannte „schwache KI“ kommt bereits im alltäglichen Leben zum Einsatz. Ihre Stärke liegt darin, aus riesigen Datenmengen für das menschliche Auge unsichtbare Muster zu erkennen und daraus Prognosen oder Handlungsempfehlungen abzuleiten. Die zurzeit am weitesten verbreitete KI-Technologie ist Maschinelles Lernen, welches unter anderem auch die Spracherkennung beinhaltet. Unser Ansatz liegt bei 60, da dank der Einbindung dieser Technologie die Qualitätssicherung von Survalyzer einen echten Mehrwert für Marktforscher generiert.

Thilo Burgey: Bei 80. Unsere KI schreibt selbstständig und denkt sich selbst Geschichten aus, aber ähnlich wie ein Baby kann sie nur das, was sie vorher gelernt hat. Die 100 Ihrer Skala wären erfüllt, wenn die KI selbstständig lernt und das Wissen auch selbst verarbeitet.

Steffen Braun: Bei Civey kommt KI an verschiedenen Stellen zum Einsatz. Ich gebe Ihnen zwei Beispiele, anhand derer man die Einsatzvielfalt gut erkennen kann: Zum einen nutzen wir die Intelligenz der Algorithmen als assistierende Technologie beim Platzieren unserer Fragebögen auf Webseiten. Hier analysiert das System anhand des Webseiten-Contents, welche Umfragen am besten passen. Die finale Entscheidung über eine Einbettung trifft am Ende aber ein Mensch. Beim Aussteuern der Fragebögen an die Panelisten greift ein vollautomatisierter Empfehlungsalgorithmus. Er optimiert mithilfe von machine learning fortlaufend die user experience und berücksichtigt darüber hinaus statistische Gütekriterien, indem er beispielsweise sicherstellt, dass eine mögliche Selbstselektion bei der Stichprobenziehung berücksichtigt wird. 

Wenn Sie „KI“ hören: Welche Assoziationen kommen als erstes in Ihnen auf?

Thilo Burgey: Für mich steht der Begriff „KI“ für Fortschritt, für Zukunft – und eine andere wichtige Assoziation sind Erleichterungen für die Menschen durch KI-Lösungen!

Steffen Braun: Ich denke bei KI vor allem an beschleunigte Prozesse und innovative Ideen. Es gibt derzeit so viele neue Unternehmen wie noch nie, die KI in ihren Produkten verwenden. Andererseits denke ich aber auch an die Wissenslücke und den Aufklärungsbedarf, der in Sachen KI noch in unserer Gesellschaft und bei Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern herrscht. 

Christian Hyka:

  • Autonome Entscheidungen, die ein nicht humanes System trifft
  • Teil-Deterministischer Algorithmus
  • KI wird noch unterschätzt
  • KI bietet mehr Chancen als Risiken 
     

Wie sind Sie zur Künstlichen Intelligenz gekommen? Was fasziniert Sie persönlich daran?

Christian Hyka: Wie viele von uns bin auch ich bereits in der Kindheit mit Künstlicher Intelligenz in Kontakt gekommen, nämlich über Science-Fiction Filme mit ihren intelligenten Robotern. Dieses Filmgenre fasziniert mich bis heute. KI ist ein Teilgebiet der Informatik und somit auch ein Teil, der zu meinem Werdegang gehört. Sie ist eine der Schlüsseltechnologien der Zukunft. Mich fasziniert an dieser intelligenten Technik, dass Computer selbständig lernen können und die damit verbundene Möglichkeit der Optimierung. Dank KI können wir noch präziser, produktiver, effizienter und nachhaltiger arbeiten.

Steffen Braun: Künstliche Intelligenz und Machine Learning werden inzwischen standardmäßig in der Statistik verwendet. Die Technologie macht den Arbeitsprozess agiler und unterstützt Menschen bei ihren Entscheidungen. Mich fasziniert, wie schnell sich die Anwendungsmöglichkeiten weiterentwickeln und welche Möglichkeiten uns damit offen stehen. 

Thilo Burgey: Ich habe mich mit dem Thema KI intensiv beschäftigt, seit ich den Gründer und CEO der ella media ag kennen gelernt habe. Es hat mich enorm fasziniert, dass Michael Keusgen mit seinem Team eine KI gebaut hat, die selbstständig fiktionale Geschichten erzählen kann. Die Möglichkeiten, die in dieser Technologie stecken, begeistern mich wirklich.

Von den großen wie Google, IBM & Co. Mal abgesehen – Welches Unternehmen bewundern Sie aufgrund ihrer KI?

Steffen Braun: Das Unternehmen gehört zwar auch zu den Großen, aber ich finde es bewundernswert, da hier KI im Bereich der kreativen Schöpfung eingesetzt wird: Und zwar bei Netflix. Dort wird mithilfe von Künstlicher Intelligenz ermittelt, welche Inhalte besonders gern gesehen werden und wieso. Mit diesem Wissen produziert Netflix passgenaue Unterhaltung, spart Kosten und senkt das Produktionsrisiko. Die KI ist sogar in der Lage, kreative Grundkonzepte zu liefern. Ich hätte vor einigen Jahren nicht für möglich gehalten, dass Machine Learning uns auch in diesem Bereich schon so viel liefern kann – aber es funktioniert und Netflix ist damit extrem erfolgreich.

Christian Hyka: Von außen betrachtet, ist es in vielen Bereichen nicht gut erkennbar, welche Unternehmensleistung auf künstlicher oder natürlicher Intelligenz, beispielsweise durch ein ausgeklügeltes Regelwerk oder gute Innovationen, aufgebaut ist. Daher gibt es (noch) kein spezifisches Unternehmen, dass ich aufgrund seiner KI bewundere.

