"Im Superwahljahr 2021 ist politische Beteiligung auf jeden Fall ein Thema"

GOR 21

Die 23. General Online Research (GOR) öffnet vom 8. bis zum 10. September ihre virtuellen Pforten. Die inhaltliche Ausrichtung, Schwerpunkte und neue Themen erläutern die Programmverantwortlichen.

GOR Interview (Bild: GOR)

Hallo Herr Keusch, hallo Frau Struminskaya. Wie wird man eigentlich Programme Chair für die GOR? 

Florian Keusch: Die Programme Chairs bei der GOR werden seit jeher aus den Reihen der DGOF Vorstandsmitglieder gestellt. Zu den Anfängen der Konferenz war das meist die Aufgabe einer Person, allerdings ist die GOR in den letzten Jahren erfreulicherweise stark gewachsen und so machen wir das seit einigen Jahren zu zweit. So können wir die Aufgaben besser aufteilen. Bella und ich machen das als eingespieltes Team schon seit 2018 gemeinsam und wir wechseln uns in der Rolle des Chairs und Vice-Chairs ab.  

Bella Struminskaya: Sowohl Florian als auch ich sind seit einer längeren Zeit mit der GOR Konferenz verbunden. Wir haben beide vor Jahren als Besucher angefangen. Bevor ich Programme Chair geworden bin, war ich Track Chair. Man könnte also sagen, dass wir in die Rolle der Programme Chairs „hineingewachsen“ sind.  

Wie baut man ein Programm für so eine Konferenz wie die GOR? Wie viele Personen sind an dem Prozess beteiligt? 

FK: An der Erstellung des Programms sind mittlerweile eine recht große Anzahl an Personen direkt und indirekt beteiligt. Programme Chair und Vice Programme Chair, die die inhaltliche Hauptverantwortung für das gesamte Programm haben, werden von Track Chairs unterstützt. In den drei Tracks A (Survey Research), B (Data Science) und C (Politics, Public Opinion, and Communication) sind das mittlerweile auch 2er Teams, jeweils mit einer Person aus dem akademischen und dem kommerziellen Bereich. Diese Gruppe ist dafür zuständig, ein dreiviertel Jahr vor der Konferenz den Call vorzubereiten und auszuschicken. Danach müssen ca. 100 Reviewer für das International Review Board rekrutiert werden, die die eingereichten Beiträge begutachten. Auf Basis des Feedbacks der Reviewer entscheiden wir dann als Gruppe, welche Beiträge ins Konferenzprogramm aufgenommen werden. Zusätzlich gibt es im Programme Committee noch eigene Verantwortliche für den Thesis Award Track, den Best Practice Award Track und die Workshops, die am ersten Tag der GOR stattfinden. Alles in allem kommen da sicher mehrere 100 Arbeitsstunden im Programm Committee zusammen und da ist die Arbeit der Reviewer noch gar nicht mit eingerechnet. 

Ich hätte gerne einen Überblick, ohne das gesamte Programm scannen und clustern zu müssen: Wie lässt sich das Programm beschreiben? Welche Themenschwerpunkte finden sich? Wie unterscheidet sich das Programm von dem vergangener GORs? 

BS: Neben den klassischen Themen, wie Repräsentativität von Online Panels, Datenqualität und Antwortverhalten bei Online-Umfragen, die seit den Anfängen der GOR Kernthemen der Konferenz sind, sind wir immer bemüht, die neuesten Trends der Online-Forschung aus Wissenschaft und Praxis im Konferenzprogramm abzubilden. Das sind aktuell Themen wie die Nutzung neuer Technologien, insbesondere Smartphone-Sensoren und Apps bei Umfragen, digitale Verhältnisspuren, die Verlinkung verschiedener Big Data Datenquellen mit traditionellen Befragungsdaten sowie die Chancen und Hindernisse beim Einsatz von Machine Learning und Künstlicher Intelligenz. Verstärkt kommt das Thema Social Media dazu, sowohl was inhaltliche Markt- und Sozialforschung mit Social Media Daten betrifft, aber auch die Rekrutierung von Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern über Social Media Plattformen. Natürlich sind auch tagesaktuelle Themen wie die Auswirkungen von COVID-19 vertreten. Und im Superwahljahr 2021 ist politische Beteiligung auf jeden Fall ein Thema: Wir haben eine spannende Podiumsdiskussion zur Rolle der Demoskopie für Wahlen geplant.  

