Hans Reitmeier: "Die Marktforschungsmesse ist zu dem Marktplatz geworden, zu dem wir sie machen wollten"

Hans Reitmeier im InterviewHans Reitmeier, Chefredakteur der Research & Results sowie Veranstalter der gleichnamigen Marktforschungsmesse in München, stand marktforschung.de im Rahmen der "Research & Results 2008" am ersten Messetag zum Interview zur Verfügung. Die Fragen für marktforschung.de stellte Sabrina Gollers. 

Das Interview können Sie hier als Videopodcast abrufen.

Sabrina Gollers für marktforschung.de: Neben mir steht Herr Reitmeier, Chefredakteur der Research & Results und Veranstalter dieser Marktforschungsmesse. Herr Reitmeier: Ihre erste Bilanz, so am ersten Tag?

Hans Reitmeier: Die erste Bilanz am ersten Tag ist aus Veranstaltersicht sehr, sehr positiv. Wir haben die Messe ja vor zwei Jahren konzipiert als Marktplatz für die Marktforschung. Das war ja ein Novum damals hier in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern, wo es so etwas schon gab. Damals haben manche gesagt: "Ein gewagtes Unterfangen." Es war im ersten Jahr sehr erfolgreich, im zweiten Jahr erfolgreich und wir sind jetzt im dritten Jahr und können sagen, dass wir uns in zwei Jahren mehr als verdoppelt haben was die Ausstelleranzahl anbelangt. Wir haben knapp 140 Unternehmen hier mit Ständen vertreten. Wir haben mittlerweile auch die Top-Ten nahezu vollständig hier versammelt, aber natürlich auch eine Vielzahl von mittleren und kleineren Häusern, die hier ausstellen, so dass wir – denke ich – sagen können, von der Angebotsseite her repräsentiert die Messe wirklich den Markt der Marktforschung. Sie ist zu dem Marktplatz geworden, zu dem wir sie machen wollten.

Von der Besucherresonanz her – soweit man das am ersten Tag sagen kann – sind wir auch sehr zufrieden. Wir hatten im Bereich der Vorregistrierungen ein Plus von etwa 20 Prozent. Und wenn man sich die Schlangen, die hier heute Vormittag am Registrierungsschalter waren, angesehen hat, dann würde ich mal sagen, bin ich optimistisch, dass sich das auch tatsächlich in Besucherzahlen umsetzt. Wir gehen davon aus, dass wir ein Besucherplus haben werden - wie groß das sein wird, kann man naturgemäß erst am Ende sagen.

Die Workshops sind sehr gut besucht – das Workshopprogramm hat sich ja auch noch mal vergrößert. Die Resonanz war sehr gut, selbst am frühen Morgen schon sind die Leute dort reingegangen. Wenn man durch die Messehallen geht, sieht man viele Leute an den Ständen stehen, diskutieren in den Gängen, so dass da eine ganze Menge Leben ist, eine ganze Menge Markt stattfindet - also eine ganze Menge Marktforschung stattfinden wird in der Folge der Messe, denn letztlich geht es ja auch darum, Kontakte – Geschäftskontakte, Kundenkontakte – anzubahnen, die sich nachher in der Folgezeit auch in Aufträge umsetzen.

Und wenn man mit einzelnen Ausstellern gesprochen hat, haben wir auch da bislang sehr positives Feedback bekommen und denken, dass die Messe heute und morgen so erfolgreich weitergehen wird, wie sie begonnen hat.

Sabrina Gollers: Was sind denn die Trendthemen dieser Messe?

Hans Reitmeier: Wir sehen bei den Trendthemen natürlich ein Thema, was ein Trendthema allenthalben ist, und das ist das Thema Web 2.0, Webmonitoring - auch Netnographie genannt –, das ist jetzt ein Thema, das nicht alle anderen Methoden ablösen wird, was aber einfach in einem neuen Medium neue Möglichkeiten des Erkenntnisgewinns bringt.

Was wir von den Instituten hören, ist ein sehr wichtiges Thema Innovationsentwicklung, und zwar nicht Innovation in der Marktforschung, sondern die Hilfestellung der Marktforschung bei der Entwicklung von Produktinnovationen in systematischer, aufeinander aufbauender Weise. Was wir wahrnehmen hier auf der Messe und auch aus dem redaktionellen Bereich heraus ist das Thema "Kundenzufriedenheit", Nähe zum Kunden, Customer Relationship Management – wie verstehe ich meinen Kunden noch besser, sein Verhalten am Point of Sale, sein konkretes Einkaufsverhalten, welche Stellschrauben habe ich, um dort einzuwirken – das bieten die Institute an.

Ansonsten sind es natürlich immer wieder die Themen Marke, Markenführung, Consumer Insights; es ist das große Thema Online nach wie vor, das – wie das auch zu erwarten war – nichts anderes komplett ablöst, aber doch seine ganz eigene Dynamik entwickelt hat.

Sabrina Gollers: Wie wird sich Ihrer Meinung nach die Marktforschungsbranche in Zukunft verändern?

Hans Reitmeier: Ich glaube, ich befinde mich in guter Gesellschaft, wenn ich jetzt sage, dass es ein schwieriger Zeitpunkt ist, um Prognosen zu machen, weil natürlich die momentane wirtschaftliche Situation nicht wirklich abzuschätzen ist. Die Marktforschung hat sich immer über die Jahre hinweg als sehr robuste Branche erwiesen – sicherlich mit gewissen Schwankungen, aber bei weitem nicht so volatil, wie das vielleicht andere Branchen sind. Ich denke, dass bestimmte Trends ganz sicher weitergehen werden – Online wird weiter ein Thema sein, die Gesellschaft vernetzt sich weiter und so wird es auch die Marktforschung tun und dem folgen.

Weitere Entwicklungen, die wir sehen, sind – und das scheint sich auch fortzusetzen –, dass einfach direkte Beobachtung eine Rolle spielt, ethnographische Methoden, dass die Kunden nach dem, was wir hören, gerade im qualitativen Bereich einfach sehen wollen, wie die Konsumenten zuhause wohnen und leben bis dahin, was sie im Kühlschrank haben. Da bieten neue Techniken wie zum Beispiel Videotechnik und ähnliches natürlich ganz tolle Möglichkeiten, das auch zu visualisieren – und das wird wohl sehr gut angenommen werden.

Vielleicht kommt etwas mit Web 3.0 – was immer Web 3.0 sein wird, keiner von uns weiß es. Ich denke, was man sagen kann, ist, dass die Marktforschung immer alle Entwicklungen in der Technik, im Konsumentenbereich aufgenommen hat und diese Entwicklungen dann auch in entsprechende Forschungstools umgesetzt hat. Und das, denke ich, wird auch weiter so bleiben.

Sabrina Gollers: Wie setzt sich die Besucherschaft dieser Messe zusammen?

Wir hatten im vergangen Jahr einen Anteil von zwischen 40 und 50 Prozent Auftraggebern, also betriebliche Marktforscher in der Besucherschaft. Die anderen Anteile sind natürlich Dienstleister selbst, die hier als Besucher kommen, aber natürlich auch Universitäten, wo sich Berufsaspiranten natürlich Anregungen holen und Möglichkeiten sondieren.

Was wir mit Fug und Recht ganz sicher sagen können ist, dass die letztjährige Research & Results das größte Zusammentreffen betrieblicher Marktforschungsauftraggeber war, das in Deutschland je stattgefunden hat – wir hoffen, dass sich das in diesem Jahr wiederholen wird.

Veröffentlicht am: 26.11.2008

 

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