"Glück ist eine Überwindungsprämie"

20. März 2019: Internationaler Tag des Glücks

"Je mehr Hürden wir im Leben nehmen, desto glücklicher werden wir" – das sagt der Speaker, Berater und Bestsellerautor Hermann Scherer in seinem neuen Buch "Glücksgeschenke". Wie wir mehr Abenteuer in unseren Alltag holen und wie sich das Prinzip auch beruflich nutzen lässt, verrät er im Interview.

Hermann Scherer

Hermann Scherer

marktforschung.de: Herr Scherer, warum müssen wir Abenteuer erleben, um glücklich zu sein? 

Hermann Scherer: Die Forschung unterscheidet zwischen passivem und aktivem Glück. Passives Glück ist das Glück der Achtsamkeit, etwa wenn wir das schöne Wetter wahrnehmen, die Natur um uns herum oder unsere eigene Zufriedenheit. Das aktive Glück dagegen können wir bewusst ansteuern. Denn immer dann, wenn wir uns überwunden und etwas Besonderes erreicht haben, verspüren wir Glück. Glück ist also eine Überwindungsprämie: Jede Hürde kann ein kleines Abenteuer sein und damit die Eintrittskarte zu persönlichen Glücksmomenten. 

marktforschung.de: In Ihrem Buch "Glücksgeschenke" plädieren Sie für Mikroabenteuer im Alltag. Wie sehen die aus und wie schaffe ich sie mir? 

Hermann Scherer: Es ist klar, dass wir nicht jeden Tag die große Abenteuerreise antreten können. Die brauchen wir aber auch nicht, um glücklich zu sein. Dazu reichen schon Mikroabenteuer. Das können klitzekleine Veränderungen im Leben sein: mal einen anderen Weg zur Arbeit wählen oder mit dem Fahrrad statt mit dem Auto fahren. Mit einem Kollegen sprechen, mit dem man sonst nicht gesprochen hätte. Sich in der Kantine an einen anderen Tisch als an den üblichen setzen. Kleine Veränderungen machen unser Leben bunter und vor allen Dingen glücklicher.

marktforschung.deAb und zu braucht es aber schon größere Herausforderungen, denn Sie sagen: Je größer die Hürde, desto größer das Glück. 

Hermann Scherer: Das ist richtig - dabei ist es aber individuell sehr unterschiedlich, wie hoch die Hürde sein muss. Wenn ein guter Läufer einen Kilometer läuft, dürfte dies sein Glücksgefühl nur marginal steigern. Ganz anders ein ungeübter Anfänger, der – zu Recht – auf den einen Kilometer sehr stolz sein wird. Ein anderer, der gerade erst eine Krankheit oder die Folgen eines Unfalls überwunden hat, wird mit 500 Metern glücklich. 

marktforschung.deDann müssten Ihre Schüler, die Sie in Ihrer Academy zu Speakern ausbilden, ja eine Menge Glücksmomente erleben. Für viele ist es doch bestimmt eine ziemliche Selbstüberwindung, sich auf eine Bühne zu stellen und vor großem Publikum einen Vortrag zu halten? 

Hermann Scherer: Absolut, genauso ist es. Es ist unglaublich, wie glücklich die Menschen sind, nachdem sie ihren ersten großen Vortrag auf der Bühne bei einem Speaker-Slam gehalten haben. Für viele sind genau diese Adrenalin-Glücksmomente ein bewusster oder unbewusster Faktor bei der Entscheidung, Redner zu werden.

marktforschung.deBeherzigen Sie das Prinzip denn selbst, immer wieder Abenteuer in Ihr Leben zu holen? 

Hermann Scherer: Selbstverständlich! Ich gebe Ihnen ein berufliches und ein privates Beispiel. Beruflich habe ich jetzt begonnen, mit "Scherer Daily" eine eigene Fernsehsendung zu produzieren. Das war ein großer, aufregender Schritt und er hat mein Leben um neue, spannende Erfahrungen bereichert. Privat versuche ich immer wieder, mit meinen Kindern kleine Abenteuerreisen zu unternehmen. Demnächst geht es nach London, auf Wunsch meiner Tochter. Manchmal kosten diese kleinen Reisen zwar Überwindung, weil es leichter ist, zu Hause zu bleiben, aber am Ende werden wir mit viel Glück und großartigen Erlebnissen belohnt. 

marktforschung.de: Sie fordern Ihre Leser auf, sich täglich zu blamieren, etwa in dem sie bei McDonalds ein MacBook bestellen. Was kann man denn daraus lernen? 

Hermann Scherer: Nun, das Ganze ist natürlich eine Metapher. Und die hat deshalb eine so große Bedeutung, weil nichts passieren kann. Wir schämen uns ja für Dinge, die gar nicht eintreten. Kein Satz auf dieser Welt hat mehr Träume zerstört als dieser: "Was sollen die Leute denken?" Nach einer solchen Bestellung bei McDonald geht man ein wenig souveräner durchs Leben.

marktforschung.de: Sie sind außerdem entschieden dagegen, einen Plan B zu haben. Warum? 

Hermann Scherer: Ein Plan B kann schnell vom eigentlichen Ziel ablenken. Denken wir nur an den spanischen Eroberer Hernando Cortés: Er setzte im Jahre 1519 mit 700 Mann auf elf Schiffen von Kuba nach Mexiko über, um das Goldland zu suchen. Doch Mexiko entpuppte sich als gut organisierter Staat mit einer großen Armee. Die spanischen Soldaten meuterten und Cortés ließ die Flotte in Brand stecken - mit Ausnahme eines Schiffes. Ein Rückzug - und damit der Plan B - war unmöglich, und der spanische Landungstrupp eroberte mit dem Mut der Verzweiflung in wenigen Monaten das Riesenreich des Montezuma. 

marktforschung.de: Kann man mit all diesen Erkenntnissen neben dem persönlichen Glück auch seinen beruflichen Erfolg steigern?

Natürlich, denn auch der berufliche Erfolg und die Karriereleiter bestehen aus Überwindungsprämien. Sie machen den Mitarbeiter glücklich, in der Regel auch den Arbeitgeber - und gerne auch den Kunden, der das zu schätzen weiß.

marktforschung.de: Herr Scherer, wir danken Ihnen für dieses Gespräch. 

Über den Autor

Über 3000 Vorträge vor rund einer Million Menschen in über 30 Ländern, 36 Bücher in 18 Sprachen, über 1000 Presseveröffentlichungen, Forschung und Lehre an mehreren europäischen Universitäten, erfolgreiche Firmengründungen, eine anhaltende Beratertätigkeit und immer neue Ziele - das ist Hermann Scherer. Sein neues Buch "Glücksgeschenke. Inspirationen für ein Leben voller motivierender Momente" erscheint am 20. März im GABAL Verlag, Offenbach 2019, € 18. 

Veröffentlicht am: 20.03.2019

 

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