Mehr Informationen zur General Online Research Konferenz, zum Programm sowie zur Anmeldung unter: www.gor.de 

Auf welche Schmankerl freuen Sie sich persönlich ganz besonders? 

FK: Ein Highlight sind natürlich bei jeder GOR die Keynotes. Wir versuchen hier ganz bewusst aktuelle Themen zu wählen, die manchmal auch ein bisschen weiter greifen als die Kernthemen der GOR. Es freut uns ganz besonders, dass wir dieses Jahr zum ersten Mal in der Geschichte der GOR zwei weibliche Keynotespeakerinnen haben, das war längst überfällig. Die erste Keynote am Donnerstag wird Professor Mirta Galesic vom Santa Fe Institut (USA) halten. Bei ihr freut es uns ganz besonders, dass sie unserer Einladung gefolgt ist, da sie schon vor einigen Jahren einmal als Vortragende auf der GOR dabei war und damit die Konferenz gut kennt. Sie wird in ihrer Keynote über neueste Entwicklungen im Bereich der Vorhersage von Wahlergebnissen berichten und wie die Ergebnisse traditioneller Wahlbefragungsmethoden durch sogenannte „Wisdom-of-crowds“ Fragen verbessert werden können. In der zweiten Keynote am Freitag wird Christina Elmer vom Spiegel über das extrem spannende Thema des Data Journalism sprechen und welche Veränderungen die Corona-Krise mit sich gebracht hat. 

Setzen Sie alle Themen oder schauen Sie, welche Schwerpunkte sich aus den Bewerbungen ergeben und folgen diesem Input dann? 

BS: Wir machen beides. Im Call für Papers, der ein dreiviertel Jahr vor der Konferenz veröffentlicht wird, setzen wir für die einzelnen Tracks feste Themenschwerpunkte. Diese Themenbereiche sind breit genug, um sowohl Vorträge zu rekrutieren, die über inkrementellen Wissenszuwachs aus der angewandten und akademischen Forschung berichten, aber auch bahnbrechende Beiträge über die aktuellen Trends und Innovationen zuzulassen. Sehr innovative Beiträge aus dem angewandten Bereich kommen in den Best Practice Wettbewerb. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, erste Erkenntnisse aus ganz aktuellen, noch laufenden Projekten, also Work-in-progress, beim Posterwettbewerb einzureichen.  

Die GOR findet zum zweiten Mal in ihrer langen Geschichte rein digital statt: Nicht so praktisch für den gemeinsamen Drink, dafür aber super in Sachen Internationalität der Speakerinnen und Besucher. Wie beurteilen Sie diesen Trade-Off? 

FK: Es ist ganz sicher ein Trade-Off. Auf der einen Seite ermöglicht eine rein online durchgeführte Konferenz, dass wir ein noch breiteres Publikum ansprechen. Wir sehen das auch eindeutig an der dieses Jahr stark zugenommenen Anzahl an internationalen Einreichungen. Auch dass die Vorträge als Videos während der gesamten Konferenz für alle Konferenzteilnehmenden auf der Plattform jederzeit verfügbar sind, ist sicher ein großer Vorteil. Man muss sich dann nicht wie auf einer Konferenz vor Ort für jeweils einen der parallel laufenden Tracks entscheiden. Auf der anderen Seite ist die soziale Komponente, die die GOR ja auch seit Jahren so speziell ausmacht, natürlich viel schwerer in den virtuellen Raum zu transferieren. Letztes Jahr waren wir froh, dass die GOR überhaupt virtuell stattfinden konnte, wir haben aber gemerkt, dass das Netzwerken und die persönliche Begegnung sicher zu kurz gekommen ist. Dieses Jahr haben wir daher in der Planung einen speziellen Fokus auf die soziale Komponente gesetzt. 

BS: Wir hoffen, dass wir uns bei der GOR 22, die für das Frühjahr 2022 geplant ist, wieder persönlich treffen können. Wir loten derzeit aber auch die Möglichkeit aus, parallel dazu eine Online-Teilnahme für Gäste anzubieten, die nicht vor Ort dabei sein werden können. Wie genau so eine hybride Option aussehen kann, müssen wir noch prüfen. Wichtig ist uns aber, in Zukunft wieder ganz stark die persönliche Begegnung, die wir alle sicherlich vermissen, in den Vordergrund zu stellen.  

Mehr Informationen zur General Online Research Konferenz, zum Programm sowie zur Anmeldung unter: www.gor.de 

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