Thilo Burgey: Es gibt aktuell kein Unternehmen und keine KI, die ich bewundere. Und das hat einen sehr einfachen Grund: wir stehen bei der Entwicklung von „echten“ KI-Lösungen noch ganz am Anfang.

Zukunftsvision 2030: Wohin haben sich Künstliche Intelligenzen allgemein und Ihre Anwendung im Speziellen bis 2030 entwickelt?

Thilo Burgey: Ich glaube, dass in Zukunft viele repetitive Aufgaben von einer KI erledigt werden können. Einige Berufsbilder werden sich radikal verändern. Für unsere Anwendungen bedeutet das unter anderem, dass zeitaufwändige Recherchen und Textarbeiten von einer Maschine erledigt werden können.  

Christian Hyka: KI ist gefragt, die Zahl der Anwendungen steigt. Vor allem im Bereich des maschinellen Lernens werden weitere grosse Fortschritte gemacht aufgrund des steigenden Bedarfs an Systemen, die grosse Datenmengen problemlos verarbeiten können. Künstliche Intelligenz wird zunehmend zentrale Bereiche unseres Lebens beeinflussen, z.B. in der Industrie (autonome Fabriken), im Gesundheitswesen (autonome Roboter in der Chirurgie) oder im Alltag (autonomes Fahren).

Steffen Braun: Künstliche Intelligenz wird immer mehr Teil unseres Alltags werden. Ich denke da zum Beispiel an autonomes Fahren. Aber auch in der angewandten Wissenschaft wird KI zunehmend eine Rolle spielen. So werden Auswertungen von Geodaten für den Klimaschutz in Zukunft noch akkurater werden, das zeichnete sich jetzt schon im neuen Bericht des IPCC ab.

Wer darf Ihren KI-Pitch auf keinen Fall verpassen? Und was erwartet die Zuschauer*innen?

Steffen Braun: Alle, die daran interessiert sind, wie bei moderner Markt- und Meinungsforschung KI zum Einsatz kommt, sollten auf jeden Fall dabei sein. Die Zuschauerinnen und Zuschauer erwartet zudem ein spannender Einblick in unsere Live-Daten zur Bundestagswahl. 

Christian Hyka: Unseren Pitch auf keinen Fall verpassen sollten Betriebliche und institutionelle Marktforscher die besonderes Augenmerk auf die Qualität von Umfragedaten legen. In unserer Präsentation wird aufgezeigt, wie der KI-Algorithmus von Survalyzer funktioniert. Dabei präsentieren wir, wie der Algorithmus die Umfragedauer, das Antwortverhalten und die Textantworten für die optimale Qualitätssicherung berücksichtigt, um die manuelle Datenkontrolle von Marktforschern vollständig zu automatisieren.

Thilo Burgey: Unser KI-Pitch ist auf jeden Fall relevant für alle Menschen, die in ihrer täglichen Arbeit mit Inhalten und Texten zu tun haben, zum Beispiel Redakteure, Betreiber von eCommerce Plattformen, Content-Spezialisten, Suchmaschinen-Experten und Social-Media-Manager - aber natürlich auch Marktforscher!  

Wenn ich mir nicht sicher bin, ob eine Anwendung auf einer KI basiert oder nicht: Welchen Tipp haben Sie für mich, das herauszufinden?

Thilo Burgey: Da kann ich gar keinen Tipp geben, denn man wird den Einsatz von KI nicht erkennen.

Steffen Braun: Eine gute Portion Skepsis schadet nie. Im Zweifelsfall ist es vermutlich keine KI, weil deren Implementierung enorm Ressourcen- und Kosten-intensiv ist. Also sollte man sich erstmal Fragen: Wie ist das Unternehmen technisch und personell aufgestellt?

Christian Hyka: Es stellt sich doch die Frage, wie relevant diese Frage in meinem beruflichen Alltag ist. Wenn beispielsweise in einem Webchat, egal ob ein Mensch oder eine Chatbot dahintersteckt, mein Problem gelöst wird, ist das eine gute Sache.  Als neugieriger Mensch analysiere ich, trotz dieser rationalen Betrachtung, immer gerne, ob ein Mensch oder ein Bot mit mir gerade chattet. Dabei gibt es folgende „Tricks“, die helfen, den Bot vom Menschen zu unterscheiden:

  • Fragen sie direkt am Anfang: Ob Sie mit einem Menschen zu tun haben. Die meisten „smarten“ Bots werden ehrlich sein.
  • Je länger ein Gespräch dauert, desto grösser die Chance Mensch von Maschine zu unterscheiden.
  • Verlassen sie den Kontext im Gespräch und analysieren sie, ob das Gespräch einen unnatürlichen Weg nimmt, indem sich beispielsweise die Antworten wiederholen, oder eine unspezifische Rückfrage gestellt wird.

Irgendwelche letzten Worte an die beiden Kontrahenten und/oder die Teilnehmenden?

Thilo Burgey: Für mich gibt es keine Kontrahenten, sondern immer nur Marktteilnehmer. Im Bereich KI schaffen wir alle zusammen einen neuen und großartigen Markt. Daher ist mein Credo, dass wir eher zusammen und nicht gegeneinander arbeiten. Allen Teilnehmern wünsche ich viel Spaß und Erfolg.

Christian Hyka: Ich freue mich auf das Web-Seminar und den Austausch mit den Kollegen von Civey und ella media ag!

Steffen Braun: Ich bin gespannt auf die Pitches meiner Kontrahenten und wünsche allen Teilnehmenden und Zuschauenden viel Spaß. 

Jetzt noch schnell für das Pitch "Best-of Künstliche Intelligenz" am 25.08., 11 Uhr, anmelden!

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