"KI findet Muster in verschiedenen Datensätzen und hilft bei der Vorhersage von Anlässen"

Thomas Grünberg, Brandwatch

Wie kann man Künstliche Intelligenz in der Marktforschung einsetzen? Was verändert sich für die Branche dadurch? Wir sprachen darüber mit Thomas Grünberg. Er ist Senior Marketing Manager DACH bei Brandwatch.

Thomas Grünberg, Brandwatch
Thomas Grünberg, Brandwatch

marktforschung.de: Herr Grünberg, in einer Pressemitteilung, die uns dieser Tage erreichte, wird behauptet, dass Brandwatch mit dem Segment "Digital Consumer Intelligence" die Marktforschung, ich zitiere, "voranbringe". Muss die Marktforschung in Deutschland Ihrer Meinung nach einen Schritt nach vorne gehen?

Thomas Grünberg: Mit Digital Consumer Intelligence haben wir nun die Möglichkeit, die Stimmen von Milliarden von Verbrauchern in Echtzeit in die Entscheidungsfindung einfließen zu lassen. Kunden teilen unentwegt ihre unaufgeforderte Meinung zu Produkten, Unternehmen und Branchen im Social Web. Noch nie war es einfacher, diese Art von Feedback in diesem Ausmaß und dieser Geschwindigkeit zu erheben und zu analysieren. Die Kombination der Social-Media-Daten mit anderen Datenquellen und mit Hilfe von KI-Technologien ist ein wichtiger Wettbewerbsvorteil für das Treffen von datengestützten Geschäftsentscheidungen. In Deutschland sehen wir immer mehr innovative Unternehmen aus allen Branchen, die solche Consumer-Insights-Abteilungen aufbauen, um den Wandel zu einem kundenfokussierten Unternehmen weiter voran zu treiben.

marktforschung.de:  Sie haben ein Tool programmiert, das automatisiert Verbraucherstimmen analysiert und den Unternehmen so helfen soll, ihre Strategie und natürlich die Produkte zu verbessern. Können Sie einmal ein ganz konkretes Beispiel nennen, was da passiert?

Thomas Grünberg: Globale Marken nutzen unsere Plattform, um herauszufinden, wie und was die Verbraucher wirklich über ihre Produkte und die der Wettbewerber denken. Dabei geht die Analyse weit über nur "positiv" und "negativ" hinaus. Die Kunden äußern auch Kaufabsichten, Produktempfehlungen, Wünsche und Feedback. Sie posten im Netz, warum Sie Produkt A dem Produkt B vorziehen oder warum sie einer Marke treu bleiben. Somit können auch weite Teile der Customer Journey mithilfe von Social-Media-Daten angereichert und weiter analysiert werden. Zudem ist es auch wichtig, über den Tellerrand zu schauen und Branchentrends und aktuelle Entwicklungen immer im Auge zu behalten. So wie z. B. der UK-Retailer Coop: Das Team greift jederzeit auf Live-Dashboards von Brandwatch zu, um die Stimmung im Web zu Nachhaltigkeitsthemen zu untersuchen. Die gewonnenen Insights werden an die entsprechenden Teams weitergeleitet und fließen in die tägliche Arbeit mit ein. 

marktforschung.de: Immer mehr Firmen entwickeln unter Einsatz von Künstlicher Intelligenz Analysemethoden, die gerade dem Marketing die Arbeit erleichtern sollen. Waren die bisher eingesetzten Methoden Ihrer Meinung nach unzureichend? Was wurde dadurch versäumt?

Thomas Grünberg: Mit den steigenden Datenmengen, die uns heutzutage zur Verfügung stehen, steigt auch der Bedarf an Analysten in Unternehmen. KI kann dabei helfen, die komplexen Prozesse bei der Erhebung, Analyse und Aufbereitung der Daten zu vereinfachen. Sie findet z. B. Muster in verschiedenen Datensätzen und hilft bei der Vorhersage von Anlässen, um somit unternehmensrelevante Entscheidungen zu treffen. Gerade im Marketing ist die Verfügbarkeit von schnellen Analysen und den korrekten Daten so wichtig wie nie zuvor. Jedoch wird KI nie einen Analysten ersetzen können, sondern wird vielmehr als helfende Hand eingesetzt. Es ist immer eine Kombination aus Beiden gefragt, besonders wenn es darum geht, am Ende der Untersuchung anhand der analysierten Daten eine rationelle Entscheidung zu treffen.

marktforschung.de: Wenn sich Verbraucher austauschen oder irgendwo im Netz ihre Bewertungen abgeben, dann ist da immer auch viel gekauftes und damit nicht ehrliches Feedback dabei. Es gibt zig Agenturen, die sich auf dieses Feld spezialisiert haben. Wie bereinigt ein System wie Digital Consumer Intelligence derartige Verzerrungen?

Thomas Grünberg: Das ist eine sehr gute und wichtige Frage: Genau das ist ein Grundgedanke von Digital Consumer Intelligence. Es geht nicht um die Betrachtung einer einzigen isolierten Datenquelle, sondern um die Kombination von traditioneller Marktforschung mit Social-Media-Marktforschung. Aus diesem Grund haben wir vor Kurzem das Echtzeit-Survey-Tool Qriously zu unserem Portfolio hinzugefügt, mit denen Menschen in einer natürlichen Online-Umgebung schnell und einfach befragt werden können. Nur mit einer ganzheitlichen Betrachtung erhalten Analysten ein holistisches und somit ehrliches Bild der Zielgruppe. Zum Anderen bieten unsere Listening-Tools auch spezifische Filtermöglichkeiten an wie  Anzahl der Follower oder Autoren-Listen,  die das Herausfiltern, solcher "Meinungen" auf bestimmten sozialen Netzwerken erleichtern. 

marktforschung.de: Was kostet die Nutzung Ihres Analysetools? 

Thomas Grünberg: Die Nutzung von Brandwatch Analytics starten bei 649€ Euro im Monat, je nach Umfang der Daten oder dem Hinzufügen von weiteren Tools für die Analyse. Die Anzahl der Nutzer, der Dashboards und der angewandten Filter- und Analysemöglichkeiten ist dagegen unbegrenzt.

marktforschung.de: Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Tilman Strobel

Veröffentlicht am: 29.07.2019

 

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